Auch der schwedische Möbelriese schwimmt im grünen Strom.

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Billy, Malm & Co will Ikea-Chef Alpaslan Deliloglu in Österreich künftig auch zur Miete anbieten.

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Die deutsche Bundesregierung will Versandhändlern verbieten, Retouren zu vernichten. Damit reagiert Berlin auf Aufnahmen, die vor mehr als einem Jahr in einem deutschen Logistikzentrum von Amazon öffentlich wurden. Anstatt zurück ins Sortiment zu wandern, landeten Rücksendungen dort in der Müllpresse. Kein Einzelfall: Etwa vier Prozent aller Rücksendungen werden in Deutschland laut einer Studie weggeworfen.

Konkret sieht das neue deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz vor, dass Verkäufer die Waren gebrauchstauglich halten müssen – sofern die Vernichtung nicht berechtigt ist, beispielsweise aus hygienischen Gründen. Das soll heißen: Die Ware wird künftig beispielsweise als B-Ware weiterverkauft oder gespendet. Damit soll der Handel in die Pflicht genommen werden, die Ressourcenverschwendung einzudämmen.

Mit dem grünen Strom

Ob in Deutschland oder hierzulande: Viele Unternehmen schwimmen – freiwillig oder durch gesetzliche Vorgaben gezwungen – mit dem grünen Strom. Auch der schwedische Möbelriese Ikea schreibt sich das Thema Nachhaltigkeit ganz groß auf die Fahnen. Mieten statt kaufen: Was andere Unternehmen bereits als Service anbieten, sollen künftig auch Ikea-Kunden in Österreich in Anspruch nehmen können, kündigt der neue Österreich-Chef Alpaslan Deliloglu an. Der Service wird derzeit weltweit getestet, so der 45-jährige Manager, der seit vier Monaten Ikea Österreich leitet. Bis spätestens Ende 2021 sollen Billy, Malm und Co auch hierzulande auf Zeit geliehen werden können. Auch der Umstand, dass Menschen im urbanen Raum zunehmend auf ein eigenes Auto verzichten, spielt in den Überlegungen eine Rolle und lässt sich gut in einem grünen Mäntelchen präsentieren: innerstädtische Standorte ohne Parkplatz, aber gut mit den Öffis, zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar.

Die Voraussetzungen werden derzeit in Wien geschaffen. Am Westbahnhof entsteht bis 2021 die erste Ikea-Filiale dieser Art weltweit. Die Idee: Kleine Artikel nimmt der Kunde gleich mit, alles andere begutachtet er vor Ort. Nach Hause geliefert wird das Erstandene dann binnen 24 Stunden. Funktioniert das in Wien, können sich auch andere Städte in Österreich Chancen ausrechnen, einen City-Ikea zu bekommen, sagt Deliloglu.

Die Möbelkette, die Umweltschützer immer wieder als Hersteller billiger Massenware kritisieren, muss sich aber auch mit dem Thema Kunststoff auseinandersetzen. Bis 2030 will man es schaffen, dass Möbel künftig aus recyceltem oder erneuerbarem Material hergestellt werden.

Essen im Mistkübel

Aber nicht nur der Handel produziert Abfälle. Eine Studie, laut der Haushalte weltweit doppelt so viele Lebensmittel wegwerfen als vermutet, hat Wellen geschlagen. Derzeit arbeitet das Bundesumweltamt an einer Methode zur Messung vermeidbarer Abfälle. Die EU sammelt Daten, um einen Zielkatalog zur Verringerung bis 2030 aufzustellen. (Regina Bruckner, Aloysius Widmann, 13.2.2020)