Die Erfolge der Mitarbeitenden vernichten oder als die eigenen ausgeben? Das trifft laut Umfrage hart.

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Auch wenn es perfekte Chefs nicht gibt und Boss-Bashing recht populär ist: Eine aktuelle Umfrage des Jobportals Stepstone wirft ein ungutes Licht auf heimische Führungsriegen: Fast die Hälfte aller österreichischen Arbeitnehmer ist nicht zufrieden mit ihrem Vorgesetzten (41 Prozent). Und: Fast jeder zweite österreichische Arbeitnehmer (43 Prozent) hat schon einmal wegen seines Chefs den Job gekündigt. Befragt wurden dafür 1.800 Arbeitende in ganz Österreich.

Immerhin jeder Fünfte landet wegen des Verhaltens seines oder ihres Vorgesetzten im Bore- oder Burnout, und 14 Prozent nehmen sogar psychologische Hilfe in Anspruch, wenn die Beziehung zur Führungskraft nicht stimmt.

Albträume von der Firma

Mehr als die Hälfte aller befragten Arbeitnehmer verfolgt das Verhalten von Chefs sogar bis ins Bett: So geben 52 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass sie wegen ihres Chefs schlecht geschlafen oder geträumt haben, Frauen übrigens deutlich öfter als Männer (59 vs. 41 Prozent).

In Zeiten von #MeToo zeigen sich besonders Frauen und auch jüngere Angestellte sensibel, was das Verhalten von Führungskräften betrifft: Unangemessene Annäherungsversuche kritisieren sowohl knapp ein Drittel aller weiblichen Befragten als auch Angestellte mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung. Und: Immerhin mehr als jede zehnte Frau hat schon einmal ein Bewerbungsgespräch abgebrochen, weil der künftige Vorgesetzte sich im Ton vergriffen hat.

Diese fünf Eigenschaften kritisieren Arbeitnehmer an ihren Vorgesetzten besonders:

- hinter ihrem Rücken schlecht über Mitarbeiter sprechen (54 Prozent)
- einzelne Mitarbeiter bevorzugt behandeln (42 Prozent)
- jeden einzelnen Arbeitsschritt überwachen / Micromanaging (42 Prozent)
- meine Erfolge als die ihren ausgeben (41 Prozent)
- Kollegen öffentlich kritisieren (38 Prozent)

Auch das Thema Vertrauen scheint eine Herausforderung für Führungskräfte zu sein: Lediglich ein Drittel aller Befragten vertraut dem Vorgesetzten, nur jeder Dritte (35 Prozent) fühlt sich wohl dabei, mit beruflichen Problemen zum Chef zu gehen. "Wer sein Team nicht transparent und fair führt, verspielt schnell das Vertrauen seiner Mitarbeiter", sagt Barbara Oberrauter-Zabransky, Studienleiterin bei Stepstone Österreich. "Im besten Fall wird dann nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht, im schlimmsten Fall gehen die besten Mitarbeiter."

Schlechte Chefs schaden dem Image

Mangelnde Führungskompetenz wirkt sich aber nicht nur innerhalb des Unternehmens aus: Mehr als die Hälfte aller Befragten (61 Prozent) beschwert sich in der Familie oder im Freundeskreis über ihren Vorgesetzten, und fast ein Drittel aller befragten Studienteilnehmer (31 Prozent) würden anderen von einem Job bei ihrem Arbeitgeber abraten, wenn der Chef sich nicht entsprechend verhält.

"Das Image eines Arbeitgebers lebt vor allem von der Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter", kommentiert Oberrauter-Zabransky die alarmierenden Ergebnisse. "Wenn zwei Drittel ihrem Chef nicht vertrauen und sich im Bekanntenkreis darüber austauschen, wirft das definitiv ein schlechtes Licht auf Arbeitgeber – und schmälert auch die Leistungsbereitschaft innerhalb des Unternehmens."

Um ihre Leistungen als Führungskraft zu verbessern, können heimische Chefs einiges tun: So fordern die Umfrageteilnehmer unter anderem klare und messbare Ziele, Unterstützung bei der fachlichen Weiterbildung und regelmäßiges Feedback unter vier Augen.

Das wünschen sich österreichische Arbeitnehmer von ihren Chefs:

- klare und messbare Ziele setzen (61 Prozent)
- Unterstützung bei der fachlichen Weiterentwicklung (61 Prozent)
- regelmäßig Feedback zur eigenen Leistung (58 Prozent)
- den eigenen Tätigkeitsbereich klar definieren (55 Prozent)
- regelmäßige Gespräche unter vier Augen (44 Prozent)

Unrealistisch klingt das nicht. Neu ist es auch nicht – was Menschen an Rahmenbedingungen benötigen, um vernünftig arbeiten zu können, ist schon sehr lange bekannt. (kbau, 11.2.2020)