Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden mit seiner Frau Jill.

Foto: REUTERS / BRENDAN MCDERMID

Wegen des Coronavirus gab es keine Wahlparty, aber ein Statement vor der Presse.

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Eigentlich, so erklärte Joe Biden am Mittwochmorgen, habe er eine große Siegesfeier in Cleveland geplant, doch der zuständige Gouverneur von Ohio habe aufgrund des Coronavirus alle Großveranstaltungen abgesagt. So blieb es vor allem Pressevertretern und einer Handvoll Anhängern des ehemaligen Vizepräsidenten vorbehalten, die Dankesworte des Siegers der heutigen Nacht zu hören: "Wir haben ein gemeinsames Ziel. Zusammen werden wir Donald Trump besiegen", sagte der 77-Jährige. Und: "Wir werden diese Nation zusammenbringen."

So wie auch schon am Super Tuesday vor einer Woche gelang Biden auch an diesem Dienstag ein veritabler Durchmarsch. In Mississippi, Idaho, Missouri, vor allem aber in dem an Delegiertenstimmen reichen Bundesstaat Michigan konnte sich der Mitte-Politiker klar gegen seinen linksgerichteten Konkurrenten Bernie Sanders durchsetzen. 2016 hatte dieser in dem Industriestaat noch überraschend gegen die spätere Kandidatin Hillary Clinton gewonnen.

Aus den kleineren Bundesstaaten North Dakota und Washington standen eindeutige Ergebnisse zunächst noch aus. In beiden Staaten liegt Sanders zwischenzeitlich vorne, in North Dakota klar, in Washington knapp.

Vorteile für Biden

Im Rennen um die Delegierten, die beim Parteitag im Juni offiziell den Widersacher des republikanischen Amtsinhabers Donald Trump zu küren haben, steht es vorerst 779 zu 639 für Joe Biden, 1.991 Stimmen sind für eine Nominierung notwendig. Am Dienstagabend erklärte der im Februar ausgeschiedene Kandidat Andrew Yang seine Unterstützung für Biden. Auch der einflussreiche Super-PAC "Priorities USA", der erst Barack Obama und später Clinton unterstützt hatte, stellte sich hinter ihn. Zuvor hatten schon die aus dem Rennen ausgeschiedenen Kandidaten Michael Bloomberg, Pete Buttigieg und Amy Klobuchar dem früheren "VP" ihre Solidarität ausgesprochen.

Sanders, der eine so heftige Niederlage erlitten hatte, sagte seinen Auftritt in Cleveland am Mittwoch wegen des Coronavirus ab – und reiste zurück in seinen Heimatbundesstaat Vermont. Die linksgerichtete Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, eine der prominentesten Unterstützerinnen Sanders', sprach von einer "harten Nacht", an deren Ergebnis es wenig zu beschönigen gebe.

Am Wahltag hatte sich Biden noch mit einem Arbeiter über Waffenpolitik gestritten.
Guardian News

Biden, der Gewinner des Abends, dankte in seiner Rede in Philadelphia den Anhängern seines Konkurrenten für ihre Energie und ihr Herzblut. Nun gelte es aber, Amerika zu vereinen, um zu gewinnen.

Corona überschattet Wahlkampf

Der zunehmend kritischen Lage bezüglich des Coronavirus fällt aber nicht nur Bidens Siegesrede heute zum Opfer, sondern überschattet zunehmend auch seinen Wahlkampf in Florida. In dem bedeutenden Staat an der Ostküste der USA wird in einer Woche gewählt, anstatt sich dort wie geplant unter die Leute zu mischen, will Biden in seiner Heimatstadt Wilmington im Bundesstaat Delaware über die Gefahren des neuen Virus sprechen. Im Sunshine State gilt Biden als klarer Favorit.

Nachwahlbefragungen vom Dienstag legen nahe, dass viele Wähler dem ehemaligen Vizepräsidenten eher einen professionellen Umgang mit der Gesundheitskrise zutrauen als Bernie Sanders. Am 15. März sollen die beiden verbliebenen demokratischen Kandidaten in einer Eins-gegen-Eins-Fernsehdebatte gegeneinander antreten. Für Bernie Sanders könnte dies schon die letzte Chance sein, Biden herauszufordern. Das Coronavirus dürfte auch dort Thema sein. (flon, 11.3.2020)