Unterrepräsentiert und schlechter entlohnt: ein Blick in die Geschäftswelt.

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Die schlechtere Bezahlung von Frauen gegenüber Männern wird spätestens am Frauentag in knapp einem Monat wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Der sogenannte Gender-Pay-Gap liegt in der Europäischen Union bei 16 Prozent, in Österreich bei 20 Prozent. Nun kommt eine neue Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Einkommen von Frauen, die in Partnerschaften leben, in Umfragen oft niedriger angegeben werden, als sie tatsächlich sind. Konkret wurde das Phänomen beobachtet, wenn Frauen mehr als ihre Partner verdienen.

In diesen Fällen wird das Einkommen der Frauen nach unten verfälscht, "um der männlichen Ernährernorm zu entsprechen", heißt es in der Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in Zusammenarbeit mit der Universität Basel. Für die Studie wurden Einkommensangaben im Rahmen der Schweizer Arbeitskräfteerhebung herangezogen und mit den Daten aus der amtlichen Statistik verglichen.

Zum Frauentag demonstrieren auch Männer für gleiche Bezahlung.
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Dass soziologische Motive hinter den Falschangaben stecken, folgern die Studienautoren auch aus einem anderen Grund. Die Einkommen werden vor allem dann manipuliert, wenn Frauen einen niedrigeren Bildungsgrad aufweisen und/oder weniger arbeiten als Männer, aber dennoch mehr verdienen.

Eine Frage der "Männer-Identität"

Auffällig ist zudem, dass falsche Angaben insbesondere gemacht werden, um das Fraueneinkommen unter die Schwelle von 50 Prozent des zusammengerechneten Gehalts beider Partner zu drücken. "Das liegt möglicherweise daran, dass es die männliche Identität bedroht, einzugestehen, dass die Frau mehr verdient, obwohl sie nicht über mehr Bildung verfügt als der Mann", erklärt Studien-Mitautorin Michaela Slotwinski das Schema.

Das Gleiche gelte, wenn die Frau weniger oder gleich viele Stunden arbeite und trotzdem ein höheres Einkommen erziele. "Diese Paare sind bei den Falschangaben ebenfalls häufiger vertreten", meint die ZEW-Expertin für Fragen der sozialen Sicherung und und Verteilung.

Die Studie zeigt zudem vorsorgliche Abweichungen bei den Angaben in den Umfragen. Wenn Frauen nur geringfügig weniger verdienen als Männer, werden die Antworten ebenfalls präventiv verzerrt.

Umfragen in Forschung relevant

Wie die Experten in der Studie festhalten, gibt es dabei keine allzu großen Unterschiede, wer bei den Angaben manipuliert. Frauen reden ihr Einkommen klein oder das des Partners groß. Männer verbessern ihren Verdienst oder kürzen in Umfragen den der Frau, weil sie ihre Identität bedroht sehen, wie es in der Studie heißt.

Haben die falschen Antworten in Einkommensumfragen nun auch Auswirkungen auf die Datenlage zum Gender-Pay-Gap? Ja, meinen die Autoren. Während in Österreich und skandinavischen Ländern unter anderem die Lohnsteuerstatistik für eine gute Datenlage sorge, basierten viele Untersuchungen zu dem Thema in anderen Ländern auf Umfragen.

Gender-Pay-Gap überschätzt

In der aktuellen Studie ist davon die Rede, dass die Lohnschere zwischen Männern und Frauen wegen der festgestellten falschen Antworten überschätzt werde. Bei Einkommensberichten auf Basis von Umfragen wird eine "systematische Verzerrung" festgestellt. Gegenüber den amtlichen Zahlen wird der Gender-Pay-Gap auf Basis der Erhebung in der Schweiz um 9,4 bis 13,5 Prozent zu groß ausgewiesen, heißt es in der Untersuchung. Läge der tatsächliche Gender-Pay-Gap also bei etwa zehn Prozent, dann würde er basierend auf den Umfragedaten auf 10,9 bis 11,3 Prozent geschätzt, meinen die Studienautoren.

Allerdings verweist die Statistik Austria darauf, dass die Lohnschere zwischen Frauen und Männern EU-weit anhand von Befragungen von 10.000 bis 12.000 Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten erhoben wird. Es sich also nicht um Haushaltsbefragungen handle. (Andreas Schnauder, 11.2.2020)