Noch vor wenigen Tagen war der SUV neben der Flug- und der Kreuzfahrtreise eines der größten Feindbilder der Gesellschaft – Rad und Öffis waren die einzigen Möglichkeiten, den Planeten zu retten. Auch infolge dessen gingen heuer die Neuwagenverkäufe in Österreich um zehn Prozent zurück.

In Fernost und auch in München machte man bereist Corona-Tests in einer Art Drive-in-Abfertigung.
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Jetzt, wo die Corona-Krise bei uns angekommen ist, wandelte sich der Blick auf unsere Mobilität noch einmal. Öffentliche Verkehrsmittel werden aus Angst vor einer Ansteckung gemieden, Züge fahren nur mehr bis zur Grenze, das Flugzeug ist kaum noch ein Thema, weil dessen Verkehr stark eingeschränkt wurde, und Kreuzfahrtschiffe haben spätestens an dem Tag ihren Reiz verloren, als das erste von ihnen unter Quarantäne gestellt wurde. Auch mit Autos ist man weniger unterwegs. Sogar das große Chaos ob der neuen Baustelle auf der Südosttangente blieb aus.

Hamstern mit dem SUV

Nicht aber die Dummheiten. Denn die dicken SUVs standen in den letzten Tagen nur deswegen nicht im Stau, weil sie auf den Parkplätzen der Supermärkte bis zum Rand mit Klopapier, Nudeln und Fertiggerichten vollgeladen wurden. Hamsterkäufe lassen sich mit Öffis und Waffenrad eben nur schwer erledigen.

Was der Klimawandel und der drohende kollektive Untergang nicht geschafft haben, schafft die Angst ums eigene Leben: Unser Mobilitätsbedürfnis wurde in den vergangenen Tagen stark eingeschränkt. Und das, obwohl Sprit gerade so billig ist wie schon lange nicht mehr. Was sich in dieser Krise aber auch zeigt: Wenn wir einen Weg zu erledigen haben, dann legen wir diesen am liebsten mit dem Auto zurück – abgeschottet und sicher vor der Außenwelt.

Schnelltests für ein ähnliches Drive-in-Szenario in Österreich werden laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober gerade auf ihre Tauglichkeit überprüft.
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In Fernost und auch schon in München kommt Autos sogar eine ganz neue Rolle zu. Sie helfen, das strapazierte Gesundheitssystem zu entlasten. Wie in einem Drive-in eines Fastfoodrestaurants fahren dort Menschen zu Coronavirus-Tests vor. Die Personen, die fürchten, sich infiziert zu haben, bleiben im Auto sitzen und öffnen lediglich das Fenster, damit das Gesundheitspersonal Fieber messen und Abstriche machen kann. Schnelltests, die sich hierfür besonders eignen könnten, werden in Österreich gerade auf ihre Tauglichkeit geprüft und könnten bald kommen.

Nach Corona ...

Am Ende zeigt sich, dass das Auto doch ein Segen sein kann – ähnlich wie die gerade erst verteufelten Smartphones, die als Killer zwischenmenschlicher Beziehungen galten, uns nun doch ein soziales Leben ohne Infektionsgefahr erlauben. Nur die übergebührliche Nutzung gehört auch nach Corona überdacht. Beim Auto und beim Smartphone. (Guido Gluschitsch, 15.3.2020)