Salzburg – Günter Bresnik hat sich das Finale in Melbourne angeschaut. Der Ex-Coach und -Manager des Weltranglisten-Vierten Dominic Thiem zeigte sich am Montag in der Servus-TV-Sendung "Sport und Talk" von den Leistungen seines Ex-Schützlings angetan, prophezeite ihm auch einen Vorstoß an die Spitze.

Günter Bresnik streut Blumen.
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"Kurzfristig wird er Nummer drei werden, langfristig wird er Nummer eins", sagte Bresnik. Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer hätten schon vor Jahren Thiem als künftige Nummer eins gesehen. Sie alle hat der 26-Jährige mehrmals besiegt. "Die Top drei, Top fünf – weil (Andy, Anm.) Murray und (Stan) Wawrinka möchte ich da nicht ausnehmen – hat er alle geschlagen während deren Primetime. Hut ab vor dem Burschen. Er hat das Zeug, und er wird es auch bestätigen", sagte Bresnik.

Verbessert

Für ihn sei beeindruckend gewesen, wie sich Thiem erstmalig schon zu Jahresbeginn hochklassig präsentiert habe. "Es war bitter, dass das (im Finale) nicht ganz geklappt hat. Aber gegen Djokovic in Australien zu verlieren ist alles andere als eine Schande." Bresnik selbst habe die Spiele Thiems mit den Augen eines Trainers gesehen. "Wenn man jemanden über so viele Jahre begleitet hat, dann ist es besonders interessant, wenn man diese kleinen Feinheiten, die sich verändert haben, sieht."

Thiem sei auch im verlorenen Finale der dominante Spieler gewesen. "Ich finde, dass er sehr gut serviert hat. Er hat sich beim Return extrem verbessert", erklärte der vor rund einem Jahr als Thiem-Coach von Nicolas Massu abgelöste Bresnik. "Aufgrund seiner aus meiner Sicht überragenden Grundschläge ist er für die Leute nicht mehr auszurechnen. Er hat auch das Volleyspiel extrem verbessert. Er hat zwei Wochen großartiges Tennis geboten."

Abgenabelt.
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Oberlehrer oder Südamerika-Mentalität

Bresnik ergänzte: "Er kommt jetzt in die besten Tennisjahre, das ist zwischen 27 und 30. Ich muss sagen, er ist auf einem Niveau, dass ihn vielleicht noch die zwei, drei Meister eine Zeitlang im Zaum halten können. Aber sonst spielt der schon in einer ganz eigenen Liga."

Den Wechsel von ihm zu Massu habe Bresnik vor einem Jahr indirekt selbst eingeleitet. "Massu ist ein anderer Typ. Das Letzte, was er braucht, ist so ein Oberlehrer wie ich." Wichtig für Thiem sei Massus Südamerika-Mentalität. "Der sieht das alles ein bisschen lockerer, das tut Dominic gut." Die Harmonie und der angenehme Umgang durch Massu seien bei der langen Zeit zusammen wichtiger als harte Trainingsarbeit. Das habe sich Bresnik vom Olympiasieger 2004 auch erwartet.

Punkte für die Karriere

Bresnik über Thiem: "Mit 26, 27 Jahren hat er offensichtlich das Bedürfnis, selber Chef zu sein. Das ist gut. Ich habe ihm schon als 16-, 17-, 18-Jährigem gesagt: 'Du musst lernen, die Entscheidungen zu treffen, die für dich deines Erachtens das Beste sind, ohne Rücksicht auf Verluste.' Das tut er jetzt momentan, zwar zu meinen Lasten, aber mit entsprechendem Erfolg. So gesehen ist das ein Schritt in die richtige Richtung, an dem ich auch ein bisschen beteiligt war."

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Locker: Nicolas Massu.
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Der 58-Jährige wies auch auf die Leistungen Thiems schon im Herbst 2019 hin. Seit seinem Turniersieg Anfang Oktober in Peking hat der Niederösterreicher nämlich 3.335 Punkte gesammelt. Allein damit wäre er jetzt Ranking-Siebenter. "Wenn man sich vorstellt, was der am Jahresende geleistet hat – wenn er heuer kein Match mehr gewinnt bis Ende Oktober, steht er immer noch unter den ersten zehn. Was der in einer Woche Punkte macht, machen andere in ihrer ganzen Karriere nicht."

Thiem erhalte nun endlich in Österreich die Anerkennung, die er sich längst verdient habe. International habe er sie schon vorher gehabt. "Er ist mental außergewöhnlich stark. Er wird sein Potenzial, wenn nicht heuer, in den nächsten Jahren erfüllen. Er ist jetzt so knapp dran, wie es nie ein Österreicher war." Thiems Eltern Karin und Wolfgang könnten stolz auf ihren Sohn sein. Bresnik selbst sei befriedigt, denn: "Es hat gefruchtet. Sportlich ist erreicht worden, was man sich vorgenommen hat." (APA, 4.2.2020)