Papst Franziskus hustet, hat aber nur eine Erkältung.

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Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das Coronavirus auch den Vatikan erreicht: Die Mauern um den nur 44 Hektar großen Kirchenstaat sind zwar sprichwörtlich hoch und dick, aber jeden Tag gehen tausende Angestellte und Besucher ein und aus. Am Donnerstagabend wurde auch im kleinsten Staat der Welt die erste Person positiv getestet. Es handle sich um einen Patienten der Krankenstation, ließ Matteo Bruni, der Direktor des vatikanischen Presseamts, am Freitag verlauten. Konkrete Angaben wurden nicht gemacht. Es war auch unklar, ob es sich um einen der 605 Einwohner des Staats handelt oder um einen "Externen".

Als Sofortmaßnahme wurden die medizinischen Ambulatorien vorübergehend geschlossen, um sie zu desinfizieren. Geöffnet blieb nur die kleine Notfallstation. Die Verantwortlichen versuchen abzuklären, mit welchen Personen der Patient in Kontakt gekommen ist. Gleichzeitig hat die vatikanische Sanitäts- und Hygienedirektion den bereits zuvor beschlossenen Maßnahmenkatalog gegen die Verbreitung des Virus angepasst. Die darin enthaltenen Vorschriften und Verhaltensregeln für alle Vatikanmitarbeiter entsprechen im Wesentlichen denjenigen des italienischen Staats, von dem der Vatikan umgeben ist.

Leere Weihwasserbecken

Unter anderem hat auch die Päpstliche Universität Greoriana ihren Lehrbetrieb einstweilen eingestellt. Auch das vatikanische Heilig-Kreuz-Gymnasium und der Campus des Opus Dei sind nun geschlossen. Einige von den Kurienbehörden ausgerichtete Konferenzen sind vom Mai auf den Herbst verschoben worden. Und im Petersdom und in der Santa-Anna-Kirche des Vatikans wurden die Weihwasserbecken geleert. Auf das Friedenszeichen nach der Messe – also das Händeschütteln mit den Sitznachbarn – wird ebenfalls verzichtet.

Außerdem wird die vorübergehende Aussetzung der Generalaudienzen erwogen, an denen der Papst jeden Mittwoch zehntausende Gläubige, Pilger und Besucher auf dem Petersplatz empfängt. Laut Berichten könnte das ebenso traditionelle sonntägliche Angelus-Gebet des Papstes vom Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast per Video übertragen werden.

Angst um Päpste

Die größte Aufmerksamkeit der Gesundheitsbehörden in der Kurie gilt naturgemäß dem 83-jährigen Papst Franziskus und seinem 92-jährigen Vorgänger Benedikt XVI., für die aufgrund ihres Alters eine erhöhte Gefahr durch das Virus ausgeht. Um einer Ansteckung vorzubeugen, werden die Kontakte der beiden Päpste mit Besuchern auf das Minimum beschränkt. Im Fall von Franziskus wurde dies durch eine Erkältung erleichtert, die den sonst so kontaktfreudigen südamerikanischen Pontifex in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt hat: In den vergangenen Tagen verbrachte er die meiste Zeit abgeschirmt in seiner Wohnung im Pilgerheim Santa Marta. Die Genesung des Papstes gehe laut Sprecher "positiv voran"; er habe keine Symptome einer anderen Krankheit. (Dominik Straub aus Rom, 6.3.2020)