Beim steirischen Anlagenbauer Andritz liegt der Fokus auf der Restrukturierung seiner Tochter Schuler.

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Der Anlagenbauer Andritz hat ein größeres Sorgenkind, und das heißt seit einiger Zeit Schuler. Der 2013 übernommene Umformspezialist aus Baden-Württemberg leidet unter der Kaufzurückhaltung von Großkunden aus der Autobranche, die den Weg in die Zukunft noch nicht klar sehen. Das hat dazu geführt, dass das Konzernergebnis 2019 um 42,4 Prozent auf 127,8 Millionen Euro eingebrochen ist.

Laut Konzernchef Wolfgang Leitner sollten erste Erfolge der im Vorjahr eingeleiteten Restrukturierung bei Schuler an den Geschäftszahlen 2021 ablesbar sein. Der Konzernverlust der auf Großpressen für die Autoindustrie spezialisierten Tochter Schuler belief sich im Vorjahr auf 121,9 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 13,5 Millionen Euro im Jahr 2018.

700 Jobs dahin

Insgesamt verlieren an die 700 Mitarbeiter ihren Job, fast ausschließlich in Werken in Deutschland. An die 500 sind schon weg, 200 werden bis Jahresende noch folgen. Sozialpläne seien geschnürt, Rückstellungen vorgenommen worden, sagte Leitner. Mittelfristig rechnet der Andritz-Chef damit, dass sich der Automotive-Sektor wieder erholt und damit auch die Nachfrage nach Pressen, zumal auch Elektroautos nicht ohne Außenhülle auskämen.

Bei einem Rekordumsatz von 6,6 Milliarden Euro (plus 10,7 Prozent) ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2919 um 13 Prozent auf 343,2 Millionen Euro gesunken. Bereinigt um Sondereffekte steht in der Bilanz ein Plus von 9,9 Prozent auf 456 Millionen Euro. Stark gekürzt wird die Dividende: Statt 1,55 Euro gibt es für 2019 nur 0,70 Euro Gewinnbeteiligung je Aktie.

Highlight

Einen wahren Hype erlebte im Berichtszeitraum der Geschäftsbereich Pulp & Paper, der knapp 2,9 Milliarden (plus 28,5 Prozent) zum Gesamtumsatz beitrug. Hier sei Andritz "die klare Nummer eins, sowohl technologisch als auch was Marktanteile und Rentabilität betrifft", sagte Leitner bei der Bilanzpräsentation am Mittwoch. Schärfster und beinahe einziger Konkurrent der Österreicher ist in diesem Segment das finnische Unternehmen Valmet.

Im Gegensatz zu Pulp & Paper sieht Leitner im zweitgrößten Geschäftszweig von Andritz – Metals mit Schuler – anhaltend niedrige Projekt- und Investitionsaktivität.

Hydro, mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz der drittgrößte Zweig von Andritz, sei trotz allen Geredes um notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz noch nicht wieder angesprungen. "Mit Wind und Solar allein wird die Energiewende nicht gelingen, dazu bedarf es auch der Wasserkraft", so Leitner.

Stabile Aussicht

Ein starkes Lebenszeichen gab es von dem mit 700 Millionen Euro Umsatz kleinsten Geschäftsbereich Separation, der Ausrüstungen zur Fest-Flüssig-Trennung etwa bei Kläranlagen umfasst.

Für das laufende Jahr mit schwer abschätzbaren Auswirkungen durch das Coronavirus rechnet Leitner mit einem leichten Umsatzanstieg und einem stabilen Ergebnis. (Günther Strobl, 4.3.2020)