Die Demokratische Partei ist keineswegs geeint – die Ergebnisse der Vorwahlen in Iowa müssen neu ausgezählt werden.

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Washington – Der de facto Parteichef der US-Demokraten, Tom Perez, hat am Donnerstag in einem Tweet die vollständige Überprüfung aller Resultate der Vorwahlen aus Iowa gefordert. Bei diesen Prozess, dem Recanvass, sollten alle Ergebnisse aus den Wahllokalen noch einmal angesehen, und ihre korrekte Übermittlung an die Wahlzentrale in Des Moines nachvollzogen werden. "Genug ist genug", schrieb Perez auf Twitter. Die Neuauszählung sei notwendig, um das öffentliche Vertrauen in den Vorgang wiederherzustellen.

Bis Donnerstagabend hatte es noch immer kein vollständiges Ergebnis der Wahlversammlungen vom Montag gegeben – Hintergrund sind Probleme mit einer App, die zur Übermittlung der Wahlergebnisse verwendet werden sollte, aber wegen zahlreicher Fehler nicht flächendeckend zum Einsatz kam.

Zuvor hatten die "New York Times" einen Bericht veröffentlicht, in dem sie zahlreiche "Fehler und Ungereimtheiten" bei den bisherigen Ergebnissen feststellten. In einigen Fällen würden die Prozentzahlen bei Addition keinen Sinn ergeben, in anderen seien den Kandidaten nicht die für ihre Stimmenzahl angemessenen "State Delegate Equivalents" zugerechnet worden.

Archaisches Wahlsystem

Die Verwirrung ist teils auch dem komplizierten Wahlsystem geschuldet: Die Anhänger aller Kandidaten sammeln sich bei einem Caucus in einem Gebäude und treten anschließend zu Gruppen zusammen – danach werden sie gezählt. Wählerinnen und Wähler jener Antretenden, die weniger als 15 Prozent der Stimmen erhalten, müssen dann in einer zweiten Runde ihre Präferenz ändern und jemand anderen wählen. Schließlich werden die Ergebnisse auf Bezirksebene auf eine Zahl von fiktiven Staats-Delegierten oder "State Delegate Equivalents (SDE) umgerechnet, die den jeweiligen Kandidaten zugerechnet werden. Aus dieser wiederum errechnet sich dann die Zahl der Delegierten für den Parteitag der Demokraten im Sommer, bei den jene Person erkoren wird, die dann gegen US-Präsident Donald Trump antreten wird..

Bisher hatte immer die Zahl der SDE als entscheidend gegolten – diesmal aber wollten die Demokraten alle drei Werte, also jene der SDEs und die absoluten Zahlen beider Wahlgänge – veröffentlichen. Das sorgte für zusätzliche Komplikationen.

Verlorener Schwung

Nach Auszählung von 97 Prozent der Wahllokale lag bei den Delegiertenstimmen der Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg knapp vor dem linken Senator Bernie Sanders. Sanders lag hingegen bei den absoluten Stimmen – in beiden Zählungen – voran. Er reklamierte daher am Donnerstag den Sieg für sich. Erst auf Platz vier, noch hinter Senatorin Elizabeth Warren, lag Ex-Vizepräsident und Umfragefavorit Joe Biden. Seine Wahlkampagne hatte schon seit Tagen eine Neuauszählung gefordert.

Die Neuauszählung, so die Demokraten in Iowa die Forderung umsetzen, dürfte laut Schätzungen in US-Medien einige Wochen in Anspruch nehmen. Damit ist der von den beiden mutmaßlichen Siegern, Buttigieg und Sanders, erhoffte neue Schwung für die nächsten Vorwahl-Runden weiter gedämpft. Bereits am Dienstag wird in New Hampshire die nächste Runde stattfinden – dabei handelt er sich allerdings um eine "normale" Vorwahl, keine Caucus-Wahlversammlungen wie in Iowa. Umfragefavorit dort ist Bernie Sanders. (mesc, 6.2.2020)