Donald Trump darf sich freuen.

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Der Wahlkampfzug, mit dem die US-Demokraten im November zurück ins Weiße Haus rollen wollen, droht schon an seiner allerersten Weiche zu entgleisen. Augenscheinlicher Grund: technische Probleme. Doch hinter den Kulissen weiß niemand, wohin die Reise gehen soll.

Quälend lang hieß es am Dienstag warten, bevor die ersten Ergebnisse der psychologisch so wichtigen Vorwahl im Bundesstaat Iowa bekannt wurden. Weil sie ausgerechnet am Wahlabend streikte, als die Stimmen aus den einzelnen Gemeinden in die Parteizentrale in Des Moines übermittelt werden sollten, hat eine parteiinterne App den Demokraten die so lange ersehnten Siegesfeiern gehörig vermasselt. Stundenlang stand nicht fest, wer von dem demokratischen Dutzend in Iowa die Nase vorn haben würde. Ein Fiasko in Zeiten von Pushmeldungen und einem @realDonaldTrump, der bisweilen schneller twittert, als er denkt.

Der erhoffte mediale Rückenwind aus dem Swing State im Mittleren Westen hat gedreht und bläst den ohnehin gespaltenen und seit dem gescheiterten Impeachment-Prozess geschwächten Demokraten nun als eisiger Sturm ins Gesicht. Denn egal, ob nun – wie vorausgesagt – Bernie Sanders, Pete Buttigieg oder Elizabeth Warren an dieser ersten Station eines langen Wahljahres die Nase vorn haben, wirklichen Grund zur Freude hat nur einer: Donald Trump.

Grüppchenbildung statt Stimmzettel

Seine Herausforderer haben sich vor aller Augen bis auf die Knochen blamiert, sie bleiben gespalten und reiben sich, jedenfalls bis zur nächsten Vorwahl in New Hampshire, weiter eher aneinander als an ihm. Wenn der Präsident nun poltert, die Demokraten könnten es einfach nicht, sie seien nicht einmal imstande, einen Herausforderer zu küren, muss man ihm wohl oder übel ganz einfach recht geben.

Die Demokraten haben aber ein weit ernsteres Problem als eine schadhafte Wahlsoftware. Anders als 2008, als der bis dahin weithin unbekannte Barack Obama von Iowa aus das Feld von hinten aufrollte, lässt die für eine Oppositionspartei so dringend benötigte Aufbruchsstimmung nach vier desaströsen Jahren Trump erstaunlicherweise weiter auf sich warten – von dem lauten "Bernie"-Lager abgesehen.

Die dieses Mal vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung in Iowa, wo nicht per Stimmzettel, sondern vor Ort per Grüppchenbildung abgestimmt wurde, spricht Bände.

Das Schlamassel mit der App wiegt aber auch deshalb so schwer, weil der demokratische Wahlkampfzug ohnehin schon gehörige Steigungen zu bewältigen hat. Schließlich muss es Trumps Herausforderer, wer auch immer das sein wird, mit einem Demagogen aufnehmen, der einerseits seine Basis geschickt bei der Stange hält, andererseits nach wie vor von einer florierenden Wirtschaftslage profitiert. Und der jede Schwäche, jeden Fehler und jedes Zögern des Gegners skrupellos ausnutzt.

Ohne einen Kandidaten, auf den sich alle jene einigen können, die genug haben von Trumps Rassismus, seinem Sexismus und der Klüngelei seines Umfelds, hat der Präsident leichtes Spiel. Auch wenn es zwischen Küste und Küste noch genügend freie Strecken gibt, wo der demokratische Wahlkampfzug Fahrt aufnehmen kann: Folgen weitere Pannen, kommt Trump seinem Ziel "four more years" immer näher. Die verpatzte Wahl in Iowa wäre dann nur der Anfang von Ende. (Florian Niederndorfer, 4.2.2020)