Israels Premier Netanjahu hat gut lachen.

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Er hat es wieder getan. Gemeinsam, sprach Benjamin Netanjahu am Montag nach Wahlschluss zu seinen Anhängern in Tel Aviv, habe man aus Zitronen Limonade gemacht und einen Sieg eingefahren, an den niemand mehr geglaubt habe. Der Langzeitpremier, genannt Bibi, seit kurzem Rekordhalter und seit längerem schon unter Korruptionsverdacht, feierte seinen Sieg in Israels dritter Parlamentswahl binnen Jahresfrist, noch bevor deren Endergebnis vorlag.

So klar dieser auf den ersten Blick erscheint, so knapp ist er bei näherer Betrachtung. Weil Netanjahus nationalkonservativer Likud nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen vier Sitze Vorsprung auf Benny Gantz' linksliberales Bündnis Blau-Weiß hat, darf sich der charismatische Parteichef zu Recht als Sieger feiern lassen. Beim ersten Wahlgang im April 2019 landeten die beiden Lager noch gleichauf, im September hatte Gantz gar die Nase vorn. Für Netanjahu, der sich im März einem Gerichtsprozess wegen Bestechung, Untreue und Betrugs stellen muss, ist die Hackordnung nun wieder hergestellt.

Sein Lager findet sich nach drei Urnengängen dort wieder, wo es vor der ersten Wahl war, vielleicht steht es sogar noch stärker da. Staatspräsident Reuven Rivlin wird nicht umhinkommen, erneut Bibi den Auftrag zur Regierungsbildung zu erteilen. Und vieles deutet darauf hin, dass es diesmal an dem für eine Mehrheit entscheidenden 61. Sitz für seine konservativ-religiöse Koalition in der Knesset nicht scheitern wird – und sei es mithilfe eines oder mehrerer Überläufer von Avigdor Lieberman, für den Netanjahus frömmelnde Allianz zwar ein Gräuel ist, der die Israelis aber auch nicht ein viertes Mal vor die Wahl stellen will.

Ein wirklich starkes Mandat sieht aber anders aus. Netanjahu verdankt die späte Genugtuung zudem nicht allein seiner tatsächlich blendenden Wahlkampfmaschinerie und seiner Botschaft, er allein könne das kleine, von allen Seiten bedrohte Land beschützen. Auch wenn es dem Machtpolitiker mehr als egal sein dürfte, wie sein Sieg zustande kommt, gibt der Umstand doch zu denken, dass selbst so handfeste Vorwürfe gegen einen Politiker nicht reichen, um ihn aus dem Amt zu wählen. Es scheint, dass sich die Israelis tatsächlich mit der sauren Frucht Netanjahu abgefunden haben. (Florian Niederndorfer, 3.3.2020)