Viele hatten Joe Biden vor dem Super Tuesday bereits abgeschrieben. Dann überholte der Ex-Vizepräsident Sanders im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur.

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Washington – US-Präsident Donald Trump rechnet bei der Wahl im November nach eigenen Angaben mit Ex-Vizepräsident Joe Biden als Herausforderer der oppositionellen Demokratischen Partei. Er habe sich mental eigentlich schon auf den "Kommunisten" Bernie Sanders (78) eingestellt, sagte der 73-jährige Republikaner am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer "Town Hall"-Veranstaltung des Senders Fox News in Scranton im US-Staat Pennsylvania.

Nun sehe es aber danach aus, als ob der "schläfrige Joe" Biden (77) das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten machen würde. "Und ich sage nur: Wie ist das passiert?", spottete der Präsident.

Fragen von Moderatoren und Wählern

Trump stellte sich in Scranton Fragen von Moderatoren und Wählern. Auf eine Frage nach der Spaltung des Landes – die Kritiker Trump und seiner hitzigen Rhetorik anlasten – sagte der Präsident: "Es gibt eine Spaltung, das steht außer Frage. Politiker müssen in der Lage sein, zivilisiert zu sein. Wenn sie es nicht sind, muss man sich wehren." Der Republikaner warf den "radikalen linken Demokraten" vor, die Spaltung verursacht zu haben. Trump sagte aber auch: "Ich denke, dass das Land viel vereinter ist, als die Menschen denken."

Trump stellte sich bei seiner ersten "Town Hall"-Veranstaltung im Wahlkampf 2020 Fragen von Moderatoren und Wählern. Noch ist nicht entschieden, welcher Demokrat den Republikaner Trump bei der Präsidentschaftswahl am 3. November herausfordern wird.

Joe Biden sieht in Trump den Spalter.

Kein Gespräch mit Obama

Mit seinem Vorgänger Barack Obama, unter dem Joe Biden Vizepräsident war, habe Trump nach seiner Amtseinführung vor mehr als drei Jahren kein einziges inhaltliches Gespräch geführt. Nach seinem Treffen mit Obama im Weißen Haus in Folge seines Wahlsiegs im November 2016 habe es kein solches Gespräch mehr gegeben. Die Zusammenkunft damals sei "im Wesentlichen unser einziges Treffen" gewesen, sagte Trump. "Und es hat mir gereicht."

Trump sagte, er habe Obama noch ein einziges Mal bei der Beerdigung des früheren US-Präsidenten George H. W. Bush Ende 2018 gesprochen – und das nur kurz. "Ich war bei der Beerdigung von Präsident Bush, saß neben ihm und sagte "Hallo", und dann sagte ich "Tschüss", das war's dann so ungefähr." Trump fügte mit Blick auf Obama hinzu: "Ich mochte seine Arbeit nicht. Ich mochte die Arbeit nicht, die er und Biden gemacht haben." Trump stellte sich bei der "Town Hall"-Veranstaltung Fragen von Moderatoren und Wählern.

Biden in Vorwahlen voran

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten liegt seit den Vorwahlen am "Super Tuesday" Ex-Vizepräsident Biden vor Sanders. Biden war bei den Vorwahlen am Dienstag ein unverhofftes Comeback gelungen. Der moderate Kandidat gewann in zehn von 14 US-Staaten und hat mehr Delegiertenstimmen sammel können als Sanders.

Bernie Sanders ist der einzige verbliebene Konkurrent für Biden, der Chancen auf eine Kandidatur für die Demokraten hat.
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Sein einzig ernst zu nehmender Konkurrent ist nun Sanders, der sich als einen demokratischen Sozialisten bezeichnet. Allerdings liegt Biden auch in einer jüngsten Umfrage wieder obenauf. Demnach würden 55 Prozent der Befragten Biden im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur unterstützen.

Trump trat in Bidens Gebrutsort auf

Trump trat am Donnerstagabend in Scranton auf – dem Geburtsort Bidens. Pennsylvania ist ein sogenannter Swing State, der weder den Demokraten noch den Republikanern klar zuzuordnen ist. Diese US-Staaten können bei einem knappen Rennen bei der Präsidentschaftswahl ausschlaggebend werden. Trump hatte Pennsylvania bei der Wahl 2016 mit einem Vorsprung von nur etwas mehr als 44.000 der insgesamt rund sechs Millionen Stimmen vor seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton gewonnen. (APA, dpa, 6.3.2020)