Mitglieder des Punxsutawney Groundhog Club verlesen die Wettervorhersage des wohl berühmtesten Murmeltiers der Welt.

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Murmeltier Phil wird von seinem Herrchen John Griffiths dem Publikum präsentiert.

Foto: AP/Gene J. Puskar

Viele Amerikaner nutzen den Groundhog Day für einen Familienausflug.

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Murmeltier Phil hat viele Fans.

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Harrisburg (Pennsylvania) – Tausende Menschen schauen am 2. Februar auf ein kleines US-Städtchen: Murmeltier Phil sagt dort voraus, ob weiter Winter ist oder bald Frühling ansteht. Ein Hollywoodfilm hat das Spektakel so berühmt gemacht, dass in Punxsutawney nun jeder Tag "Murmeltier-Tag" ist.

Schon die Fahrt nach Punxsutawney hat etwas von Groundhog Day. Einsame Straßen in hügeliger Landschaft, durch die Luft schwirrende Schneeflocken, Bauernhöfe mit roten Scheunen und hohen Silos, stoppelige Maisfelder – und hinter dem nächsten Hügel alles wieder von vorne, ähnlich wie in "Und täglich grüßt das Murmeltier", dem Erfolgsfilm aus dem Jahr 1993, in dem Wetteransager Bill Murray denselben Tag immer wieder neu erlebt.

Platz auf der Landkarte

Dann grüßt das Murmeltier wirklich – und zwar von allen Seiten. "Willkommen in Punxsutawney, der Wetterhauptstadt der Welt", heißt es schon auf dem Ortsschild. Comicartig gezeichnete Murmeltiere mit zwei großen Vorderzähnen grüßen von vielen Wänden, Murmeltier-Statuen stehen vor fast jedem Geschäft und jeder Behörde, verkleidet als Briefträger, Feuerwehrmann oder Freiheitsstatue. Die Kleinstadt mit rund 6.000 Einwohnern – deren Name auf amerikanische Ureinwohner zurückgeht, etwa "Panksetohnie" ausgesprochen und von den Einheimischen liebevoll "Punxsy" abgekürzt wird – ist vor allem, so wie es auf einem Graffiti am Ufer des Flüsschens Mahoning Creek Lake steht, "Heimat des berühmten Murmeltiers".

"Dieses Murmeltier hat uns einen Platz auf der Landkarte beschert", sagt John Griffiths. "Es gibt so viele kleine Städtchen hier im Westen von Pennsylvania, die niemand kennt. Aber uns kennt man auf der ganzen Welt." Griffiths arbeitet eigentlich in der Erdgasindustrie, seit rund 13 Jahren ist der 59-Jährige aber vor allem Herrchen von Phil, dem Waldmurmeltier, um das sich in Punxsutawney alles dreht.

Wetterspektakel

Auch am diesjährigen Groundhog Day am Sonntag (2. Februar) müssen er und sein Co-Herrchen A .J. Dereume dafür sorgen, dass Phil frühmorgens fit und munter auf einen auf einer Holzbühne aufgebauten Baumstumpf kommt und – über den Präsidenten des Punxsutawney Groundhog Club – seine Wetterprognose abgibt: Sieht Phil seinen Schatten, dann gibt es einen frühen Frühling. Sieht er ihn nicht, dauert der Winter noch weitere sechs Wochen an.

1887 wurde das Wetterspektakel erstmals am Gobbler's Knob, einem Waldstück außerhalb von Punxsutawney, gefeiert. Die Tradition geht angeblich auf deutsche und niederländische Einwanderer zurück und wird inzwischen auch an dutzenden anderen Orten in den USA begangen. Punxsutawney hat sich – auch dank des erfolgreichen Hollywoodfilms, der dort spielt, allerdings im Bundesstaat Illinois gedreht wurde – als Zentrum des Murmeltier-Spektakels etabliert. Inzwischen kommen bis zu 30.000 Zuschauer dafür in die Kleinstadt, es gibt Feuerwerk, die Nationalhymne, Musik und Verköstigung. Tausende weitere Menschen verfolgen Phils Auftritt per Fernseher oder Livestream. Geschäfte in Punxsutawney verkaufen Murmeltier-Souvenirs von T-Shirts über Lätzchen und Stofftiere bis hin zu Tassen.

"Eine große Sache"

Die Anziehungskraft reiche weit über den Groundhog Day hinaus, sagt Ron Ploucha, der früher auch einmal als Herrchen von Phil im Einsatz war und immer noch Mitglied des Groundhog Club ist, des wohl wichtigsten Vereins im Ort. "An 365 Tagen im Jahr haben wir hier Touristen. Sie kommen aus der ganzen Welt."

Auch Phil ist nicht nur am Murmeltier-Tag selbst im Einsatz. "Wir nehmen ihn mit zu Messen und in Schulen, und er war auch schon Stargast bei Baseballspielen", erzählt Ploucha, 70 Jahre alt und Lehrer im Ruhestand. "Bibliotheken, Altersheime – alles, was man sich so vorstellen kann. Und wenn eine junge Frau aus Punxsutawney zum Beispiel einen Mann aus Boston heiratet, dann schaut Phil natürlich auch bei der Hochzeit vorbei, das ist eine große Sache."

Wenn das vielbeschäftigte Murmeltier mal freihat, lebt es in einem Gehege im Zentrum von Punxsutawney direkt neben der Stadtbücherei, gemeinsam mit seiner Partnerin Phyllis. Beide schlafen dann viel – Winterschlaf halten sie im Gehege anders als ihre Murmeltier-Kollegen im Wald allerdings keinen. "Phil's Burrow" (Phils Bau) steht auf der grünen Markise über einer halbrunden Glasscheibe, durch die Besucher die Murmeltiere beobachten können. Angegriffen werden dürfen sie nur von den beiden Herrchen, die sie auch füttern (Grünkohl, Brokkoli, Karfiol, Karotten, Süßkartoffeln und Phils Lieblingsessen: Bananen), mit Wasser versorgen, zum Tierarzt bringen und deren Bau sie reinigen.

Verschwörerisch

"Das ist einfach ein Vollzeitjob", sagt Herrchen Griffiths. "Aber man baut auch eine Verbindung zueinander auf. Ich kann ihn auf den Arm nehmen und halten, und dann liegt er da meistens ganz ruhig in meinem Arm. Er fühlt sich dann an wie ein großes, schweres Plastiksackerl voll Wasser, weil sein Körper fast nur aus Fett besteht. Ihn hochzunehmen bleibt allerdings schwierig, denn er ist und bleibt ein wildes Tier, er ist kein Haustier." Phil hat scharfe Krallen und große Zähne. Dicke schwarze Lederhandschuhe zieht Griffiths an, wenn er das etwa katzengroße braune Tier auf den Arm nimmt. "Und trotzdem passiert so etwas", sagt das Murmeltier-Herrchen und zeigt auf eine Bissspur auf seinem Unterarm.

Phils Alter ist Tabuthema in Punxsutawney. Eigentlich werden Waldmurmeltiere nur bis etwa zehn Jahre alt. Phil aber bekomme jedes Jahr ein ganz spezielles Elixier zu trinken, das sein Leben verlängere, sagen die Mitglieder des Groundhog Club, die sich am liebsten mit schwarzen Zylindern zeigen, und zwinkern verschwörerisch.

Kritik von Tierschutzorganisation

Nicht jeder in Punxsutawney ist Murmeltier-Tag-Fan. "Das ist sehr gemischt", sagt Griffiths. "Ich würde gerne sagen, dass die ganze Stadt voll dabei ist, aber das stimmt so nich,t und das ist auch okay." Die Mitglieder des Groundhog Club aber sind das ganze Jahr über intensiv mit der Vorbereitung des Spektakels beschäftigt. "Spätestens im Jänner laufen wir komplett auf Autopilot."

Kritik an dem Spektakel kommt vonseiten der Tierschutzorganisation Peta, wo man Phil gerne durch einen "Murmeltier-Roboter" mit künstlicher Intelligenz ersetzt sehen würde, wie man in einem Brief erklärt. (APA, dpa, red, 1.2.2020)