Indian Wells (Kalifornien) – Das neuartige Coronavirus hat erstmals zur Absage einer großen Sportveranstaltung in den USA geführt und Tennis-Fans und -Spielern eines der beliebtesten Turniere genommen. Wegen eines bestätigten Covid-19-Falls in der Region findet das für die kommenden beiden Wochen geplante kombinierte Damen- und Herren-Turnier im amerikanischen Indian Wells nicht statt.

Das gaben die Veranstalter um Turnierdirektor Tommy Haas am Sonntagabend (Ortszeit) bekannt. Am Montag hätte die Qualifikation begonnen. "Wir sind sehr enttäuscht, dass das Turnier nicht stattfinden wird, aber die Gesundheit und Sicherheit der Leute vor Ort, Fans, Spielern, Helfern, Angestellten, Verkäufern und allen, die an dieser Veranstaltung beteiligt sind, ist von größter Bedeutung", sagte Haas laut Mitteilung. "Wir sind darauf vorbereitet, das Turnier zu einem anderen Zeitpunkt zu veranstalten und prüfen Optionen."

Rund 200 Kilometer östlich von Los Angeles hätten am Mittwoch bei den Damen und am Donnerstag bei den Herren die erste Runde beginnen sollen. Erwartet wurden in den knapp zwei Wochen mehr als 450.000 Zuschauer. Betroffen von der Absage ist neben Rafael Nadal, Novak Djokovic, Serena Williams und Naomi Osaka auch Österreichs Tennis-Star und Titelverteidiger Dominic Thiem, aktuell die Nummer drei auf der Welt. Es ist die erste Absage in der Geschichte des Turniers.

Einer macht das Licht aus.
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Auslöser für die Absage war ein bestätigter Covid-19-Fall im Riverside County und der daraufhin ausgerufene Gesundheitsnotstand des zuständigen Gesundheitsamtes. Details zur erkrankten Person gab es keine.

Vielmehr als die Suche nach einem Ersatztermin stand bei der ATP am Montag ohnehin die Frage im Fokus, ob mit dem Turnier ebenso für Damen und Herren ab Ende März in Miami wenigstens der nächste Top-Event im Programm bleibt. "Bis Donnerstag muss eine Entscheidung fallen", erklärte Herwig Straka in der Funktion als Mitglied des ATP-Board of Directors.

"Für die ATP hat es so etwas noch nicht gegeben", sagte der Steirer. Am (heutigen) Montagnachmittag (MEZ), wenn auch in den Staaten der Tag angebrochen war, sollte weiter diskutiert werden. Gleichzeitig wurden in Kasachstan und Südafrika wie geplant Challenger gespielt. Klar war jedenfalls eines: "Eine Verschiebung unter den jetzigen Gesichtspunkten ist nicht möglich. Wir sehen keine Chance für eine Verschiebung."

Vorschläge und die Punkte-Frage

Ein Vorschlag von Straka und Kollegen wäre gewesen, den Event ohne Zuschauer durchzuführen. Die Spieler seien alle schon vor Ort. Die Idee wurde aber nicht aufgegriffen. Der Funktionär räumte diesbezüglich allerdings auch ein, dass das im Endeffekt langfristig über andere Turniere hinaus keine Lösung sei. Straka vertritt darüber hinaus auch die Meinung, dass man nun nicht in Panik verfallen solle.

Bezüglich der ATP-Punkte von Indian Wells 2019 könnte außer der sofortigen Streichung eine Variante sein, dass diese bis zur Austragung 2021 stehenbleiben. Thiem würde dann die 1.000 Zähler für seinen Vorjahreserfolg bis März 2021 mitführen. Sollten die Punkte im nächsten Ranking hinausfallen, bliebe Thiem weiter 15 Zähler vor Federer Dritter. Der Rückstand auf Novak Djokovic und Rafael Nadal wäre aber vergrößert.

NBA beobachtet die Entwicklung

Insbesondere die NBA beobachtet die Entwicklung der Epidemie genau und hat die Clubs bereits aufgefordert, sich darauf vorzubereiten, womöglich vor leeren Rängen zu spielen. Spielabsagen stehen fünf Wochen vor dem Ende der Hauptrunde noch nicht zur Debatte. In der MLB soll in einer Telefonkonferenz der Teambesitzer am Montag erstmals vor dem Saisonstart in zweieinhalb Wochen über mögliche Maßnahmen gesprochen werden.

Weltweit sind inzwischen mehr als 100.000 Infektionen und rund 3.500 Todesfälle registriert. (APA, 9.3.2020)