Es geht Schlag auf Schlag. Die Hotellerie in Europa stöhnt unter einer enormen Absageflut. Airlines streichen hunderte Flugverbindungen weltweit und schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Absage tausender Events in Europa trifft Gastronomen, Veranstalter und die Kulturszene. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens wird erst in Monaten feststehen. Im besten Fall wird es ein kurzfristiger Absturz, auf den die Erholung folgt.

Inmitten der vielen frustrierenden Meldungen gibt es aber auch beruhigende Nachrichten. Die Banken sind dank der strenger Vorgaben, die nach der Wirtschaftskrise ausgegeben wurden, heute besser kapitalisiert als vor zehn Jahren und sollten deutlich widerstandsfähiger sein.

Auch in Venedig ist der Tourismus zum Erliegen gekommen.
Foto: REUTERS/Manuel Silvestri

Ein Glück ist, dass der wichtigste Schutzmechanismus für die Eurozone noch aktiviert ist: die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB hat spät, dafür aber umso aggressiver die Zinsen gesenkt. Dadurch kommen Banken und Unternehmen bis heute extrem günstig an Kredite. Das wird viele Betriebe, denen über Nacht die Einnahmen weggebrochen sind, durch die kommenden Wochen und Monate tragen. Würde die EZB die Geldschleusen erst jetzt öffnen, dauerte es Wochen, bis die Hilfen ankommen. Das wäre für die Wirtschaft fatal.

Dank der EZB dürfte sich auch keine neue Eurokrise entwickeln. Mit Italien hat das Virus zwar das größte Sorgenkind der Eurozone voll getroffen: Die Konjunktur bricht ein, und das bei extrem hohen Staatsschulden. Doch die Zinsen, zu denen sich Rom verschuldet, sind dank EZB extrem niedrig. Hätte die Zentralbank ihre Politik bereits geändert, wäre Italien in den kommenden Monaten möglicherweise aus dem Euro geflogen: Ein Anstieg der Zinsen um einen Prozentpunkt kostet Rom allein im ersten Jahr rund fünf Milliarden Euro. Würden die Zinsen so stark steigen wie vor der Intervention der Euro-Zentralbank, wären das allein im ersten Jahr an die 30 Milliarden Euro an Mehrkosten. Italien bliebe dann nur die Flucht in die Lira – und der Eurozone das Chaos.

Gut, dass es nicht so kommt. Dass just aus Österreich wilde Attacken gegen die EZB geritten wurden, sei nicht unerwähnt. Nationalbankgouverneur Robert Holzmann kritisierte die Strategie seiner Frankfurter Kollegen als falsch. Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) geißelte Niedrigzinsen als Katastrophe für Sparer und Wirtschaft.

Diese Kommentare klingen wie aus einer anderen Zeit. (András Szigetvari, 12.3.2020)