Im Vorjahr stieg die Konzentration von Methan weiter an. Sie liegt mittlerweile bei über 250 Prozent des Wertes von vor der Industrialisierung.

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Wien – Vor weniger als zwei Wochen sorgte eine Studie zum Verhältnis zwischen natürlichem und vom Menschen freigesetztem Methan in der Erdatmosphäre unter Klimaschützern für verhaltenen Optimismus. Die im Fachjournal "Nature" präsentierte Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der anthropogene Anteil des potenten Treibhausgases an der Gesamtmenge von Methan in der Erdatmosphäre deutlich höher liegt als bisher angenommen. Da es ungleich schneller abgebaut wird als Kohlendioxid, sei Methan ein besonders geeigneter Ansatzpunkt, um Treibhausgase in verhältnismäßig kurzer Zeit zu reduzieren, so die Forscher um Benjamin Hmiel von der University of Rochester.

In die selbe Kerbe schlagen nun Wissenschafter vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien: Methan verdiene in der Klimadebatte mehr Aufmerksamkeit, da es kurzfristig fast zur Hälfte zu der vom Mensch verursachten globalen Erwärmung beiträgt, betonen die IIASA-Forscher. Im Fachjournal "Environmental Research Communications" zeigen sie, dass es möglich wäre, mit verfügbaren Technologien die Methanemissionen zu begrenzen und so erheblich zur Verringerung der Erderwärmung beizutragen.

Neues Treibhausgasmodell

Damit politische Strategien für eine signifikante Methan-Reduktion entwickelt werden können, müsse klar sein, wo und aus welchen Quellen Emissionen entstehen und wie sich diese in Zukunft entwickeln werden. Das haben die Wissenschafter um Lena Höglund-Isaksson in ihrer Studie unter anderem mit einem am IIASA entwickelten Treibhausgasmodell untersucht.

Die Analyse zeigte einen starken Anstieg der Methan-Emissionen nach 2010, der auch durch Messungen bestätigt wurde. Die Zunahme erklären die Forscher durch die Schiefergasproduktion in Nordamerika, den verstärkten Kohleabbau in Ländern wie Indonesien und Australien und die zunehmende Menge an Abfall und Abwasser aufgrund der wachsenden Bevölkerung und der wirtschaftlichen Entwicklung in Asien und Afrika. Weiters gebe es einen kleinen, aber stetigen Anstieg der Methan-Emissionen aus der Rindfleisch- und Milchproduktion in Lateinamerika und Afrika.

Beträchtliche Methanmengen

Ohne Maßnahmen würde es der Studie zufolge bis 2050 zu einem globalen Anstieg der Methan-Emissionen von etwa 30 Prozent kommen. Obwohl es technisch möglich wäre, etwa 38 Prozent dieser Emissionen durch den Einsatz verfügbarer Technologien zu beseitigen, würde dies immer noch die Freisetzung einer beträchtlichen Menge an Methan zwischen 2020 und 2050 bedeuten. Damit wäre es unmöglich, die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius einzudämmen.

Dennoch könnte durch technische Maßnahmen kurzfristig und zu vergleichsweise geringen Kosten (weniger als 50 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent) eine weitere Reduktion der zukünftigen globalen Methan-Emissionen um 30 bis 50 Prozent erreicht werden, erklären die Wissenschafter. Um wirklich etwas zu bewirken, müsse gleichzeitig die Nutzung fossiler Brennstoffe schrittweise reduziert werden.

Individuelle Ansätze

Höglund-Isaksson betont, dass "es keine Einheitslösung für die ganze Welt gibt", wichtig sei vielmehr ein regionaler und sektorspezifischer Ansatz. So trage im Nahen Osten und in Afrika die Ölförderung wesentlich zu den Emissionen bei und biete ein relativ großes Potenzial für eine kostengünstige Methanreduktion. In Europa und Lateinamerika seien die Milch- und Rindfleischproduktion die Hauptquellen mit relativ begrenzten technischen Reduktionspotenzialen, während in Nordamerika die Emissionen aus der Schiefergasförderung zu geringen Kosten deutlich eingedämmt werden könnten. (red, APA, 4.3.2020)