Jordan Torunarigha leitet nach den Rassismus-Vorwürfen gegen Zuschauer rechtliche Schritte ein

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Berlin – Fußballprofi Jordan Torunarigha von Hertha BSC stellt nach den rassistisch motivierten Beschimpfungen im Pokalspiel bei Schalke 04 (2:3 n.V.) Strafanzeige gegen Unbekannt. Hertha bestätigte einen entsprechenden Bericht der Bild. Der Klub unterstützt den 22 Jahre alten Abwehrspieler bei seinem Vorgehen anwaltlich.

Solidarität mit Hertha-Profi

Einem Einsatz von Torunarigha im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den FSV Mainz 05 steht nichts im Wege. "Er hat signalisiert, dass er bereit ist. Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen", sagte Co-Trainer Alexander Nouri am Freitag. Die Hertha-Fans wollen sich mit einer Aktion, bei der Tausende Blätter mit Torunarighas Rückennummer 25 hochgehalten werden sollen, mit ihrem Spieler solidarisieren.

Am Donnerstag hatte sich der gebürtige Chemnitzer mit afrikanischen Wurzeln mit emotionalen Worten zu dem Vorfall geäußert. "Ich bin in Chemnitz geboren, habe das alles schon in der Jugendzeit durchlebt. Meine Eltern wurden beleidigt. Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf", schrieb Torunarigha bei Instagram: "Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen, und sie sollte auch völlig egal sein."

Schalke bittet um Mithilfe

Die Polizei und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben bereits Ermittlungen eingeleitet. Laut einer Stellungnahme von Hertha an den DFB-Kontrollausschuss hat sich der Vorfall in der 84. Minute vor der Schalker Südkurve rund um den Block S5 ereignet. Schalke bat die Fans um Mithilfe bei der Suche nach den Schuldigen, denen Stadionverbote und sogar der Vereinsausschluss droht, sollten sie Mitglieder sein.

Schalke-Trainer David Wagner forderte: "Sollte sowas noch mal passieren, kann ich nur dazu aufrufen, Zivilcourage zu zeigen und aufzustehen. Da geht's nicht um Denunzieren, sondern darum, dass die Trottel, die dieses Gedankengut haben, nicht mehr in unserem Stadion sind."

Höwedes wünscht sich Spielabbruch

Der Ex-Schalker Benedikt Höwedes forderte unterdessen ein konsequentes Durchgreifen bei rassistischen Vorfällen in Fußballstadien. Man müsse "Fans, die neben dir Affenlaute machen, zur Rede stellen – und ja, auch mal ein Spiel komplett abbrechen, wenn Rufe von der Tribüne kommen", schrieb der 31-Jährige von Lokomotive Moskau in seiner Kolumne für das Nachrichtenportal t-online.de.

Höwedes sieht eine besondere Verantwortung beim Sport: "Nur so kann der Fußball seine Kraft nutzen, um in der Gesellschaft etwas zu bewegen. Wenn wir das nicht tun, verlieren wir."

Lebenslanges Stadionverbot

Der dreimalige DFB-Nationalspieler Benjamin Henrichs fordert ebenfalls härtere Konsequenzen: "Ich finde, dass man da drastische Maßnahmen ergreifen muss. Ich bin dafür, dass die Täter ein lebenslanges Stadionverbot erhalten. Für mich wäre das normal", sagte Henrichs. "Ich weiß nicht, wie es heute noch so weit kommen kann."

Ein Mittel, auf rassistische Vorfälle zu reagieren, wäre für den Außenverteidiger von AS Monaco das sofortige geschlossene Verlassen des Spielfelds. "Ich denke, wenn das regelmäßig passiert, wäre das ein deutliches Zeichen an diese Vollidioten. Denn sie wären dann schuld, dass ihre Mannschaften aufhören zu spielen. Vielleicht macht es dann bei denen Klick, und sie merken, dass sie das nicht machen können." (APA, sid, red, 7.2.2020)