Joe Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung am Super Tuesday in Los Angeles.

Foto: AP/Mike Blake

Washington – Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten verengt sich auf ein hart umkämpftes Duell zwischen Joe Biden und Bernie Sanders. Die beiden ließen am Super Tuesday, dem wichtigsten Tag der Vorwahlen, ihre Kontrahenten weit hinter sich. Der noch vor einer Woche abgeschriebene Ex-Vizepräsident Biden legte eine überraschende Siegesserie hin: Der 77-Jährige, der für das moderate Lager steht, errang in zehn von 14 Bundesstaaten, in denen am Dienstag abgestimmt wurde, Platz eins. Darunter auch in Texas, dem nach Kalifornien bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA. Und wie am Mittwochabend bekannt wurde: Laut US-Prognosen gewann Biden auch in Maine.

Sanders blieb hinter den Erwartungen. Der Vertreter des linken Parteiflügels, der bisher die meisten Delegiertenstimmen für sich gewinnen konnte, setzte sich in nur drei Bundesstaaten durch. In dem wichtigsten, Kalifornien, liegt er in Führung.

Bloomberg scheidet aus Rennen aus

Für die anderen Bewerber verlief der Superwahltag enttäuschend. Die linke Senatorin Elizabeth Warren schaffte es nicht einmal in ihrem Heimatstaat Massachusetts, vor Biden und Sanders zu landen. Ihr Wahlkampfteam gab am Mittwoch bekannt, dass Warren ihre Kandidatur nun überdenken wolle. Der Milliardär Michael Bloomberg konnte nur im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa einen Sieg verbuchen – und das obwohl er über 500 Millionen Dollar in den Wahlkampf gesteckt hatte. Der Ex-Bürgermeister von New York (zuerst als Republikaner, anschließend Unabhängiger) stand beim Super Tuesday das erste Mal auf den Wahlzetteln. Wenige Stunden später – am Mittwoch – gab er bekannt, aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur auszusteigen. Er verkündete, fortan Biden bei den Vorwahlen zu unterstützen. Das Wichtigste sei ein Sieg über Amtsinhaber Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November, erklärte Bloomberg.

Damit verschärft sich der Kampf um die Nominierung immer mehr zum Richtungsstreit. Biden, der monatelang als Favorit gehandelt worden war, legte einen schlechten Start hin und erzielte erst bei der Vorwahl in South Carolina am vergangenen Samstag ein starkes Ergebnis. Seine Konkurrenten im moderaten Feld, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar, stiegen nach South Carolina aus. Beide gaben – wie nun auch Bloomberg – eine Empfehlung für Biden ab.

Wer Biden zum Erfolg verhalf

Biden siegte nicht nur wie erwartet in Südstaaten wie Alabama, Arkansas und Tennessee, sondern überraschend auch in Massachusetts, Maine, Minnesota und allem voran im Schlüsselstaat Texas, wo er in Umfragen zuvor zurückgelegen hatte. Geholfen haben dürfte ihm hier auch die Wahlempfehlung des texanischen Politikers Robert Francis "Beto" O'Rourke. Zum Sieg verhalfen Biden, der acht Jahre Stellvertreter des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama war, vor allem Frauen, Ältere, Schwarze, wohlhabende Vorstädter und Spätentscheider.

Der 78-jährige Sanders, der dagegen besonders bei jüngeren Wählern Euphorie auslöst, gab sich dennoch siegessicher. "Wir werden die Nominierung der Demokraten gewinnen, und wir werden den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte dieses Landes besiegen", sagte der Senator in Vermont. Sanders holte in Vermont, das er im Senat vertritt, sowie in Colorado und Utah die meisten Stimmen.

Biden am Super Tuesday.
CNN

Außerdem steuerte er in Kalifornien auf einen symbolisch wichtigen Sieg zu. Der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat hat die meisten Delegierten zu vergeben, noch steht das Ergebnis aber nicht offiziell fest. Sanders weiß hier die am schnellsten wachsende Minderheit der Latinos hinter sich. Insgesamt ging es am Dienstag um mehr als ein Drittel der 3.979 Delegiertenstimmen.

Biden betont stets, dass er der einzig wahre Demokrat im demokratischen Feld sei. Sanders tritt zwar für die Demokraten an und ist mit diesen bei seiner Arbeit im Senat stets eng verbunden, allerdings ist er parteiunabhängig und bezeichnet sich als "demokratischer Sozialist". Biden argumentiert, dass Sanders mit aus amerikanischer Sicht teils radikal linken Positionen viele Wähler verprellen und in die Arme Trumps treiben könnte. Sanders dagegen schürt Hoffnungen, dass die USA nach Trump einen echten Wandel hin zu einer gerechteren Gesellschaft einleiten. Sanders wirbt für den Ausbau der allgemeinen Krankenversicherung, für kostenlose Universitäten, für Mindestlöhne und eine Reichensteuer.

Bernie Sanders am Super Tuesday.
NBC News

Trump erklärt sich zum Sieger

Aufseiten der Republikaner hat sich Präsident Trump am Super Tuesday zum Sieger erklärt. Trump bedankte sich am Dienstagabend auf Twitter zunächst bei den Wählern in Tennessee, Massachusetts, Oklahoma, Alabama, North Carolina, Vermont und Maine. Später folgten auch Texas, Colorado, Minnesota, Arkansas, Utah und Kalifornien.

Während das Rennen um die Kandidatur der US-Demokraten noch offen ist, hat Trump in den Reihen der Republikaner keine ernstzunehmende Konkurrenz. Die Republikaner haben daher in mehreren Bundesstaaten ihre Vorwahlen abgesagt. Am Super Tuesday hielten sie aber in fast allen Bundesstaaten Vorwahlen ab, in denen auch bei den Demokraten abgestimmt wurde – abgesehen von Virginia.

Die Vorwahlen ziehen sich bis Juni hin. Auf Nominierungsparteitagen küren Demokraten und Republikaner im Sommer dann endgültig ihre Präsidentschaftskandidaten – die Demokraten im Juli in Milwaukee, die Republikaner im August in Charlotte. Die Präsidentschaftswahl in den USA steht am 3. November an. (giu, red, Reuters, 4.3.2020)