In nur wenigen Tagen stampfte die chinesische Führung ein Krankenhaus in der Millionenmetropole Wuhan aus dem Boden.

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Die Herkules-Maschine bringt die Österreicher aus Frankreich heim.

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Der für Evakuierung aus Wuhan gecharterte Airbus A380 landete halbleer: an Bord waren lediglich 250 Passagiere.

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Der Flughafen Schwechat am Sonntagabend.

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Chinesische Fachleute rechnen erst später als bisher erwartet mit dem Höhepunkt der Coronavirus-Epidemie in der Volksrepublik. "Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie in zehn Tagen bis zwei Wochen eintreten wird", sagte der Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Coronavirus, Zhong Nanshan, nach Angaben chinesischer Staatsmedien vom Montag. Dafür müssten aber vorbeugende Maßnahmen verstärkt werden. "Wir dürfen in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen."

Sieben Österreicher, die am Wochenende aus China ausgeflogen wurden, um einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus 2019-nCov zu entgehen, sind am Sonntagabend Wien-Schwechat gelandet. Sie befanden sich an Bord einer Bundesheermaschine, wie Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, via Twitter bekanntgab.

Die Betroffenen gelten als gesund und zeigten bisher noch keine Symptome des Virus. Trotzdem sollten sie am Flughafen von Mitarbeitern der Wiener Berufsrettung – unter allen Vorsichtsmaßnahmen – übernommen werden. Die Rettung sollte die Personen zur Erstversorgung in das Hygienezentrum Simmering bringen. Dort werden Abstriche gemacht, die virologisch untersucht werden.

Ergebnisse dieser Untersuchung sollen schon nach 24 Stunden feststehen; da die Inkubationszeit allerdings 14 Tage dauern kann, ist vorgesehen, die Passagiere so lange in Quarantäne zu halten, sagten Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und der Wiener Gesundheitslandesrat Peter Hacker (SPÖ) bei einer Pressekonferenz am Sonntagabend. Bisher wurden Verdachtsfälle in Wien auf der Isolierstation des Kaiser-Franz-Josef-Spitals untergebracht.

Etwa 20 Passagiere, die gemeinsam mit den Österreichern mit dem Sonderflug aus Wuhan in Frankreich angekommen sind, zeigen Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus, teilte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn mit.

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Einreise-Stopp

Zahlreiche internationale Fluggesellschaften haben indessen ihre Flüge nach China gestrichen. Die USA und andere Länder haben einen Einreise-Stopp für Personen aus China verhängt. Amerikanische Staatsbürger müssen für zwei Wochen in Quarantäne. Am Sonntag hatte Deutschland 124 Personen aus der besonders betroffenen Provinz Hubei ausgeflogen. Zwei von ihnen hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. Damit ist die Zahl der Infizierten in Deutschland auf acht Personen gestiegen.

Die WHO hat zwar den internationalen Notstand ausgerufen, das neuartige Virus ist allerdings deutlich weniger gefährlich als ähnliche Viren wie Sars oder Mers. Ein STANDARD-Erklärvideo.
DER STANDARD

In der chinesischen Stadt Wuhan, dem Ausgangspunkt des Virus, steigen die Zahlen der Betroffenen. In der chinesischen Provinz Hubei sind dem staatlichen Fernsehen zufolge am Sonntag 56 weitere Todesfälle registriert worden. Die Gesamtzahl betrage damit 350 in der Region um die Millionenstadt Wuhan. Es seien zudem 2.103 neue Erkrankungen hinzugekommen. Zuvor waren weltweit 14.380 Fälle gemeldet worden.

Gerüchten zufolge fehlen vielen Krankenhäuser einfach die Tests, um das Coronavirus nachzuweisen. Eine am Freitag von Forschern der Universität Hongkong im Wissenschaftsmagazin "Lancet" veröffentliche Studie geht davon aus, dass bereits am 25. Jänner rund 75.000 Menschen infiziert waren.

Relativ geringe Letalität

Das Virus hat China zur denkbar ungünstigsten Zeit getroffen. In der Ferienwoche rund um das chinesische Neujahr verreisen rund 400 Millionen Chinesen innerhalb des Landes. Rund 25 Millionen besuchen die asiatischen Nachbarländer. In Thailand wurden bereits 19 Fälle gemeldet. Der erste Todesfall außerhalb Chinas ereignete sich am Sonntag auf den Philippinen.

Obwohl die Letalität des Virus mit zwei Prozent relativ gering ist und die Symptome meist nicht stärker als die einer gewöhnlichen Grippe sind, ist der wirtschaftliche Schaden in China immens. Die Finanzmärkte sollen am Montag nach Plan öffnen. Zahlreiche Fabriken bleiben aber geschlossen. Apple hat angekündigt, alle Filialen des Landes zu schließen, ebenso die Café-Kette Starbucks. Auch die Ferien wurden verlängert. Wie hoch der Schaden ausfallen wird, ist noch nicht absehbar. Einziger Anhaltspunkt ist die Sars-Epidemie 2003. Damals waren rund 3.000 Menschen infiziert, 800 starben. Schätzungen zufolge kostete das die Volksrepublik drei Prozentpunkte Wachstum.

Die chinesische Zentralbank will 1,2 Billionen Yuan oder 155,9 Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität bereitstellen, um den Abschwung abzumildern.

Als wäre ein Virus noch nicht genug, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag noch zusätzliche Fälle der Vogelgrippe H5N1.

Chinas Aktienmärkte sacken um neun Prozent ab

Und: Die Sorgen um die Verbreitung des Coronavirus haben Chinas Aktienmärkte deutlich absacken lassen. Die Börsen öffneten am Montag erstmals wieder nach den – wegen des Ausbruchs der Lungenkrankheit verlängerten – Ferien zum chinesischen Neujahrsfest. Zum Handelsauftakt fiel der Shanghai Composite Index um 8,73 Prozent, während der Component Index im südchinesischen Shenzhen um 9,13 Prozent absackte. (Philipp Mattheis, red, 2.2.2020)