Wien – Seit einigen Tagen herrscht in Österreich absoluter Ausnahmezustand. Das Leben steht mehr oder weniger still, und die Wirtschaft leidet. Das Wiener Start-up Refurbed blieb von den Auswirkungen der Corona-Krise jedoch bisher weitgehend verschont. Über einen Onlinemarktplatz vertreibt das Unternehmen generalüberholte Elektrogeräte, die wie neu aussehen, jedoch in der Preisklasse eines Gebrauchtgerätes liegen. Refurbishment nennt sich dieses Konzept.

Am Dienstag gab das Unternehmen ein Investment in Höhe von 15,6 Millionen Euro bekannt. Das Geld für die Series-A-Finanzierungsrunde stammt von einem Konsortium internationaler Investoren, angeführt vom finnischen Risikokapitalgeber Evli Growth Partners. Es handelt sich dabei um eines der höchsten Series-A-Investments, die ein heimisches Start-up je bekommen hat. Wie viele Firmenanteile Refurbed dafür abgibt, wird nicht verraten. Das ist Usus in der Start-up-Szene. "Wir Gründer halten noch mehr als 50 Prozent der Anteile", sagt Geschäftsführer Peter Windischhofer im Gespräch mit dem STANDARD. Vor ziemlich genau einem Jahr holten sich die Jungunternehmer eine Finanzspritze in Höhe von zwei Millionen Euro.

So sehen Smartphones oftmals aus, bevor sie repariert und via Refurbed verkauft werden. iPhones sind bei dem Start-up der Verkaufsschlager.
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Coronavirus steigert Nachfrage

Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, haben auf Aufforderung der Regierung viele Arbeitgeber ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Das wirkt sich aus: "Vor allem bei Laptops sehen wir mit der neuen Homeoffice-Situation einen deutlichen Anstieg der Nachfrage", meint Windischhofer. Das am meisten verkaufte Produkt seien aber nach wie vor iPhones. Auch bei Refurbed kommt von den 80 Mitarbeitern niemand mehr ins Büro in Wien.

80 Händler vertreiben ihre Produkte über die Plattform. Sie löschen sämtliche Daten von den Geräten, verschlissene Teile werden ausgetauscht und durch neue ersetzt. Die fertigen Produkte gibt es dann um zehn bis 40 Prozent unter dem Ursprungspreis zu erstehen. Auf jedes Gadget gibt es eine mindestens einjährige Garantie vom Händler – eine Vorgabe von Refurbed.

Mehr als 40 Millionen Euro Außenumsatz

Gemessen am Beispiel des Wiener Start-ups bietet der Refurbishment-Markt offenbar solides Wachstumspotenzial. 2017 wurde Refurbed gegründet. Im Jahr darauf verbuchte das Unternehmen einen Außenumsatz von rund acht Millionen Euro, 2019 waren es mehr als 40 Millionen Euro. Der Außenumsatz entspricht jener Summe, die ein Unternehmen durch externe Partner erzielt. Refurbed selbst kassiert pro verkauften Artikel eine Provision in Höhe von fünf bis zehn Prozent. Heuer streben die Jungunternehmer ein Umsatzwachstum auf 100 Millionen Euro an, vorerst bleiben jedoch die Konsequenzen aus der Corona-Krise abzuwarten.

Mit dem frischen Kapital sollen der Marktauftritt in Deutschland verstärkt und drei weitere europäische Märkte erschlossen werden. Es sei noch unklar, welche, ein osteuropäischer, ein skandinavischer und der englische stehen Windischhofer zufolge im Raum. Im Vorjahr war Refurbed im deutschsprachigen Raum sowie in Italien und Polen aktiv.

Die Gründer.
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Neben Expansion in andere Länder plant Windischhofer aber auch neue Produktgruppen zu etablieren. "Wir möchten uns nicht nur auf Elektrogeräte beschränken, wir wollen alles, was sich refurbishen lässt, anbieten. Küchengeräte oder Grillplatten beispielsweise."

Händler müssen sich bewerben

Wer als Händler bei Refurbed inserieren möchte, muss einen Bewerbungsprozess durchlaufen. "Wir schauen uns genau an, wo die Produkte herkommen und welche Bewertungen zum Händler aufliegen. Das ist wichtig, vor allem damit keine gestohlene Ware verkauft wird", erklärt Windischhofer. Wenn der erste Eindruck stimmt, darf der Händler in einer Art Probezeit 100 Produkte verkaufen. Danach wird auf Basis des Kundenfeedbacks abermals evaluiert, und der Händler bekommt eine Zu- oder Absage.

Um dem Ruf als Green-Start-up gerecht zu werden, betätigt sich Refurbed auch ökologisch. Für jedes verkaufte Produkt pflanzt das Unternehmen einen Baum. Bisher habe man Firmenangaben zufolge bereits 200.000 Bäume eingesetzt. Der Kunde kann sich nach Bezahlung aussuchen, ob das in Madagaskar, Haiti, Nepal oder Australien passiert. (Andreas Danzer, 17.3.2020)