Teilen Sie Ihre Streamingkonten?

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Die günstigsten Abos für Netflix, Spotify und Co bekommt man im Schnitt um acht bis zehn Euro pro Monat. Was aber nicht heißt, dass ein großer Teil der Nutzerschaft tatsächlich so viel ausgibt. Stichwort: Passwortsharing. User teilen ihre Konten mit ihren Freunden, ihrer Familie oder ihrem Partner. Andere tun es mit Freunden von Freunden – und weitere Nutzer verwenden sogar das Konto der Mutter des ehemaligen Schulkollegen, weil sie sich nie ausgeloggt haben: Die Bandbreite ist groß, die ungeschriebenen Regeln beim Teilen sind nicht eindeutig. Muss man eng befreundet sein, um sich ein Konto auszuborgen? Wie lang darf ein Ex-Partner weiter mitschauen? Wann darf man aus einer Gruppe aussteigen, die sich miteinander die Kosten teilt, und muss man einen Ersatz finden?

Der "Guardian" zitiert mehrere Nutzer, die von ihren Erfahrungen berichten – beispielsweise ein Mann, der erzählt, dass die Mutter einer ehemaligen Liebschaft weiterhin auf der Verwendung besteht, da es nicht ihre Schuld sei, dass sich die beiden getrennt haben. Eine Frau erzählt, dass sie immer noch das Konto ihres Ex-Ehemanns nutze.

Schwierig in Zahlen zu fassen

Passwortteilen ist ein Phänomen, das schwierig in Zahlen zu fassen ist: Das Marktforschungsunternehmen Parks Associates vermutet, dass den Streaminganbietern durch das Passwortteilen Einnahmen von bis zu 500 Millionen Dollar entgehen. Dabei ist allerdings offen, wie viele Nutzer ohne ein geteiltes Konto tatsächlich ein eigenes Abo abschließen würden.

Eine Umfrage des Marktforschers Magid fand im Jahr 2018 heraus, dass immerhin 42 Prozent der Personen, die der Generation Z zuzurechnen sind, ihre Konten bei Streamingdiensten teilen. Millennials tun das zu 35 Prozent, bei der Generation X sind es 19, bei den Babyboomerm nur 13 Prozent. Das könnte damit zu tun haben, dass jüngere Generationen mit Filesharing, kostenlosem Streaming und einem leichten Zugang zu Piraterie aufgewachsen sind – oder aber damit, dass jüngere Personen tendenziell weniger Geld verdienen.

Die meisten Anbieter verbieten es, ...

Aber darf man das überhaupt? Die Antwort lautet in den meisten Fällen wohl: nein. Bei Netflix ist es zwar möglich, Abovarianten abzuschließen, die die gleichzeitige Verwendung auf mehreren Geräten ermöglichen. Somit können mehrere User daran teilhaben, "untervermieten" ist aber jedenfalls verboten. Zudem müssen die Mitglieder eigentlich im selben Haushalt wohnen, was oft nicht der Fall sein dürfte.

Amazon Prime erlaubt nur, die Versandvorteile mit bis zu fünf Familienmitgliedern zu teilen, wobei das für Accounts, die nach 2017 erstellt wurden, nicht mehr möglich ist, eine parallele Nutzung des Streamingangebots ist nicht vorgesehen. Bei Apple Music müssen Nutzer lediglich aus demselben Land stammen. Spotify verlangt bei seinem Family-Angebot, dass die Nutzer dieselbe Postanschrift haben. Das Unternehmen kündigte vergangenes Jahr an, Adressabfragen durchzuführen, um das zu gewährleisten.

... gegen Account-Sharing wird aber kaum vorgegangen

Doch obwohl die Nutzungsbedingungen es verbieten, so richtig dagegen vorgegangen wird nicht. Das könnte auch damit zu tun haben, dass die Unternehmen darauf abzielen, so stark zu wachsen wie möglich – das ist bei dem großen Konkurrenzdruck wenig verwunderlich. Mit dem Start von Disney+ und Apples Streamingdienst ist der Markt für Netflix und Co noch einmal ein Stück umkämpfter geworden. (muz, 12.3.2020)