Pete Buttigieg hat nicht nur in New Hampshire, wo die Demokraten am Dienstag zu ihrer zweiten Vorwahl schritten, viele Fans. Sondern, so erzählt Norbert Darabos, wohl auch im Burgenland.
Foto: AFP/GETTY IMAGES/WIN MCNAMEE

Als Norbert Darabos den Namen zum ersten Mal hörte, wollte er seinen Ohren erst gar nicht trauen. Denn so, wie sie alle das aussprachen, hätte der Altbürgermeister von South Bend, Indiana, auch ein Hiesiger, einer aus der mittelburgenländischen Krowodei sein können. Pete Butičić. Und das wäre doch was gewesen in Mjenovo und um Minihof herum!

Tatsächlich hat Pete Buttigieg, der bekennende Schwule, der gerade den Vorwahlkampf der US-Demokraten aufmischt, maltesische Wurzeln. Aber abwegig war das kurze Verhören des Norbert Darabos keineswegs. Denn South Bend, die 100.000-Einwohner-Stadt 90 Meilen östlich von Chicago, hat auch eine lange burgenländische Geschichte.

Eine burgenlandkroatische. "Aus Mjenovo", erzählt Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ), der bekannteste Bürger des mittelburgenländischen Kroatisch Minihof, "wanderten über die Jahre rund 300 Menschen nach Amerika aus". Heute hat der Ort, der seit den 1970er-Jahren Teil der Großgemeinde Filež/Nikitsch ist, wenig mehr als 300 Einwohner. Damals freilich, so Darabos, der auch Historiker ist mit Schwerpunkt Burgenlandkroaten, "hatte Minihof mehr als 2.000 Einwohner".

Frühe Auswanderer

Die burgenländische Auswanderung an den Lake Michigan begann, als es längst noch kein Burgenland gegeben hat und South Bend ein Dorf an der südlichen Biegung – South Bend eben – des St. Joseph Rivers war. Die Auswanderung ist gut dokumentiert. "Eine alte Minihoferin hat das alles penibel aufgearbeitet."

Der erste Kroate in South Bend war ein Nikitscher namens Karazmann. Der kam um 1900 nach South Bend, zog dann aber weiter ins "Cowboyland". Wenig später kamen zwei Minihofer, Nikolaus Wukowitsch und Paul Kuzmich. Spätestens 1906 wurde klar, dass diese Wanderung nicht nur jenes kurze Geldverdienen sei, als das es geplant war. Paul Kuzmich heiratete Christine Bajerich aus Nikitsch und gründete mit ihr eine amerikanische Familie.

"Niemand", erzählt Norbert Darabos, "wollte auf Dauer weg." Jene, die gingen, hatten den festen Vorsatz, gut ausgestattet wieder zurückzukommen. "Die Großeltern meiner Frau hatten acht Geschwister. Sechs davon sind ausgewandert." Die Auswanderung aus Minihof, sie dauerte bis in die späten 1950er-Jahre. Hauptziel war weiterhin South Bend, Indiana. Und seine Studebaker Factory, die ursprünglich Kutschen, später dann, bis 1963, die legendären Automobile herstellte. Doch dann ging Studebaker pleite.

Nicht allen Auswanderern gelang, wovon sie geträumt haben. Aber keiner ließ sich daheim anmerken, dass der amerikanische Traum auch seine dunklen Seiten hatte. "Die Ami-Verwandtschaften schickten Geld und Packerln." Manche kamen Jahr für Jahr und "verteilten stolz Dollarnoten an die Kinder".

Hilfsverein Sankt Anton

In South Bend gab es den ersten burgenländischen Hilfs- und Kulturverein in den USA, den 1905 gegründeten Sveti Antonia Druztvo. Hier etablierte sich eine burgenlandkroatische Kolonie – mag sein, gar eine Parallelgesellschaft. Aber klar, die Zeit löst auch die Bindungen an die alte Heimat. Um diese kümmert und sorgt sich Walter Dujmovits, der umtriebige Pfleger des Auslandsburgenländertums.

Darabos war oft schon "drüben", wie es heißt – aber noch nie in South Bend. Die Nikitscher und die Minihofer, die sich hier niedergelassen haben, hauptsächlich im Stadtteil Mali South Bend, haben sich zerstreut. Unlängst war er in Florida, da verbringt ein Schwiegeronkel seinen Lebensabend. Zentrum aller US-Burgenländer ist heute aber das nahe Chicago. Dort wählen sie unverdrossen eine Miss Burgenland. "Die kann manchmal kein Deutsch oder gar Kroatisch mehr."

Ein Ortsteil von Kittsee, das hat Theodora Bauer mit ihrem gleichnamigen Roman ja besungen, heißt Chikago. Aber auch Mjenovo hat seine Sängerin. Michaela Frühstücks wunderbarer Roman "Teta Jelka überfährt ein Huhn Hendl" spielt hauptsächlich in einer Straße namens Sotbend. (Wolfgang Weisgram aus Mjenovo / Kroatisch Minihof, 11.2.2020)