Pete Buttigieg (rechts) zog sich zurück, um Bernie Sanders (links) zu verhindern und Joe Biden (Mitte) zu stützen.

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Es ist erst vier Wochen her, dass Pete Buttigieg auf den Spuren Barack Obamas zu wandeln glaubte. In Iowa hatte er die erste Vorwahl der demokratischen Bewerber fürs Oval Office gewonnen, zumindest lag er dem Zwischenergebnis nach vorn, während peinliche Auszählungspannen tagelang verhinderten, den Sieger auszurufen. Der Ex-Bürgermeister der Industriestadt South Bend hielt sich damals nicht lange bei der Vorrede auf.

Dasselbe Iowa, das sich zwölf Jahre zuvor schon einmal auf einen jungen Kerl mit einem komischen Namen eingelassen habe, auf einen Burschen, dem niemand einen Sieg zugetraut hatte, sagte er, derselbe Staat könnte nun ihm geholfen haben bei dem Versuch, ein zweites Mal Geschichte zu schreiben. Ihm, dem womöglich ersten Präsidenten im Weißen Haus, der offen homosexuell lebt.

So überraschend stark Buttigieg gestartet war, so überraschend schnell gab er auf. Dass er früher oder später aufgeben würde, hatte sich zwar abgezeichnet. Dem Coup von Iowa und einem starken zweiten Platz in New Hampshire folgten herbe Enttäuschungen in Nevada und South Carolina. In Staaten, deren demokratische Parteibasis nicht Weiße dominieren, sondern Latinos und Schwarze, stand er auf verlorenem Posten.

Ethnische Minderheiten

Bemerkenswert war dann nicht nur, mit welcher Schärfe der 38-Jährige erkannte, dass ein Politiker, der bei ethnischen Minderheiten nicht zu punkten vermag, in einer Partei, in der ethnische Minderheiten so stark vertreten sind, die Nase am Ende nicht vorn haben kann.

Noch bemerkenswerter war, wie konsequent er die Reißleine zog – zwei Tage vor dem Super Tuesday, an dem der Senkrechtstarter aus dem Mittleren Westen hier und da wohl zumindest Achtungserfolge errungen hätte.

Es liegt an der Alarmstimmung in den Reihen der Moderaten, dass Buttigieg derart rasch handelte. Bernie Sanders, der Champion der Linken, hat Umfragen zufolge beste Chancen (siehe oben). Michael Bloomberg, der am Dienstag zum ersten Mal antritt, verspricht ihn zu stoppen – doch die Demoskopen billigen dem 60-Milliarden-Dollar-Mann aus New York allenfalls Außenseiterchancen zu. Gut möglich, dass es nun auf einen Zweikampf zwischen Sanders und Biden hinausläuft, zwischen einem leidenschaftlichen 78-Jährigen und einem 77-Jährigen, der bis zu seinem Comeback in South Carolina jede Leidenschaft vermissen ließ.

Argumente gegen Sanders

In dem offensichtlichen Versuch, Sanders aufzuhalten, haben altgediente Parteigranden Biden gerade erst, nach wochenlangem Zaudern, zur Wahl empfohlen. Eine ist Barbara Boxer, eine Ex-Senatorin aus Kalifornien, deren Wort an der Westküste wohl noch immer Gewicht hat. Ein anderer ist Tim Kaine, der Senator aus Virginia, der 2016 ein Wahlkampfgespann mit Hillary Clinton bildete.

Buttigieg wiederum hatte sich als eine Art jüngerer, eleganter Joe Biden präsentiert, gedankenschneller und eloquenter als der Senior, doch inhaltlich ähnlich pragmatisch. Ein vorsichtiger Reformer, kein radikaler wie Sanders. Dass er seinen Ausstieg als Hilfeleistung für Biden versteht, daran lässt er keinen Zweifel.

Ohne Sanders beim Namen zu nennen, wiederholte er zum Abschied Argumente, wie sie auch der ehemalige Vizepräsident in die Debatte wirft, wenn er vor einem Durchmarsch des linken Senators warnt. Was die Partei brauche, sei eine breit angelegte Agenda, die den Menschen greifbare Ergebnisse bringe und in einer gespaltenen Nation Wunden heilt; "nicht eine, die sich im Ideologischen verliert", mahnte er.

Im Übrigen, sagte Buttigieg, einmal mehr den historischen Bogen schlagend, habe er die Botschaft ausgesandt, dass sich kein "Kid" mehr zurückgesetzt fühlen müsse, nur weil es, warum auch immer, anders sei. Jemand, der dies einst exakt so empfunden habe, habe bewiesen, dass er ein ernst zu nehmender Präsidentschaftskandidat sein könne – "mit seinem Mann an seiner Seite". (Frank Herrmann aus Washington, 2.3.2020)