Der Turnersee hieß bis 1932 Sablatnigsee.

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Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) hat bei der Polizei Villach eine Sachverhaltsdarstellung bezüglich eines Kärntner Ferienhauses eingebracht. In einer Beschreibung des nach einem SS-Mann benannten Karl-Hönck-Heims im Internet wurde die Geschichte des nahegelegenen Badesees wie folgt beschrieben: "Seinen Namen verdankt der Turnersee einem Zeltlager zur Schulung und Ausrichtung der Führer des Turnerbundes auf das große Ziel, welches 1938 mit der Heimkehr der Ostmark ins deutsche Reich auch erreicht wurde."

Dieser Satz stammt beinahe wortgetreu aus einem 1940 in der NSDAP-Parteizeitung "Kärntner Grenzruf"´erschienen Text und ist im Übrigen auch in dem Wikipedia-Artikel zum Turnersee zu lesen – hier allerdings als Zitat markiert, mit Verweis auf die NSDAP-Zeitung. Das DÖW hat die Behörden nun aufgefordert, einen Verstoß gegen das Verbotsgesetz zu prüfen. Die Betreiberin der Homepage "kärnter-ferienwohnungen.at" hat den betreffenden Satz mittlerweile gelöscht.

Wie es genau zu der Beschreibung des Ferienquartiers kommen konnte, könne sie im Nachhinein auch nicht genau sagen, erklärt die Betreiberin von "kärnter-ferienwohnungen.at" gegenüber dem STANDARD. Manche Beschreibungstexte würden von den Quartiersbetreibern verfasst, andere wiederum von den Homepagebetreibern. Der Geschäftsführer des "Verein Kärntner Grenzland", der das Karl-Hönck-Heim betreibt, sagt, er habe die Beschreibung nicht verfasst. Bezüglich der strittigen Passage lautet die Erklärung: "Das ist alles Vergangenheit. Bei uns ist Ruhe eingekehrt, wir wollen mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben hier."

Früher Sablatnigsee

Abgesehen von dem betreffenden Satz in der Quartiersbeschreibung lebt die nationalsozialistische Vergangenheit auch im Namen des Turnersees selbst weiter. Er liegt im zweisprachigen Gebiet der Gemeinde St. Kanzian nahe der Grenze zu Slowenien und hieß bis in die 1930er-Jahre Sablatnigsee. Als er 1932 zum Verkauf stand, erwarb ihn der Verein "Kärntner Grenzland". Vereinsgründer Karl Hönck, seines Zeichens Gründungsmitglied des Wolfsberger Turnvereins, Landwirt und SS-Oberscharführer, ersetzte den slowenischen Namen durch die Bezeichnung Turnersee.

Auch dass das Heim nach wie vor nach Karl Hönck benannt ist, stößt auf Kritik. Der Name wurde ihm übrigens erst 1986 gegeben. Heute wird das Quartier vor allem für Turn- und Ferienlager für Kinder und Jugendliche genutzt. (jop, 4.2.2020)