Im Wiener Konzerthaus in Bestform: die Pianistin Martha Argerich

Foto: Adriano Heitman

Zwischendurch wacht in Sergei Rachmaninows Symphonischen Tänzen op. 45 die Inspiration auf. Es können die formidablen Wiener Symphoniker und Dirigent Lahav Shani allerdings noch so delikat den romantischen Nostalgiegarten durchwandern: Es bleibt ein seltsames Stück, dessen Oberflächenglanz nicht über eine gewisse Ideenaskese hinwegzutäuschen vermag.

Da vermittelten die – nach Prokofjews drittem Klavierkonzert – vierhändig zelebrierten Zugaben mehr Inspiration: Shani und Pianistin Martha Argerich gaben aus Maurice Ravels märchenhaftem Ma mère l’oye impressionistisch verspielt und unprätentiös die Pavane de la Belle au bois dormant und Laideronnette, impératrice des pagodes.

Die intime Werkdiktion wirkte als entschleunigender Kontrast zu den expressiven Begebenheiten, die zuvor im Klavierkonzert aufwühlend wirkten.

Was mit einer lyrischen Klarinettenmelodie ansetzt, entwickelt sich ja zur Berg- und Talfahrt des Ausdrucks zwischen Verinnerlichung und der rhythmischen Bissigkeit eines bisweilen deftigen Tanzes. Argerich schleudert Akzente gnadenlos heraus, ist aber im Konzerthaus später jederzeit Herrin eines schummrigen, abstrakten Melos wie auch sehr leicht wirkender schwerer Läufe.

Der Dialog zwischen Orchester und Solistin mündet in ein Finale, bei dem Argerich Einzelnoten und Phrasen bewusst eiskalt serviert und damit einen markanten Kontrapunkt zu einer rhythmischen Expressivität schafft, hinter der Prokofjews Modernität verschleiert lauert. Imponierende halbe Stunde, die auch Shani und Orchester zu verdanken ist. (Ljubisa Tosic,4.3.2020)