Fußballspiele der italienischen Serie A werden zurzeit wegen des Coronavirus vor leeren Rängen abgehalten.

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Der Fußball, so heißt es, ist die wichtigste Nebensache der Welt; mit Betonung auf "Nebensache", wie es diese Tage so anschaulich machen, da multiple Krisen die Hauptsachen so heftig durcheinanderwirbeln. Das Virus macht auch vor den Nebensachen nicht halt: Die Schweiz hat ihren Spielbetrieb unterbrochen, England den obligaten Handshake vor Spielbeginn untersagt, Italien wickelt seine Spiele überhaupt als Geisterspiele ab.

Und das alles – fürchten viele – ist erst der Anfang. Gabriele Gravina, der Chef des italienischen Fußballverbandes, dachte auch schon über den Abbruch der Serie A nach, nachdem einige Spiele schon auf Mai verschoben worden waren.

Auch Österreichs Gesundheitsminister, der Oberösterreicher Rudolf Anschober, wird sich demnächst wohl der Frage stellen müssen, wie mit den Zusammenrottungen in Sachen Nebensache umzugehen sein wird. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem mit dem LASK dem Salzburger Abonnement-Meister endlich ein ordentlicher Widerpart erwachsen ist, der auch im Europacup eine außerordentlich gute Figur gemacht hat.

Saisonschlamassel

Die Meisterschaft der obersten Liga – in Österreich heißt die Serie A "tipico Bundesliga" – ist in der Halbzeit angekommen. Nun wird die Konkurrenz geteilt, der LASK geht als Führender in den Meisterdurchgang. Die Halbierung der bis jetzt erspielten Punkte erhöht die Spannung; die Spannung, so jedenfalls der Plan, die Zuschauerzahl. Und damit, leider, auch das Problem.

Selbst in der Abstiegsgruppe, welche die Euphemisten der Bundesliga "Qualifikationsrunde" nennen, weil der Gewinner – der Ligasiebente also – noch Chancen auf den Europacup hat. Die Wiener Austria sitzt auf der obersten Kellerstiege. Sie hat also durchaus die Chance, sich noch an den eigenen Haaren aus dem selbstverschuldeten Saisonschlamassel zu ziehen. Es sei denn.

Jan Zwischenbrugger, Verteidiger des SCR Altach, sitzt als Verdachtsfall schon in Quarantäne. Andreas Herzog und Willi Ruttensteiner tun das im strengen Israel auch. Die beiden sollen Israels Team im Playoff doch noch zur EM führen. Am 26. März steht diesbezüglich die Auswärtspartie in Schottland auf dem Plan. Shon Weissman vom Wolfsberger AC wird dazu wohl direkt oder gar nicht anreisen. Im Juni soll dann – mit hoffnungsstarker österreichischer Beteiligung – die paneuropäische EM über die Bühne gehen. Es sei denn.

(Wolfgang Weisgram, 9.3.2020)