Freude bei Joe Biden...

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...enttäuschte Gesichter bei Anhängerinnen Bernie Sanders'.

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Columbia – Erstmals im aktuellen Vorwahlkampf der US-Demokraten hat der frühere Vizepräsident Barack Obamas, Joe Biden, in der Nacht auf Sonntag eine Abstimmung gewonnen. Er siegte in South Carolina mit deutlichem Abstand vor seinem weiter links stehenden Widersacher Bernie Sanders. Der Abstand war dabei deutlich größer als vielfach erwartet worden war. Laut Auszählung fast aller Stimmen erreichte Biden 48,4 Prozent, während Sanders nur 19,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler für sich einnehmen konnte.

Auf rang drei landete der Milliardär und Philanthrop Tom Steyer, der in South Carolina viel Geld in seinen Wahlkampf investiert hatte. Mit Blick auf seinen enttäuschenden Stimmenanteil von nur 11,3 Prozent zog er sich nach Bekanntwerden des Ergebnisses aus dem Rennen zurück. Er sehe keinen realistischen Weg zur Nominierung mehr, sagte Steyer, der aber sein Geld weiter in den demokratischen Wahlkampf investieren will. Alle anderen Kandidatinnen und Kandidaten – Pete Buttigieg, Elizabeth Warren und Amy Kloubuchar – durchbrachen die 10-Prozent-Marke nicht.

Für den einstigen Favoriten Biden war der Wahlabend nicht nur ein Erfolg, sondern vermutlich die vorübergehende Rettung seiner Kampagne. Der 77-Jährige hatte zuvor in Iowa, New Hampshire und Nevada deutlich unter den Erwartungen abgeschnitten und all seine Hoffnungen auf einen Sieg in South Carolina gesetzt. Zuletzt hatte er aber auch dort an Boden verloren, ein Sieg gegen Sanders schien nicht mehr ausgemacht. Dass Biden seinen Konkurrenten nun so deutlich schlagen konnte, galt auch angesichts der letzten Umfragen als überraschend.

Er spielte in seiner Siegesrede auf den Zustand seiner Kampagne an: "Für alle, die bereits ausgezählt waren, die am Boden gelegen sind: Das ist Ihre Kampagne!". Zudem übte er heftige Kritik an Sanders: "Wenn die Demokraten einen Kandidaten wollen, der ein Demokrat ist, ein stolzer, lebenslanger Demokrat", dann solle man ihn wählen, sagte Biden mit Blick auf seinen Konkurrenten, der als parteiunabhängiger Senator amtiert. "Die Demokraten haben die Wahl, ob sie im Herbst massiv gewinnen oder massiv verlieren wollen".

Sanders nur bei Jungen voran

Biden hatte laut Exit Polls in fast allen demographischen Gruppen gewonnen. Vor allem aber hat er – wie schon im Vorfeld von ihm erhofft – schwarze Anhängerinnen und Anhänger der Demokraten für sich einnehmen können. In dieser Gruppe, die in South Carolina 56 Prozent des demokratischen Elektorats ausmacht, kam er auf 61 Prozent der Stimmen. Sanders, der sich nach dem Sieg in Nevada ebenfalls Zugewinne in dieser Gruppe erhofft hatte, kam nur auf 17 Prozent. Sieger war Sanders allein in der Altersgruppe der sehr jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 17-29 Jahren. Dort holte er 43 Prozent der Stimmen, Biden nur 26.

Sanders gestand unmittelbar nach Bekanntwerden des Resultats seine Niederlage ein. "Man kann nicht alle Wahlen gewinnen. Heute haben wir nicht gewonnen, und es wird nicht die einzige Niederlage bleiben", sagte er vor Anhängern. Sanders gratulierte auch Biden zum Sieg. Nun gelte es für ihn und seine Anhänger, die Augen auf den Super Tuesday zu richten. Dieser findet bereits am kommenden Dienstag statt, 14 Bundesstaaten und American Samoa entscheiden dann über ihre Präferenz für die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Zudem starten die Democrats Abroad, die Auslandsorganisation der Partei, ihre einwöchige Abstimmung. Insgesamt werden dabei 1245 der 3979 gebundenen Delegiertenstimmen vergeben. Landesweite Umfragen hatten Sanders zuletzt mit mehr als zehn Prozentpunkten Vorsprung in Front gesehen.

Ob es bis Dienstag bei diesem Abstand bleibt, ist allerdings fraglich. Biden hatte zuletzt vor allem Stimmen an seinen Konkurrenten Michael Bloomberg eingebüßt, der sich mit TV-Werbungs-Investitionen jenseits der 400 Millionen US-Dollar an die dritte Stelle im demokratischen Umfragerennen katapultiert hat, und der inhaltlich vor allem als Alternative für Biden-Wählerinnen und Wähler auftritt. Allerdings hat Bloomberg, der erst am Dienstag in das Rennen einsteigt, schwierige Wochen hinter sich: Er war in TV-Debatten von seinen Gegnern unter anderen wegen früherer sexistischer Aussagen der rassistischen Stop-and-Frisk-Politik angegriffen worden, die er als Bürgermeister von New York forciert hatte. Profitiert hatte Bloomberg vor allem von Zweifeln an der Siegfähigkeit Bidens – die mit dem Ergebnis in South Carolina aber vorerst wieder schwinden.

Republikaner stimmten erst gar nicht ab

Im bisherigen Rennen um die Delegiertenstimmen herrscht nach den Ergebnis von South Carolina nun fast Gleichstand zwischen Biden (46) und Sanders (55). Pete Buttigieg (25), Elizabeth Warren (8) und Amy Klobuchar (7) liegen bereits deutlich dahinter. Bloomberg hat, weil er ja bisher an keinen Vorwahlen teilgenommen hat noch keine Delegiertenstimmen gewinnen können. Für eine fixe Nominierung am Parteitag der Demokraten Mitte Juli sind 1991 Stimmen nötig. Gewinnt keine der antretenden Personen die nötige Anzahl an Stimmen, wird auf dem Parteitag entschieden. Dann stimmen auch die – eigentlich in diesem Jahr entmachteten – 771 Superdelegierten wieder mit, die nicht in den Vorwahlen vergeben werden.

Bei den Republikanern fand in South Carolina derweil keine Vorwahl statt. Die Parteiorganisation in dem Bundesstaat hatte sie im Spätherbst unter Protest der parteiinternen Gegner von Präsident Donald Trump abgesagt. "Man muss bedenken, dass die gesamte Partei den Präsidenten unterstützt, wir werden daher das tun, was ihm nützt", sagte Parteichef Drew McKissick damals zur Begründung. Wie auch immer man dazu stehen mag: Für die US-Wählerinnen und Wähler insgesamt gilt das laut aktuellen Umfragen nicht. Sie würden im Durchschnitt aktueller landesweiter Befragungen alle der demokratischen Vorwahl-Teilnehmerinnen und Teilnehmer Trump vorziehen. Sowohl Biden als auch Sanders haben dabei einen Vorsprung von je rund fünf Prozentpunkten, Bloomberg läge vier Punkte voran. (Manuel Escher, 1.3.2020)