Dass dieser Pokal heuer vergeben wird, ist äußerst unwahrscheinlich.

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Am Dienstagnachmittag, nach einer Telefonkonferenz mit den 55 Mitgliedsverbänden, wird die europäische Fußballunion Uefa die EM absagen. Sie hätte von 12. Juni an in zwölf Ländern stattfinden sollen. Bernhard Neuhold, der Geschäftsführer des österreichischen Fußballbundes ÖFB, möchte dieser Entscheidung natürlich nicht vorgreifen, "aber sie ist alternativlos. Wir sind Passagiere, nicht die Piloten. Es gibt momentan Wichtigeres als Fußball."

In diesen dramatischen Tagen und Wochen solle man sich auch nicht mit wirtschaftlichen Folgen beschäftigen. "Die sind sekundär, es geht jetzt ausschließlich um Gesundheit und Solidarität." Ihm, Neuhold, sei vor allem der "kleine" Fußball ein Anliegen. "Unsere Kinder können nicht spielen, es herrscht Stillstand. Irgendwann werden wir erkennen, welchen hohen gesellschaftlichen Stellenwert Fußball hat."

Die Euro-Verschiebung ist nicht das einzige Thema auf dem Tapet der Uefa-Konferenzen, auch über das Vorgehen im Fall von Liga-Abbrüchen wird beraten. Die Fakten zum Dienstag in der Übersicht:

DIE ENTSCHEIDER: Geplant sind mehrere Telefonkonferenzen. An der Elefantenrunde sollen Vertreter der 55 UEFA-Mitgliedsverbände sowie die Führungsriegen der Club-Vereinigung ECA, des Ligen-Interessenverbundes European Leagues und der Spielergewerkschaft FIFPro teilnehmen. "Die Diskussionen umfassen alle nationalen und europäischen Wettbewerbe, einschließlich der EM 2020", teilte die Uefa mit. Für den ÖFB nehmen Präsident Leo Windtner, Geschäftsführer Bernhard Neuhold und Generalsekretär Thomas Hollerer teil.

DIE HINTERGRÜNDE: Ein EM-Eröffnungsspiel in Rom in weniger als drei Monaten ist nicht vorstellbar. Italien ist abgeriegelt, an Fußball derzeit in kaum einem europäischen Land zu denken. Im Grunde gibt es – von der kompletten Absage des Turniers abgesehen – zwei Szenarien, die aber jeweils weitere Probleme mit sich bringen.

DIE WINTER-EM: Diskutiert wird laut übereinstimmenden Medienberichten über die Verlegung des Turniers in den kommenden Herbst/Winter. Die Endrunde würde dann fast genau zwei Jahre vor der WM 2022 in Katar ausgetragen werden. Dafür müssten aber fast alle europäischen Ligen ihren bereits festgezurrten Zeitplan für die Saison 2020/21 ändern und die Spielzeit für die EM unterbrechen. Noch komplizierter ist das momentan, weil niemand mit Sicherheit sagen kann, ab wann und wie wieder regulär gespielt werden kann. Für die Katar-WM muss der Fußball-Kalender aber ohnehin umgeschmissen werden, auch wenn eine weniger abrupte Umstellung geplant war.

DIE SOMMER-EM: Logisch erscheint die Verlegung ins kommende Jahr. Alle Teilnehmer und Gastgeber hätten ähnliche Voraussetzungen wie es sie in diesem Sommer gegeben hätte. Nur würde die EM mit der neuen Club-WM des Weltverbandes Fifa kollidieren, die im Sommer 2021 in China ihre Premiere feiern soll. Die Uefa müsste hart mit Fifa-Präsident Gianni Infantino verhandeln, der seit Monaten mit millionenschweren Preisgeldern um die Top-Clubs wirbt. Lenkt er ein und verschiebt sein eigenes Turnier, könnte die Uefa der Fifa mit der Abstellung mehrerer Top-Clubs entgegenkommen.

DIE VORTEILE: Unabhängig davon, ob die EM in den Winter oder Sommer verlegt wird – die nationalen Ligen hätten einen Monat mehr Zeit, einen Weg aus der Coronavirus-Krise zu finden. Statt Ende Mai müsste erst Ende Juni Schluss sein, die meisten Spielerverträge enden am 30. Juni. Ob das ausreicht, ist aktuell aber nicht abzuschätzen. Experten rechnen nicht damit, dass die steigenden Temperaturen im Sommer zu einer erheblichen Verbesserung beitragen. Möglicherweise wird die EM also verlegt, und es wird trotzdem in den Ligen kein Fußball gespielt.

Dann könnten sogar auch Forderungen nach einer Anpassung der Saisons in den wichtigsten europäischen Ligen an das Kalenderjahr laut werden. Auf der Rechnung haben sollte man zudem mögliche Zwischenlösungen der Uefa. Möglicherweise wird die EM nur auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben, sodass der Europa-Verband mehr Zeit für Absprachen mit den Ligen und der Fifa hat. (hac, APA, 16.3.2020)