Wegen Corona werden innerhalb der EU wieder die Schlagbäume geschlossen, auch an der Grenze bei Kufstein wird kontrolliert.

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Wer vom Homeoffice aus den Himmel über Wien erspähte, wurde am Montag eines höchst seltenen Anblicks gewahr: Kaum einer der sonst allgegenwärtigen Kondensstreifen von Flugzeugen trübte das strahlende Blau. Während zu diesem Zeitpunkt am Flughafen Schwechat trotz der Ausnahmesituation noch Flüge abgefertigt und vereinzelt Landungen durchgeführt wurden, meldete die heimische AUA am frühen Nachmittag die beinahe vollständige Einstellung des Flugverkehrs – mit einer Ausnahme: Rückholungen von Österreicherinnen und Österreichern, die im Ausland gestrandet sind.

Bevor die EU-Kommission am Montagnachmittag die Schließung der EU-Außengrenze bekannt gab, hatte am Sonntagabend Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Landsleute im Ausland per Rundfunkrede dazu aufgefordert, sich "dringendst auf den Weg" nach Hause zu machen oder das Außenministerium zu kontaktieren, um heimgeholt zu werden. Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, lässt sich genau allerdings nur schwer beziffern. Von mehr als 30.000 Landsleuten ist aufgrund der freiwilligen Reiseregistrierung auf der Website des Außenministeriums bekannt, dass sie sich fern der Heimat aufhalten. In Wahrheit, so Ministeriumssprecher Peter Guschelbauer gegenüber dem STANDARD, "sind es um einige Tausend mehr, weil sich nicht alle registriert haben". Während sogenannte Expats, also Auslandsösterreicher mit festem Wohnsitz, gebeten werden, möglichst in ihrer gewohnten Umgebung zu verbleiben, richtet sich der Appell des Kanzlers vor allem an Reisende, "etwa Österreicher, die in den Mittelmeerländern überwintern", so Guschelbauer.

Hotline für Gestrandete

Wer keine Möglichkeit hat, über andere europäische Städte zu fliegen, so es keine Direktflüge mehr nach Österreich gibt, möge sich Guschelbauer zufolge an die Hotline des Außenministeriums unter der Telefonnummer +43 1 90115-4411 wenden. Auch gezielte Rückholaktionen von im Ausland gestrandeten Touristen würden vorbereitet. So etwa aus Marokko, wo am Montagabend eine eigens gecharterte Maschine Urlauber aus Marrakesch zurück nach Österreich bringen sollte. Ab Dienstag sollen auch von der Kanareninsel Teneriffa sowie von den Ferndestinationen Mauritius, Malediven und Kapstadt aus Sonderflüge in Richtung Wien-Schwechat starten.

Außenminister Alexander Schallenberg rief Montagabend auch via Twitter zur Rückreise auf.

Ganz ohne Eigenaufwand dürfte der Rückflug für die Passagiere allerdings nicht bleiben, im Raum steht eine "Kostenbeteilung", wie hoch diese ausfallen wird, war am Montag noch nicht klar.

Am Freitagnachmittag waren in einer ersten Rückholaktion rund 150 Österreicherinnen und Österreicher aus dem besonders von der Coronakrise betroffenen Italien mit einer AUA-Maschine aus Rom über Venedig nach Hause gebracht worden. Eine Passagierin berichtete dem STANDARD, dass an Bord Gesichtsmasken ausgeteilt wurden und sie von Schwechat aus per Rettungswagen an ihren Wohnort gebracht wurde, wo sie nun, gleichwohl symptomfrei, ihre Quarantäne verbringt.

Während die Flugverbindungen auf dem Kontinent immer weiter ausgedünnt werden, entschließen sich immer mehr EU-Länder zur Schließung ihrer Landesgrenzen. Nach Angaben aus Brüssel haben bisher acht Schengen-Staaten die EU-Kommission von der Schließung der Binnengrenzen informiert. Neben Österreich waren dies am Montag Deutschland, Ungarn, Tschechien, Dänemark, Polen, Litauen und die Schweiz. Kurz nachdem die deutsche Polizei mit ihren Kontrollen an der österreichischen Grenze begonnen hatte, bildeten sich entlang der Autobahnen im Grenzgebiet Staus. Auch an den übrigen Grenzen Deutschlands wird seit Montagfrüh verstärkt kontrolliert. Pendler und der Warenverkehr sollen vorerst nicht betroffen sein, hieß es. Doch dürfte es auch für EU-Bürger Beschränkungen bei der Einreise geben, sofern diese keine driftigen Gründe angeben könnten. Am Grenzübergang Kehl am Rhein wies die deutsche Polizei Berichten zufolge Franzosen ab, die sich in Deutschland mit Lebensmitteln hatten versorgen wollen.

EU-Außengrenze geschlossen

Die Grenzschließungen beschäftigten am Montag auch die Spitzenpolitiker. Am Nachmittag gab EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekannt, dass die Außengrenzen der Union für Nicht-EU-Bürger weitgehend geschlossen werden. Alle nicht absolut notwendigen Einreisen in die EU sollten für 30 Tage ausgesetzt werden.

Zuvor hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die "einseitigen Entscheidungen durch eine Reihe von Mitgliedsstaaten" an den Binnengrenzen scharf kritisiert. Ratspräsident Charles Michel rief die EU-Staats- und Regierungschefs für Dienstag zu einem Sondergipfel zusammen.

Aus Österreich hieß es dazu, man wolle diesen abwarten und gemeinsam mit den EU-Partnern über eine Lösung auch für den in Mitleidenschaft gezogenen europäischen Binnenmarkt beraten – wie es sich in Zeiten der Corona-Krise gehört per Videoschaltung. (Florian Niederndorfer, 16.3.2020)