Jonathan Van Ness von der Netflix-Serie Queer Eye wirbt für Elizabeth Warren.

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Ex-Vizepräsident Joe Biden auf einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa.

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Die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez reiste zur Unterstützung von Bernie Sanders an.

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Bernie Sanders bekam auch Rückenwind von der Musikgruppe "Portugal. The Man".

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In Iowa geht es derzeit um alles. Eine Woche vor dem Iowa-Caucus, dem Vorwahlgang der demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber im Bundesstaat Iowa, sind viele Wähler noch unentschlossen.

Iowa ist der erste Bundesstaat, in dem die Mitglieder der Demokraten am 3. Februar über ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl abstimmen. Anschließend kommt es in den weiteren 49 US-Bundesstaaten, im Bundesdistrikt Washington, D.C. und in den US-Außengebieten zu Wahlen (Primary) oder Versammlungen (Caucus). Der oder die Siegerin der demokratischen Vorwahlen soll dann im November gegen Präsident Donald Trump antreten.

In den letzten Umfragen für Iowa wechseln einander Joe Biden und Bernie Sanders an der Spitze ab, gefolgt von Pete Buttigieg, Elizabeth Warren, der Senatorin aus Massachusetts, und ihrer Senatskollegin Amy Klobuchar aus Minnesota.

Für Neulinge auf dem politischen Bundesparkett wie Andrew Yang, Buttigieg oder Klobuchar geht es in Iowa um alles. "Es geht nicht um die Anzahl an Delegierten, sondern um das Momentum", erklärt eine Wahlhelferin in Council Bluffs. Iowa entsendet zum Bundeskongress, wo über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten entschieden wird, nur wenige Abgeordnete. "Hier kann man sich jedoch einen Namen machen." Die Veranstaltungen in Iowa sind für die Bewerber mühevolle Kleinarbeit: Auf knapp der doppelten Fläche Österreichs leben in Iowa nur drei Millionen Menschen. Die unbekannteren Bewerber bereisen insbesondere die Kleinstädte mit knapp 1.000 Einwohnern, um in sogenannten "Town Halls", also Wählerversammlungen, vor den Wählern zu sprechen.

Electability

In Iowa gehe es in den letzten, entscheidenden Tagen um die "Wählbarkeit" (Electability), erklärt eine der Aktivistinnen, die in Council Bluffs von Tür zu Tür gehen und die Menschen von ihrem Kandidaten überzeugen wollen. Die Frage für viele Wähler sei damit: "Wer hätte das Potenzial, Trump zu schlagen?" "Viele Leute haben gesagt, dass sie sich höchstwahrscheinlich erst am Tag der Vorwahl entscheiden werden", sagt die Aktivistin, die für das Team von "Mayor Pete" Buttigieg wirbt.

Ernüchterung und der Wunsch nach Schadensbegrenzung von Trumps Amtszeit stehen bei vielen demokratisch gesinnten Wählern in Iowa ganz vorne auf der Agenda. Das betrifft auch die Engagements der USA im Ausland. In den umliegenden Counties von Council Bluffs ist die Präsenz des Militärs spürbar. Die Werbeplakate der US-Armee stechen auch zwischen den zahllosen Maisfeldern gut sichtbar hervor. Auch Council Bluffs hat, wie viele andere Kleinstädte in Iowa, ein eigenes Rekrutierungsbüro der US-Armee. Das umfangreiche Engagement des US-Militärs im Ausland sehen jedoch viele auch kritisch.

In einer Wahlveranstaltung Buttgiegs im Carrollton Centre, knapp zwei Autostunden vom Stadtzentrum Council Bluffs entfernt, wurden am Samstagabend viele Probleme geäußert, die auch schon bei den bundesweiten TV-Debatten der demokratischen Spitzenkandidaten dominiert haben: das marode US-Gesundheitssystem, die systemische Waffengewalt, unzureichende Wasserversorgung sowie Obdachlosigkeit und mentale Gesundheit. Im Fall von Iowa kommt auch Religion als zusätzlicher Faktor hinzu. "Ich habe es satt, als Demokratin immer dargestellt zu werden, als wäre ich automatisch gegen Christus", sagte eine Besucherin der Town Hall in der Fragezeit mit Buttigieg. (APA, red, 27.1.2020)