Kein Zufall, sondern würdig und recht, dass Stefan Boeness’ Fridays-for-Future-Foto zum "Friedensbild des Jahres 2019" gekürt wurde.

Foto: © Stefan Boeness / Alfred Fried Photography Award

"Unser Lebensraum legt keinen Wert auf leere Worte oder darauf, was wir sagen. Der Umwelt geht es nur darum, was wir tun", forderte in einem flammenden Appell auf dem Wiener Heldenplatz die damals 15-jährige Aktivistin Greta Thunberg von Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft. "Action!" forderte auch "The Styrian Oak" Arnold Schwarzenegger.

Anlass waren der internationale Umwelttag und der Klimagipfel 2019 unter Patronanz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Den Finger in offene Wunden legt seit Sommer 2018 die von der Stockholmer Umweltaktivistin gegründete Plattform Fridays for Future.

Die Genesis, die Forderungen und Aktivitäten der Bewegung, untermauert mit Zahlen, Daten und Fakten zum Klimawandel, zeigt nun eine reich illustrierte Publikation. Die Fotoserien präsentieren in Klarheit und Ästhetik vor allem Emotionen und Humanismus im Sinne Stéphane Hessels Empört Euch!

"Die wahre Ernte meines täglichen Lebens ist etwas so Unfassliches wie das Morgen- und Abendrot", meinte einst Henry David Thoreau (1817–1862). Sein Leben als Eremit mutiert heute zum Symbol der Entschleunigung, der Reduktion auf das Wesentliche.

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts kam er zur Erkenntnis, dass der Mensch umso reicher ist, je mehr Dinge er sein und hinter sich lassen kann. Heute, in einer Ära immenser Intensität, schnelllebiger Reizüberflutung, oberflächlicher Wegwerfgesellschaft, sehnt man sich nach Ursprünglichem, strebt nach ehrlicher Authentizität.

Bewusstseinsbildung und Konsumkritik

"Gib mir eine Wildheit, die von keiner Zivilisation ertragen werden kann", formulierte Thoreau diese Herausforderung des Menschseins. Die Protestzüge, Demonstrationen, die lautstarken Skandierungen, die Reden, Provokationen, öffentlichen Proklamationen, die kreativen Plakate, markanten Slogans sind stumme Zeugen dieser Sehnsucht.

"Die Natur passt sich ebenso gut unserer Schwäche wie unserer Stärke an." Die Verantwortung jedes Einzelnen für den Planeten Erde sowie Demut vor der Schöpfung stehen Pate des hier kuratierten Fotoparcours.

Dass der interaktive Dialog ein befruchtender, befreiender und beglückender ist, beweisen Memorabilia der Aktivisten aus aller Herren Länder. Ausblick auf zu beachtende Aktionen stehen in Kombination mit der Zwischenbilanz des bisher Erreichten.

Entscheidungsallergie der Politiker

Greta Thunberg warnt vor dem Notfall, vor der Katastrophe, vor einer bevorstehenden Apokalypse, vor dem Ende; sie will die von der global epidemisch grassierenden Entscheidungsallergie infizierten Politiker, Wirtschaftsbosse und Entscheidungsträger in Panik versetzen. Die Klimakrise, die man aber auch als Chance begreifen muss, ermöglicht einen Weg zur Besinnung auf Wesentliches: Schönheit und Vielfalt der Natur im Kontrast zur mutwilligen Zerstörung.

Der Vorwurf der Generation Z, dass sie ihrer Zukunft beraubt werde, ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Verantwortung muss aber weder in kollektive Beleidigtheit noch in harmoniesüchtige Beschwichtigungstiraden münden. Protestbewegungen gab es regelmäßig. Man erinnere sich der 68er-Revolution, des Anti-Atomkraftwerk-Volksbegehrens, der Friedensbewegung, der Proteste gegen Hainburg. "No future" war der Tenor Anfang der 80er.

Man muss es nur eingestehen, die Bürgerinitiativen mit Ökothemen waren zu wenig, zu leise, zu kraftlos. Aber wie sang Universalkünstler André Heller vor Jahrzehnten in einem heute zur Hymne der Fridays-for-Future-Bewegung mutierten Chanson: "Dieser Stern ist uns doch nur geliehen / von Künftigen, die nach uns sind ..." Sic! (Gregor Auenhammer, 2.3.2020)