Joaquin Phoenix, bei der Bafta-Verleihung als bester Schauspieler für seine Rolle im Film "Joker" geehrt, übte heftige Kritik an Veranstaltung und Filmbetrieb.

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London – Nur Weiße, nur Männer: Die wichtigsten britischen Filmpreise Bafta waren heuer bereits vor ihrer Vergabe in der Nacht auf Montag umstritten. Bei der Veranstaltung selbst setzte sich die Kritik nun fort, teils mit heftigen Worten in Richtung der Veranstalter. Joaquin Phoenix, Sieger in der Kategorie bester Schauspieler für seine Rolle in "Joker", sprach in seiner Dankesrede von "äußert gemischten Gefühlen", die sich für ihn mit der Annahme des Preises verbinden. Er war in einer Reihe mit vier anderen weißen Kandidaten nominiert gewesen. "Wir senden eine klare Botschaft an People of Color, dass sie hier nicht willkommen sind", sagte er zur Nominierungspraxis der britischen Academy of Film and Television Arts.

#BaftasSoWhite

Die Veranstalter hatten sich bereits auf Kontroversen eingerichtet, denn bereits deutlich vor der eigentlichen Verleihung machte das Schlagwort "#BaftasSoWhite die Runde: Immerhin waren nicht nur in der Kategorie bester Schauspieler nur Weiße nominiert gewesen, sondern in den vier wichtigsten Schauspielkategorien. Für den Preis für die beste Regie waren wiederum unter fünf Nominierten keine Frauen in die engere Auswahl genommen worden.

Phoenix gestand in seiner Rede Mitverantwortung für diesen Zustand ein: "Ich muss leider zugeben, dass ich Teil des Problems bin, weil ich nicht darauf bestanden habe, dass die Sets, an denen ich gearbeitet habe, inklusiv sind." Man müsse sich nun die "harte Arbeit" machen, "systemischen Rassismus wirklich zu verstehen". Das sei die Pflicht jener, "die bisher von diesem System der Unterdrückung profitiert haben".

Neben Phoenix übten auch weitere Sieger und Nominierte Kritik am Auswahlprozess. Regisseurin Lulu Wang, deren Film "The Farewell" für das beste Drehbuch nominiert worden war, sprach von einer "unangenehmen Pause", die sich in Reaktion auf Phoenix' Rede ergeben hatte. Die beiden Präsentatoren Rebel Wilson und Graham Norton bauten die Kontroverse scherzhaft in ihre Moderation ein; Letzterer nannte 2019 "das Jahr, in dem weiße Männer endlich den Durchbruch schafften". Auch Phoenix selbst geriet ins Fadenkreuz, der Film "Joker", für den er nominiert war, zeige "die Geschichte eines weißen Mannes, der noch weißer wird".

Sieg für "1917", Niederlage für "The Irishman"

Die Kontroverse überschattete in Teilen die eigentliche Verleihung, bei der vor allem das Erste-Weltkrieg-Drama "1917" dominierte. Sam Mendes setzte sich in der Regiekategorie mit dem Film durch, ebenso gewann der Kriegsfilm die Preise für den besten Film, den besten britischen Film, Ton, Kamera, Szenenbild und visuelle Effekte. In der Kategorie beste Schauspielerin gewann Renée Zellweger für die Darstellung der Judy Garland im Film "Judy". Sie schlug dabei unter anderem ihre für "Marriage Story" nominierte Kollegin Scarlett Johansson, die im Vorfeld der Verleihung ebenfalls die Bafta-Verantwortlichen für ihre Nominierungspraxis kritisiert und die ausschließliche Auswahl von Männern in der Kategorie Regie als "sehr enttäuschend" bezeichnet hatte.

Leer ging bei der Verleihung auch Mitfavorit "The Irishman" aus. Der von Netflix produzierte Mafiafilm von Regisseur Martin Scorsese war in zehn Kategorien nominiert gewesen, gewann letztlich aber keinen einzigen der Gongs, mit denen die Bafta-Siegerinnen und -Sieger traditionell geehrt werden. Die Preise für die besten Nebendarstellerinnen gingen bei den Frauen an Laura Dern für das Scheidungsdrama "Marriage Story", bei den Männern an Brad Pitt ("Once Upon a Time in Hollywood"). Das beste Drehbuch wurde der koreanischen schwarzen Komödie "Parasite" zugesprochen, der gesellschaftskritische Film wurde auch zum besten fremdsprachigen Film erkoren. Für das beste adaptierte Drehbuch wurde das satirische Hitler-Drama "Jojo Rabbit" des neuseeländischen Regisseurs, Schauspielers und Drehbuchautors Taika Waititi geehrt. (Manuel Escher, 3.2.2020)