Im Zuge der Coronavirus-Epidemie schwächeln die Börsen. Der Goldpreis ist jedoch seit Dezember 2019 deutlich gestiegen und befindet sich auf einem neuen Allzeithoch. Das ist wenig überraschend, denn in unruhigen Zeiten gilt Gold als sichere Geldanlage. Doch warum ist es eigentlich so wertvoll?

Frage: Wie entsteht Gold?

Antwort: Beim Urknall entstanden Wasserstoff und Helium (mit einem bzw. zwei Protonen im Kern), aus denen sich die ersten Sterne bildeten. Viele andere Elemente entstehen im Inneren von Sternen, denn diese sind gigantische Kernfusionsreaktoren, die Atomkerne leichter Elemente zu schwereren Elementen verschmelzen können. Doch für Elemente schwerer als Eisen (26 Protonen) reicht die Energie nicht aus. Diese entstehen bei einer Sternenexplosion (Supernova) oder einer Neutronensternkollision.

NASA-Animation einer Neutronensternkollision
NASA Goddard

Für Gold (79 Protonen) ist Letzteres notwendig. Im Jahre 2017 konnte dieser Prozess erstmals nachgewiesen werden. Nachdem das Laser-Interferometer Gravitationswellen-Observatorium (LIGO) Gravitationswellen einer Neutronensternkollision detektiert hatte, konnte der Lichtblitz der nachfolgenden Kilonova, die weniger lichtstark als eine Supernova ist, von mehreren optischen Teleskopen gemessen werden. Das Ereignis geschah vor 130 Millionen Jahren.

Die bei der Kollision entstandenen Elemente absorbieren einen Teil des Lichts, was in den Messungen als dunkle Linien im Lichtspektrum sichtbar wird. Die gemessenen Absorptionsspektren bieten also Hinweise auf die Elemente. 2019 konnte Strontium vom European Southern Observatory (ESO) identifiziert werden, doch Wissenschafter gehen davon aus, dass auch Gold gebildet wurde.

Das Very Large Telescope (VLT) des European Southern Observatory (ESO) in der Atacama-Wüste in Chile beobachtete die Geschehnisse am Himmel
Foto: AFP/Martin Bernetti

Frage: Woher kommt das Gold auf der Erde?

Antwort: Unsere heutigen Modelle besagen, dass Planeten aus Staubwolken entstehen, die sich verdichten. Die Elemente der Staubwolke entstammen Sternenkollisionen und Supernovae. Das heute auf der Erde befindliche Gold ist also nicht hier entstanden. Es kann auch nicht einfach hergestellt werden, wie es die Alchemisten in der Geschichte versuchten.

Aufgrund seiner hohen Dichte ist davon auszugehen, dass ein Großteil im flüssigen Zustand in den Erdkern abgesunken ist. Durch Vulkanismus wird es wieder an die Oberfläche befördert, weshalb ehemals vulkanisch aktive Gebiete häufig Goldvorkommen aufweisen. Auch Meteoriten können Quellen sein, die Rohstoffe auf die Erdoberfläche eintragen.

Goldnugget, gefunden in der Elfenbeinküste
Foto: Reuters/Luc Gnago

Frage: Wie wird Gold gewonnen?

Antwort: Auch wenn hin und wieder größere Goldklumpen, sogenannte Nuggets, gefunden werden, liegt Gold größtenteils als feine Partikel in Gesteinen eingeschlossen vor. Die größten Goldvorkommen finden sich in Südafrika, Australien, Russland, China und den USA. Für die industrielle Gewinnung wird Gestein aus den Minen gesprengt und fein zermahlen, bevor das Gold meist durch Cyanid-Laugung oder Quecksilber extrahiert und aufgereinigt wird. Zurück bleiben giftige Blausäure und Cyanidstaub oder Quecksilberrückstände, die zu massiven Umweltproblemen führen können.

Ein Arbeiter nimmt eine Wasserprobe nahe der Gold King Mine in Colorado, wo es 2015 zu einem Unfall kam, wodurch 11 Millionen Liter giftiges Abwasser freigesetzt wurden
Foto: AP/Jerry McBride

Die Menge des derzeit im Umlauf befindlichen Goldes wird auf etwa 190.000 Tonnen geschätzt, ein Großteil davon liegt als Schmuck vor. Weitere Quellen sind Zahngold und Elektroschrott. Gold kann beliebig oft eingeschmolzen und recycelt werden.

Frage: Warum ist Gold so wertvoll?

Antwort: Gold ist ein stabiles Element, das in der Natur meist in seiner Reinform vorkommt. Es ist nicht radioaktiv, zerfällt und korrodiert nicht. Dass es sich in unserer Wert-Wahrnehmung aber gegen Metalle mit vergleichbaren Eigenschaften durchgesetzt hat, hat eher historische Gründe.

Vergoldete Totenmaske des Tutanchamun im Ägyptischen Museum Kairo
Foto: imago/BE&W

Seine auffällige Farbe und vergleichsweise einfache Verarbeitung machten es für unsere Vorfahren interessant und zugänglich. Zuletzt waren es wohl die Sehnsucht nach dem Edelmetall und der Goldrausch im 19. Jahrhundert, die dem Gold erst seinen Mythos anhefteten. Doch auch die Herausforderungen seiner Förderung haben ihren Preis.

Obwohl die Währungen heute nicht mehr direkt an Goldvorräte gekoppelt sind, lagern die Zentralbanken weiterhin große Reserven ein. Auch für Privatinvestoren gilt Gold als krisensichere Geldanlage. Dafür muss man jedoch in Kauf nehmen, dass die erzielbaren Renditen verschwindend gering sind. Als Realgut kann Gold aber für eine langfristige Wertsicherung verwendet werden, sagt Josef Zechner von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Frage: Wie entsteht der Goldpreis?

Antwort: Wie jeder Marktpreis ist auch der Goldpreis durch Angebot und Nachfrage reguliert. Das Angebot bestimmt sich aus der Goldförderung, die mit zunehmender Abbautiefe und den damit verbundenen sozial-ökologischen Problemen zu kämpfen hat. Weitere Quellen sind der Verkauf von Goldreserven und das Recycling aus Produkten. Das Angebot ist aber durch die begrenzten Goldvorkommen fixiert, so Zechner.

Foto: Reuters/Leonhard Foeger

Die Nachfrage kommt zum größten Anteil aus der Schmuckindustrie. In Krisenzeiten steigt das Interesse daran, in Gold zu investieren. Denn trotz des schwankenden Preises schätzen Experten den Wert von Gold als weitgehend stabil ein. Das heißt, für ein Gramm Gold bekommt man zum heutigen Preis ungefähr die gleiche Menge einer Ware wie vor 100 oder gar 1000 Jahren.

Mit steigendem Wohlstand erhöht sich auch die Nachfrage von Gold als Statussymbol und Kapitalanlage. Ein Fünftel des globalen Goldbedarfs wird heute allein in Indien umgesetzt.

Frage: Welche Bedeutung hat Gold?

Antwort: Neben der Verwendung in der Münzprägung wurde Gold schon früh für die Demonstration von Reichtum und Macht genutzt. Von den ägyptischen Pharaonen bis zum Bling-Bling der Moderne hat es nichts an seiner Faszination verloren. Die Heiligen Drei Könige brachten Gold, Monarchen trugen goldene Kronen, europäische Kolonialmächte waren auch an Afrikas Goldvorkommen interessiert.

Das "weiße Gold" Salz war einst sehr wertvoll
Foto: AP/Louis DeLuca

Über seinen Wert hinaus hat Gold in unserer Gesellschaft die Bedeutung von Luxus, Qualität und Stabilität. Dies schlägt sich nieder in Bezeichnungen wie "schwarzes Gold" für Öl, den "goldenen Schnitt" und die übertragene Bedeutung des "Goldstandards". Salz, das einst so wertvoll war, dass es ebenfalls als Zahlungsmittel verwendet wurde und Städten wie Salzburg und Hallstatt zu Reichtum verhalf, wurde auch "weißes Gold" genannt. (Friederike Schlumm, 17.3.2020)