Zwei New Yorker streiten um das Weiße Haus in Washington: Donald Trump (links) wohnt schon dort, Michael Bloomberg (rechts) will dort für die Demokraten am 20. Jänner 2021 einziehen.
Fotos: REUTERS/Joshua Roberts, REUTERS/LEah Millis

Wer zum NFL Super Bowl nicht wegen des Sports einschaltet, ist meistens für die Halbzeit-Show oder die Werbepausen hier. Kreative Werbespots gehören mittlerweile zur TV-Übertragung des Finales der American Football League dazu wie Buffalo Wings, Chips und Guacamole.

Die Chance, 100 Millionen Zuseher beim Match der San Francisco 49ers gegen die Kansas City Chiefs gleichzeitig zu erreichen, wollte US-Präsident Donald Trump nicht ungenutzt verstreichen lassen. Nur wenige Stunden nachdem im Jänner bekanntgeworden war, dass der Milliardär, Medienunternehmer und ehemalige Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg – mittlerweile Mitglieder der Demokraten –, sich Werbezeit für das TV-Großereignis erkauft hatte, zog Trump nach.

Michael Bloombergs Super-Bowl-Werbespot.
Mike Bloomberg

Beide mussten mehr als zehn Millionen Dollar für jeweils 60 Sekunden hinblättern. Sie sind damit die ersten Kandidaten im Wahlkampf 2020, die ihre Werbung in ganz Amerika gleichzeitig ausstrahlten. Zum Vergleich: Ein Zehn-Millionen-Spot ist mehr, als Bernie Sanders' Kampagne im ganzen vergangenen Jahr seit Verkündung der Kandidatur für TV-Spots ausgegeben hat. Aufgrund der immensen Kosten haben sich Politiker und Kandidaten bis dato immer damit begnügt, während des Super Bowls nur in einzelnen Bundesstaaten ihre Spots auszuspielen.

Spots zu Waffengewalt und Strafrechtsreform

In seinem ersten 30-Sekunden-Clip strich Trump seine wirtschaftlichen Erfolge und die niedrige Arbeitslosigkeit hervor. In einem weiteren 30-Sekunden-Clip lobte die Afroamerikanerin Alice Johnson, die der Präsident 2018 begnadigt hatte, seine Straftrechtsreform, die viele benachteiligte Familien wieder vereinen würde. Es war ein seltener Versuch der Trump-Kampagne, mit versöhnlichen Worten zu überzeugen. Michael Bloomberg wirbt in seinem 60-Sekunden-Spot mit seiner Bilanz gegen die Waffenlobby. Er lässt die Mutter eines jungen Football-Spielers zu Wort kommen, der bei einer Schießerei ums Leben gekommen ist.

Trumps Werbespot zur Strafrechtsreform (das Standbild ab Sekunde 30 ist eine Art Nachspann für die TV-Sender, die dann Zeit haben, wieder live auf Sendung zu gehen).
juuv

Ob Trump und Bloomberg mit ihrer Wahlwerbung die Wählerinnen und Wähler beeinflussen konnten, bleibt zweifelhaft. Laut Werbe- und Marketingexperten sind ihre Spots – vor allem im Vergleich zu den kommerziellen Spots, über die oft noch tagelang diskutiert wird – zu gewöhnlich. Michael Bloomberg könnte aber zumindest seinen Bekanntheitsgrad gesteigert haben, denn bisher war er aufgrund der strengen Regeln von den demokratischen TV-Debatten ausgeschlossen.

Trumps zweiter Werbespot.
Donald J Trump

Trump macht sich über Bloombergs Größe lustig

Trump nutzte die Gelegenheit rund um den Super Bowl auch gleich dafür, Bloomberg direkt anzugreifen. Nur wenige Stunden vor Spielanpfiff wurde Trump von Fox-Moderator Sean Hannity gefragt, was ihm zu Bloomberg einfalle: "Nur dass er sehr klein ist. (…) Aber er will ja offenbar einen Hocker für die TV-Debatten. Warum sollte ihm das zustehen?" Grundsätzlich würde er sich aber darüber freuen, gegen "Mini Mike" im Wahlkampf anzutreten.

Donald Trump ließ sich von seinem Lieblingssender interviewen.
Foto: AFP/Getty Images/Mario Tama

Die Retourkutsche von Bloombergs Team folgte prompt. "Der Präsident lügt über alles: seine falschen Haare, sein Übergewicht und seinen Selbstbräuner", ließ Sprecherin Julie Wood verlautbaren. Im Gegensatz zu anderen demokratischen Kandidaten hat Bloomberg sich bisher nicht gescheut, mit Beleidigungen auf Trumps untergriffige Attacken zu antworten.

Trump selbst unterlief am Abend dann noch ein, zumindest für Maßstäbe gewöhnlicher US-Politiker, peinlicher Fehler. Er gratulierte via Twitter dem Bundesstaat Kansas zum Super-Bowl-Sieg. Die Kansas City Chiefs stammen allerdings aus dem benachbarten Missouri, wo auch der deutlich größere Teil jener zwei benachbarten Städte liegt, die den Namen Kansas City tragen. (Teresa Eder, 3.2.2020)