CIA und BND die schadhaften Anlagen über die Schweizer Firma Crypto AG an Geheimdienste anderer Ländern verkauft, um diese anschließend abzuhören.

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Am 2. Mai 1982 gelang es einem britischen U-Boot, den argentinischen Kreuzer General Belgrano zu versenken, 323 Menschen starben.

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Bern – US-Geheimdienste und der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) konnten dank manipulierter Verschlüsselungsgeräte jahrelang die Kommunikation zahlreicher Staaten, möglicherweise auch jene von Österreich, mitlesen. Das zeigen am Dienstag veröffentlichte Recherchen der "Washington Post" und der Schweizer SRF-"Rundschau". Demnach haben CIA und BND die schadhaften Anlagen über die Schweizer Firma Crypto AG an Geheimdienste anderer Ländern verkauft, um diese anschließend abzuhören.

Insgesamt sollen die Geräte an über 120 Länder verkauft worden sein, darunter Argentinien, der Iran, Saudi-Arabien und auch Österreich. Die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Pakts hingegen verzichteten seinerzeit auf Crypto-Geräte.

Das österreichische Heeresnachrichtenamt wollte einen Kauf der Verschlüsselungsgeräte laut "Zeit im Bild 2" vorerst nicht bestätigen. Dem Geheimdienstexperten Thomas Riegler zufolge ist es aber, aufgrund des Uno-Sitzes in Wien, durchaus möglich, dass auch Österreich Opfer der Aktion geworden ist. Die Neos haben in Bezug auf die Causa bereits eine parlamentarische Anfrage gestellt, erklärte der Abgeordnete Douglas Hoyos auf Twitter.

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Operation lief bis 2018

Begonnen haben soll die Abhöraktion 1970 unter dem Decknamen "Operation Rubikon". Damals haben CIA und BND auch gemeinsam die Crypto AG erworben, den damaligen Marktführer für Chiffriergeräte. Um die Übernahme zu verschleiern, benutzten die Geheimdienste eine Stiftung in Liechtenstein.

Ab diesem Zeitpunkt, belegt ein 280 Seiten starkes Dossier, erhielten nur noch ausgewählte Kunden wie die Schweizer Behörden wirklich abhörsichere Verschlüsselungssysteme, alle anderen Geräte verfügten über einen geheimen Zugang, über den westliche Dienste die Kommunikation mitlesen konnten.

Der deutsche Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom sagte dem Schweizer Rundfunk, zeitweise hätten CIA und BND mindestens 50, wenn nicht 70 Prozent ihrer Aufklärungsergebnisse über manipulierte Crypto-Geräte bezogen. Der BND sei 1993 aus der Aktion Rubikon ausgestiegen, die CIA soll die Spionagesoftware noch bis 2018 verkauft und verwendet haben.

Eine entscheidende Rolle hätten abgefangene Informationen bei den Camp-David-Verhandlungen zwischen Israelis und Ägyptern 1978, bei den Verhandlungen über die amerikanischen Geiseln im Iran 1981 und bei der US-Invasion in Panama 1989 gespielt.

Die Dokumente belegen auch erstmals, dass der BND und die CIA frühzeitig durch abgehörte Funksprüche über die schweren Menschenrechtsverletzungen des argentinischen Militärregimes (1973–1983) informiert waren, was bisher stets bestritten wurde. Abgehört wurden auch Irland, Spanien, Portugal, Italien, die Türkei und der Vatikan.

Briten erhielten im Falklandkrieg Infos

Auch der schnelle Sieg der britischen Expeditionsflotte über die argentinischen Besetzer der Falklandinseln (Malvinas) im Jahr 1982 ist dem Dossier zufolge auf Informationen aus Crypto-Geräten, die Deutschland und die USA an Großbritannien weitergeleitet hatten, zurückzuführen.

Im Dezember 2019 widerrief das Schweizer Wirtschaftsministerium überraschend die Ausfuhrbewilligungen der Firma Crypto International, am 15. Jänner beschloss der Bundesrat, eine Arbeitsgruppe zu dem Fall einzurichten.

Der Bundesnachrichtendienst teilte auf ZDF-Anfrage mit, er nehme "zu Angelegenheiten, welche die operative Arbeit betreffen, grundsätzlich nicht öffentlich Stellung". Der BND ist dem Kanzleramtsminister unterstellt. Ein früherer solcher Minister, Bernd Schmidbauer (CDU), bestätigte dem ZDF die Geheimdienstoperation. Der BND habe die Zusammenarbeit mit der CIA demnach aber 1993 beendet. "Die Aktion Rubikon hat sicher dazu beigetragen, dass die Welt ein Stück sicherer geblieben ist", sagte Schmidbauer dem ZDF.

Die Crypto AG mit Sitz in Zug wurde 2018 aufgespaltet, in die CyOne Security AG und die Crypto International. Der Eigentümer von Crypto International, Andreas Linde, sagte dem Sender SRF, es gebe keine Beziehungen zur CIA. (bed, APA, red, 11.2.2020)