Durch den verordneten Stillstand kommen immer mehr Branchen ins Schleudern. Bei manchen liegen die Nerven blank.

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See you later. AUA-Chef Alexis von Hoensbroech scheint guter Dinge, dass wieder bessere Zeiten kommen. Es sei kein Goodbye, sondern allenfalls ein Servus, mit dem man sich vorübergehend von den Fluggästen verabschiede. Die AUA stellt ihren Flugverkehr ab Mittwochnacht praktisch ein. Zwei Flieger hält man noch für Rückholflüge bereit.

Bei der Ryanair-Tochter Lauda ist man noch flotter. Die Flieger stehen seit Mitternacht still. Betroffene Kunden können umbuchen oder ihr Geld zurückfordern.

Nerven liegen blank

Ob mit der durch die Regierung auf den Weg gebrachten Neuregelung der Kurzarbeit, die nun rascher beantragt werden kann, Stillstand der Maschinen und die bereits am 6. März beantragte Kurzarbeit zusammentreffen, ist noch offen. Bei der AUA hofft man stark darauf. Nicht nur in der Airlinebranche fallen die Dominosteine. Vor allem in Gastronomie und Handel scheinen die Nerven blank zu liegen. Wie viele Anträge auf Kurzarbeit am Montag eingegangen sind, kann man bei der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp nicht sagen. Nur so viel: Der Andrang sei kaum zu bewältigen. Vor allem Handelsunternehmen stellen sich an: Autohändler, kleine Boutiquen, Modehandel.

Die Verunsicherung sei auf allen Seiten groß, heißt es bei der Gewerkschaft. Manche Handelsketten berufen trotz des verordneten Schließens ihre Mitarbeiter ein. Das dürfen sie auch. Die Gewerkschaft berichtet aber auch von Unternehmen, die durchaus Druck auf ihre Mitarbeiter ausüben, etwa wenn sie – wie vergangenes Wochenende angesichts des Kundenandrangs im Lebensmittelhandel nötig geworden – sonntags nicht arbeiten wollten. Auch die Aufforderung der Regierung, möglichst viele Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen, scheint bei einigen Unternehmern auf taube Ohren zu stoßen. Umgekehrt ist auch die Hotellerie noch nicht restlos zufrieden.

Kürzere Kündigungsfrist gefordert

Georg Imlauer, Fachgruppenobmann Hotellerie in der Wirtschaftskammer Salzburg, begrüßt die ersten Maßnahmen der Regierung. Die Kündigungsfrist für Mitarbeiter müsse aber verkürzt werden, fordert er: "Bei einer Katastrophe wie Corona, wo die Betriebe geschlossen werden und wir keine Umsätze haben, ist es lebensbedrohend, wenn wir 30 Tage warten müssen, bis wir die Mitarbeiter kündigen können oder sechs Wochen Wartefrist haben, bis wir sie in Kurzarbeit bringen."

Wie in Flachau mussten am Montag bundesweit Gastwirtschaften und Restaurants auf zunächst unbestimmte Zeit zusperren.
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Die neue Regelung, die Frist auf 48 Stunden zu verkürzen und die Arbeit auch auf null Stunden reduzieren zu können, sei ein erster Schritt, sagt Imlauer. Doch: "Wir werden nicht alle Mitarbeiter auf Kurzzeit bringen, weil wir überhaupt kein Geschäft haben."

Hoffen auf September

Auch bei Wiederaufnahme des Betriebs würden die Gäste erst langsam wieder zu reisen beginnen. Der Hotelier rechnet heuer insgesamt nur mit der Hälfte des Geschäfts und erst ab September wieder mit einer Auslastung: "Es kommt auch darauf an, wie schnell es sich erholt und ob die Salzburger Festspiele im Sommer stattfinden können."

Mit Montag hat Imlauer alle seine Salzburger Betriebe mit insgesamt 260 Mitarbeitern geschlossen. In Krisensitzungen sollen nun Lösungen erarbeitet werden. "Es muss für die Mitarbeiter ein gutes Modell sein, aber wir müssen das auch als Betrieb überleben können. Wir haben ab morgen null Umsatz. Ich kann mich in meinem Berufsleben nicht an so eine Katastrophe erinnern."

Abholservice statt Mittagstisch

Wohin man am Tag eins des Ausnahmezustandes auch blickte, überall bot sich ähnliches Bild: Personal wird stempeln geschickt, für Kurzarbeit angemeldet oder freigesetzt. Davon betroffen sind auch Beschäftigte von Leitbetrieben wie dem Café Landtmann in Wien, das wie das Café Mozart, Crossfields und sieben weitere Betriebe im Besitz der Familie Querfeld steht. Die rund 600 Mitarbeiter sind beim AMS Wien zur Kündigung angemeldet worden.

Die St.-Martins-Therme ist seit Montagmittag geschlossen, für die Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt. Andere versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. So hat etwa das Gasthaus zur Gruabn in der Unteren Viaduktgasse in Wien auf Abholservice umgestellt. (Günther Strobl, Stefanie Ruep, Regina Bruckner, 17.3.2020)