Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Einer der einflussreichsten Politiker weltweit redet wochenlang die Gefahr durch das Coronavirus klein, verbreitet Falschmeldungen und Schuldzuweisungen, lässt sich trotz Kontakts mit Infizierten erst spät testen, will aber letztlich als Retter vor dem Virus dastehen. Make America Healthy Again! Die Rede ist natürlich von Donald Trump, der laut einem glaubwürdigen Bericht der "Welt am Sonntag" versucht haben soll, die in Deutschland ansässige Pharmafirma Curevac, die gerade an einem Impfstoff gegen das Virus arbeitet, mit viel Geld in die USA zu locken. Angeblich wollte er Exklusivrechte für sein Land erwerben. Das Unternehmen ließ jedenfalls verlautbaren, was man von ihm erwarten durfte: dass sie selbstverständlich für die gesamte Menschheit arbeiten.

Diese Episode am Rande eines nahezu weltweiten Coronavirus-Shutdowns zeigt einmal mehr, wie wichtig ein moralisch unzweifelhafter Umgang der Politik mit den Wissenschaften ist – gerade weil im Zusammenhang mit Covid-19, der durch das Coronavirus verursachten Lungenerkrankung, von der größten weltweiten Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Rede ist. Sicher ist: Wir werden sie leichter überstehen, wenn man den Wissenschaftern genug Zeit und Geld gibt, um an Medikamenten zu arbeiten. Wenn man Virologen und Epidemiologen als oberste Instanz sieht und nicht einen wildgewordenen Machtmenschen, der um seine Wiederwahl als Präsident bangt.

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So wie Trump denken leider viele Menschen – auch im nicht allzu wissenschaftsfreundlichen Österreich. Wozu Wissenschaft, fragen sie sich, wenn alles gut läuft, sie bei bester Gesundheit sind und die Wirtschaft floriert. Wenn das dann einmal nicht so ist, kann es ihnen nicht schnell genug gehen. "Gebt mir das Medikament, auf das alle warten!", rufen sie. Zwischendurch drängt man sich in überfüllte Supermärkte und liest, im Untergangsmodus verhaftet, allerlei Falschmeldungen, die hemmungslos über Social Media verbreitet werden. In dieser Phase der Unsicherheit kann man nur eines tun: seriösen Wissenschaftern, die sich mit dem Thema auskennen, zuhören oder auf diversen Kanälen folgen. Sie klären auf, korrigieren Irrtümer. Das beruhigt. Und nach der Krise wäre das die beste Strategie für die Zukunft: Wissenschafter als das zu nehmen, was sie sind. Experten, die sich in ihrem Fach auskennen und wissen, wie stabil oder – in dem Fall – labil die Welt ist. (Peter Illetschko, 17.3.2020)