Sydney – Für die australische Medienlandschaft ist es ein Schlag: Die Nachrichtenagentur AAP stellt nach 85 Jahren Ende Juni ihren Dienst ein. Das Geschäft sei in Zeiten, in denen es zunehmend kostenlose Inhalte im Internet gebe, nicht mehr rentabel, teilte der Geschäftsführer Bruce Davidson am Dienstag mit.

AAP sperrt zu.
Foto: AP/Casey

AAP (Australian Associated Press) wurde 1935 von dem Verleger Keith Murdoch gegründet, dem Vater von Medienunternehmer Rupert Murdoch. Die Agentur bietet neben Texten aus verschiedenen Ressorts auch Bilder und Videos an. Sie gehört den Medienunternehmen Nine, News Corp Australia, The West Australian und Australian Community Media.

85 Jahre

Chefredakteur Tony Gillies sprach auf Twitter vom "traurigsten Tag", AAP schließe nach 85 Jahren "journalischer Exzellenz". In einer von der Agentur im Internet veröffentlichen Mitteilung ergänzte der Chefredakteur: "Wir hatten einen einzigartigen Platz im Journalismus. Wir bestehen im Interesse der Öffentlichkeit und ich habe Angst wegen der Lücke, die entsteht, weil es die starke und wohlüberlegte Stimme der AAP nicht mehr gibt."

Vorstand Campbell Reid erklärte, die Entscheidung sei schwer gewesen, aber den Aktionären sei kaum eine andere Wahl geblieben. Die Zahl der Unternehmen, die sich nicht mehr auf den AAP-Dienst verließen, habe das Geschäft untragbar gemacht.

Die Agentur beschäftigt nach eigenen Angaben ein Team von 180 Leuten und hat Büros in Australien, Neuseeland, Los Angeles und London, außerdem gibt es etwa 100 freie Fotografen. Die australischen Medien spüren wie viele Medien weltweit seit Jahren den Druck durch sinkende Abo-Zahlen und Gewinne sowie die Konkurrenz durch Internetriesen wie Google und Facebook.

Die APA – Austria Presse Agentur ist der AAP im internationalen Nachrichtenagenturnetzwerk MINDS verbunden. Im Jahr 2017 war AAP federführend beim Projekt "MINDS Global Spotlight" engagiert, einem erstmaligen gemeinsamen internationalen Rechercheprojekt von zehn Nachrichtenagenturen, darunter die APA, die deutsche Presse-Agentur dpa und die französische Nachrichtenagentur AFP. Damals wurde ein umfangreiches multimediales Dossier zum Thema Migration recherchiert und koordiniert in den jeweiligen Diensten veröffentlicht. (APA, 3.3.2020)