Die OMV plant unter ihrem Vorstandschef Rainer Seele den größten Deal ihrer Unternehmensgeschichte.

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Wien – Der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern OMV hat Freitagabend nach der Veröffentlichung eines entsprechenden Berichts des STANDARD bestätigt, dass er seine Anteile an der Borealis AG aufstocken wolle. Das Unternehmen verhandle mit dem Mehrheitseigner des Kunststofferzeugers, Mubadala aus Abu Dhabi. Es gehe um den Erwerb eines zusätzlichen Anteils von 39 Prozent für einen Kaufpreis von 4,68 Milliarden Dollar, schrieb die börsennotierte OMV in einer Ad-hoc-Mitteilung. Das wären umgerechnet rund 4,1 Mrd. Euro. Sollte der Deal zustande kommen, würde die Beteiligung der OMV am Petrochemiekonzern auf 75 Prozent steigen, die von Mubadala auf 25 Prozent sinken.

Begründet wurde das Vorhaben damit, dass man "die Wertschöpfungskette der OMV im petrochemischen Bereich erweitern" und die OMV die Ergebnisse der Borealis vollständig in ihrem Jahresabschluss konsolidieren könnte. Das geht derzeit nicht.

Entscheidung "so bald wie möglich"

In der Ad-hoc-Mitteilung erklären die OMV-Verantwortlichen auch, wovon die "potenzielle Transaktion" u. a. noch abhänge. Demnach müsse man sich mit den Partnern aus Abu Dhabi (sind zu 24,9 Prozent an der OMV beteiligt) noch auf die "kommerziellen Transaktionsparameter" einigen, auf Aktienkaufvertrag und Gesellschaftervereinbarung. Zudem müssten behördliche Genehmigungen eingeholt werden. Auch habe sich der Aufsichtsrat der OMV "noch nicht abschließend" mit der potenziellen Transaktion befasst und darüber entschieden. Man erwarte aber, dass diese Entscheidung "so bald wie möglich getroffen" werde.

Das könnte auch schon diese Woche der Fall sein. Laut Informationen des STANDARD könnte der OMV-Aufsichtsrat seine Entscheidung am Mittwoch treffen. Das Thema Borealis-Zukauf steht jedenfalls auf der Tagesordnung. Allerdings könnte der jüngste Absturz des Ölpreises um fast ein Drittel völlig neue Entscheidungsgrundlagen schaffen.

OMV-Aufsichtsrat am Wort

Zudem gab es im Kontrollgremium bis zuletzt Skepsis in Bezug auf den geplanten Deal, die sich wie berichtet nicht zuletzt auf geplante Deinvestitionen bezieht. Dem Vernehmen nach will sich die OMV im Gegenzug nämlich von Geschäftsbereichen trennen. Etwa im Explorations- und Produktionsbereich – zur Debatte steht angeblich auch ein Verkauf der Gaspipeline-Tochtergesellschaft Gas Connect Austria (GCA), und gerüchtehalber könnte auch das Tankstellennetz zur Disposition stehen.

Davon ist in der Ad-hoc-Mitteilung aber nicht die Rede. Der Deal wäre der größte in der Geschichte der OMV. (Renate Graber, 9.3.2020)