Heiteres und Tiefsinniges mit Albert Wieder, Leonard Paul und Thomas Gansch (v. li)

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Eines der nachdenklichen Stücke des Bläsertrios Wieder, Gansch & Paul ist Where Is Ahmad? Die im stilisiert barocken Duktus gehaltene friedvolle Ballade wirkt wie das schwermütige Zweitgesicht einer Humorcombo. Verwunderung ob der Stimmungslage breitet sich allerdings nur aus, wenn Thomas Gansch als eine Art Jazzkabarettist missdeutet wird, der mit seiner anderen Band, Mnozil Brass, natürlich auch Lachmuskeln steppen lässt.

Gansch gibt jedoch zu bedenken: "Man spricht mir gerne das Ernste ab, übersieht aber, dass der Humor eine Waffe gegen Alltagslast ist. Die Melancholie kann man ganz gut in meinem Flügelhorn hören, denke ich. Um im Innersten zu berühren, muss man schon alle Gefühle beim Spielen reinlegen – nur lustig wäre ja fad!" Wenn er mit Tubist Albert Wieder und Posaunist Leonard Paul im Konzerthaus Ménage à trois präsentiert (9.3), dürften dennoch keine Tränen fließen. Schließlich covert man auch Stücke von George Michael (Faith) oder Stevie Wonder (Isn’t She Lovely).

In irgendwelchen Hotels

Die neue Formation und die für den Amadeus Awardnominierte CD entstanden ja per schönem Encore-Zufall. Zu dritt habe man bei Tourneen Zugaben gespielt, "wodurch sich tolle Arrangements ansammelten, die wir immer in irgendwelchen Hotels und Backstagebereichen ausgeheckt hatten", so Gansch, der seine Herkunft aus der "traditionellen Blasmusik" hervorhebt. Die sogenannte Kunstmusik "habe ich erst beim Studieren kennengelernt".

Die faszinierte auch. "Gleichzeitig zog es mich ins Wirtshaus zur Volksmusik und in den Keller zum Jazz." Die Kommunikation mit dem Publikum sei dort am stärksten, "man ist nah dran. Der Abstand des Künstlers auf der Bühne zum Bildungsbürger in der ersten Reihe ist größer als jener in so manchem Jazzclub. Insofern bin ich stolzer Musikprolet!"

Lob für Marsalis

Einer, der aber vom Trompeter Wynton Marsalis auf die Konzerthausbühne gebeten wurde, unlängst, zum dritten Mal: "Er ist als Inspirationsquelle seit 35 Jahren wichtig für mich! Ich bewundere, was er für die Musik leistet und respektiere, dass er seine Sichtweise hat." Aber eines müsse auch mal gesagt sein: "Jazzmusiker ist kein Beruf, der einen entspannten Lebensstil ermöglicht. Die Tatsache, dass Marsalis für Musik Tag und Nacht alles gibt und einem Riesenhaufen Musikern gut bezahlte Arbeit gibt, lässt mich seinen Konservativismus eher in positivem Licht sehen!"

Abgesehen davon sei Marsalis "total geradeaus, nimmt sich für alle Zeit, macht mit jedem ein Selfie, der zu ihm kommt." Diese Relaxtheit hätte der St. Pöltener Trompeter auch gerne – "das können Sie mir glauben!" (Ljubiša Tošic, 5.3.2020)