Noch läuft Datteln-4 im Testbetrieb. Der modernste Kohlemeiler im Ruhrgebiet könnte bis 2038 befeuert werden.

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Düsseldorf/Frankfurt – Der deutsche Energiekonzern Uniper bietet ein Zuckerl für die Inbetriebnahme des umstrittenen Kohlekraftwerks Datteln-4: Uniper wolle bis Ende 2025 alle seine Kohlekraftwerke in Deutschland stilllegen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider – außer den Meiler Datteln-4.

Der in der Kritik von Umweltschützern stehende Versorger strebe in mehreren Schritten eine Abschaltung seiner Blöcke an, zitierte Reuters am Donnerstag zwei mit dem Vorhaben vertraute Personen. Uniper wolle seinen Kohlendioxid-Ausstoß bis 2025 nochmal um bis zu 40 Prozent senken. Das Unternehmen gab dazu keine Stelllungnahme ab.

Schrittweiser Ausstieg

Am Mittwoch hatte der Konzern angekündigt, den von der Bundesregierung beschlossenen Kohleausstieg zu prüfen und sich bald im Detail dazu zu äußern. Laut den Insidern sollen bis Ende 2022 die drei Steinkohle-Kraftwerksblöcke in Gelsenkirchen Scholven sowie das Kraftwerk Wilhelmshaven mit einer Gesamtleistung von rund 1.500 Megawatt heruntergefahren werden. Bis spätestens Ende 2025 sollen weitere 1.400 Megawatt an den Standorten Staudinger und Heyden abgeschaltet werden.

Das umstrittene Kohlekraftwerk Datteln-4 hingegen will der Konzern wie geplant im Sommer in Betrieb nehmen und bis zum erlaubten Ende 2038 betreiben. Die rund 1,5 Milliarden Euro teure Anlage wäre demnach ab 2026 das einzige von Uniper betriebene Kohlekraftwerk, das in Deutschland noch am Netz sein soll. Die nun angestrebten Stilllegungen entsprechen in etwa der Hälfte der Steinkohlekraftwerks-Kapazitäten des Konzerns in Europa. In Russland setzt der Konzern freilich weiter auf Kohlekraft.

Kohlendioxid-Ausstoß sinkt

Uniper-Chef Andreas Schierenbeck hatte in der vergangenen Woche eine verstärkte Gangart beim Kohleausstieg angekündigt und versprochen, dass der Konzern im Gegenzug zur Inbetriebnahme von Datteln 4 ältere, weniger effiziente Anlagen abschaltet, so dass der Kohlendioxidausstoß deutlich sinken wird. Bis 2015 hatte Uniper bereits Kohlekraftwerke mit einer Leistung von gut 2.400 Megawatt an den Standorten Datteln, Scholven, Knepper, Veltheim und Shamrock stillgelegt, wodurch nach eigener Aussage bis zu 18? Millionen Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden.

Uniper ist die frühere E.ON-Kraftwerkstochter und hatte 2018 rund 59,5 Millionen Tonnen CO2 in die Luft geblasen, RWE etwa doppelt soviel.

Entschädigungen in Aussicht

Uniper kann für die Stilllegungen in den kommenden Jahren auf Entschädigungen hoffen. Das Kabinett hatte beschlossen, dass nach 2020 eine gewisse Menge an Steinkohle-Leistung festgelegt wird, die vom Netz gehen soll. Dann fordert der Bund die Betreiber auf, Entschädigungsforderungen für die Abschaltung einzureichen. Wer die geringsten Kompensationen verlangt, erhält den Zuschlag zur Abschaltung. Nach 2026 wird gar keine Entschädigung mehr gezahlt und nach Alter zwangsweise außer Betrieb gesetzt. (Reuters, 30.1.2020)