Kaputte Smartphones strapazieren Nerven und die Umwelt.

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Früher war es üblich, Haushaltsgeräte viele Jahre, teilweise sogar Jahrzehnte zu verwenden. Schäden wurden einfach repariert. Heute wird viel schneller etwas Neues angeschafft. Besonders Smartphones stechen hier heraus – sie werden durchschnittlich nur zwei bis drei Jahre genutzt, bis man sich ein neues kauft. Das schadet der Umwelt, ließe sich jedoch beheben.

"Eine EU-weite Studie ergab vor kurzem: Würden wir die Lebensdauer aller Smartphones in Europa um nur ein Jahr verlängern, könnten wir damit jährlich 2,1 Millionen Tonnen CO2 sparen. Das entspricht einer Million Autos, die man von der Straße nimmt", erklärt Dorothea Kessler von iFixit Europa gegenüber dem STANDARD. iFixit ist einer der Vorreiter der Do-it-yourself-Bewegung. Seit 2003 werden auf dem ursprünglich aus den USA stammenden Portal Reparaturanleitungen für verschiedene Geräte und sogenannte Teardowns veröffentlicht. Diese zeigen, wie leicht sich ein Gerät auseinandernehmen lässt und welche Komponenten drinstecken. Mittlerweile verkauft man auch eigenes Reparaturwerkzeug.

Reparatur wird schwieriger

Dabei wird es immer schwieriger, Geräte selbst zu reparieren oder zu warten. War es bei klassischen Handys und bei den ersten Smartphones noch üblich, dass man den Akku selbst tauschen konnte, ist dieser heute bei fast allen Geräten fest verklebt. Dadurch können die Modelle dünner gebaut werden, der Akkuausbau wird aber kompliziert. Auch der Tausch eines Displays ist schwierig. "Hersteller wie Apple nutzen gern proprietäre Schrauben, die das Öffnen zum Beispiel von einem iPhone erschweren – und argumentieren, dass die Reparatur nur ein Profi durchführen kann", kritisiert man bei iFixit.

Aber auch einige aktuelle Trends sorgen zunehmend dafür, dass die Geräte schlechter zu warten sind. So wird etwa Kleber eingesetzt, damit Smartphones wasserdicht werden. Dieser Kleber erschwert allerdings die Reparatur, wenn beispielsweise ein kaputtes Display getauscht werden muss. Auch die im Prinzip qualitativ hochwertigeren Glasdisplays haben es in sich. Sie zerkratzen zwar nicht so schnell wie Bildschirme aus dem Kunststoff Polycarbonat. Dafür zerbrechen sie schneller. Neben zu schwach gewordenen Akkus sind Displays laut iFixit daher der häufigste Grund für eine Reparatur. Der nächste Trend, der Do-it-yourself-Verfechtern Bauchweh bereitet, sind faltbare Smartphones. "Das Galaxy Z Flip ist der neueste Beleg dafür, dass technische Spielereien zu einem großen Problem für die Haltbarkeit eines Geräts werden können", so die Reparaturprofis.

Hoffen auf die EU

iFixit engagiert sich daher für ein Recht auf Reparatur und fordert Maßnahmen, durch die Smartphones leichter reparierbar gemacht werden können. Dafür sammelt man gemeinsam mit weiteren Aktivisten und Umweltschützern Unterschriften für eine Onlinepetition an die EU-Kommission. Nächste Woche will diese ihren neuen Aktionsplan "Kreislaufwirtschaft" präsentieren. Die DIY-Verfechter fordern dafür, dass die Bedingungen für die Smartphonereparatur verbessert werden. Die Geräte sollten nicht nur besser reparierbar designt werden, Konsumenten und unabhängige Reparaturprofis sollten auch Zugang zu Ersatzteilen und Reparaturinformationen erhalten.

Dabei spielt nicht nur die Hardware eine Rolle. Ein weiterer Punkt sind Software-Updates. "Es ist ein Problem, dass bei den meisten Geräten der Software-Support nach allzu kurzer Zeit eingestellt wird. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen das als Anlass zum Neukauf", so Dorothea Kessler. Mit der "New Deal for Consumers"-Verordnung der EU sollen Hersteller in Zukunft dazu gezwungen werden, Software-Updates länger bereitzustellen. Wie jüngst auch Tests des STANDARD zeigen, sind vollkommen intakte Smartphones nach einigen Jahren nur noch sehr eingeschränkt brauchbar, weil viele Apps nicht mehr unterstützt und Sicherheitslücken nicht mehr behoben werden. (Birgit Riegler, 5.3.2020)