Nach dem DFB-Cup-Achtelfinal-Krimi zwischen Schalke 04 und Hertha BSC redete kaum noch jemand über Fußball. Berlins Trainer Jürgen Klinsmann und seine Spieler beklagten sich über rassistische Äußerungen gegen Verteidiger Jordan Torunarigha. "Der Junge ist beleidigt worden", sagte Klinsmann nach dem 2:3 nach Verlängerung: "Wir haben den Schiedsrichtern gesagt, dass sie ihn schützen müssen."

Der deutsche Teamspieler Niklas Stark sprach von "Affenlauten" und bestätigte: "Es gab rassistische Beleidigungen von der Tribüne. Jordan ist ein emotionaler Spieler. Wenn so etwas passiert, wäre ich wahrscheinlich auch ausgerastet. Sowas geht nicht. Das ist menschlich ganz abstoßend." Zu den Vorfällen soll es in der zweiten Halbzeit gekommen sein.

Jordan Torunarigha wurde zutiefst beleidigt.
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Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider entschuldigte sich bei dem Deutsch-Nigerianer und fand deutliche Worte. "Da gibt es null Toleranz. Mir fehlt jegliches Verständnis für Vollidioten dieser Art", sagte Schneider und kündigte an: "Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen."

Torunarigha habe "auf dem Platz geweint und wollte aufhören", berichtete Schalkes Siegtorschütze Benito Raman: "Ich habe ihm Mut zugesprochen und gesagt, dass er weitermachen soll." In der Verlängerung sah der sichtlich aufgebrachte Hertha-Verteidiger die gelb-rote Karte (100.): Nach einer Attacke von Omar Mascarell hatte er am Spielfeldrand eine Getränkekiste auf den Boden geworfen. Schalke-Trainer David Wagner, der ihn leicht festhielt, bekam nach Videobeweis die rote Karte (102.).

"Ich habe die Rufe nicht gehört, aber ich möchte mich im Namen von Schalke 04 entschuldigen, so was gehört sich nicht", sagte Wagner. Für die Zuschauer, die Torunarigha beleidigten, forderte er schnelle Konsequenzen: "In England wird derjenige sofort gepackt und dann raus", berichtete der Coach, der von 2015 bis 2019 Huddersfield Town trainierte.

Entwicklung à la Tönnies

Zwar hat sich Wagners aktueller Klub den Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung mit der Kampagne "#stehtauf" gerade besonders auf die Fahnen geschrieben. Dass sich die Vorfälle ausgerechnet Auf Schalke zutrugen, entbehrt allerdings auch nicht einer gewissen Pikanterie.

Im Sommer 2019 hatte Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende der Königsblauen, bei einer Rede in Paderborn zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung" dem Bundesentwicklungsminister die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika empfohlen. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte der Unternehmer aus der Fleischbranche. Nach einem Aufschrei der Empörung entschuldigte sich Tönnies öffentlich. Der Schalker Ehrenrat verzichtete auf eine Absetzung des Klubchefs, der Vorwurf des Rassismus sei "unbegründet", hieß es. Tönnies ignorierte Rücktrittsaufforderungen und ließ sein Amt lediglich für drei Monate ruhen. (sid, lü, 5.2.2020)