Edin Avdic verlor in der ersten Runde des Olympia-Qualiturniers gegen den Olympiadritten von 2016, Kamran Shakhsuvarly aus Aserbaidschan.

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Wien/London – Humor kann man Edin Avdic nicht absprechen. "Im Nachhinein habe ich mir dann gedacht: Vielleicht ist es gut, wenn ich nicht weiterboxen muss – ich vermeide lieber den Kontakt zu anderen Leuten", scherzt der Österreicher über seine Erstrundenniederlage bei der olympischen Box-Qualifikation in London.

Avdic durfte – oder musste – wie drei weitere Österreicher noch in den Ring steigen. Der fünfte im ÖBV-Bunde, Aleksandar Mraovic, flog umsonst zu dem Ausscheidungsturnier – der Bewerb wurde mit Dienstagfrüh abgebrochen, noch bevor die Superschwergewichtler ihre erste Runde austragen konnten. "Chaos, Chaos, Chaos", fasst Avdic zusammen.

Drei statt elf Tage Boxen

Von 14. bis 24. März hätte die europäische Ausscheidung stattfinden sollen, am Montagnachmittag beschloss die Box-Taskforce des Internationalen Olympischen Komitee den Abbruch. Freilich nicht aufgrund von Ansteckungsängsten, sondern um den Beteiligten noch vor dem Ende des internationalen Personenverkehrs die Heimreise zu ermöglichen.

Eine Abendsession wurde danach noch durchgeführt, in dieser gewann Marcel Rumpler als einziger Österreicher einen Kampf. Der 22-Jährige steht damit in einer zweiten Runde, von der niemand weiß, wann sie stattfindet.

Marcel "Montana" Rumpler gewann als einziger der vier zu einem Kampf angetretenen Österreicher. Er schlug den Niederländer Delano James.

Nun war freilich schon längst abzusehen, dass das Durchziehen von Sportevents wenig unmittelbare Zukunft hat, aber das IOC dreht unbeirrbar an der Olympia-findet-statt-Gebetsmühle. Also mussten die Boxer ran. "Uns hat es sowieso gewundert, dass das Turnier überhaupt stattfindet", sagt Avdic dem STANDARD. "Man hat sich von Anfang an nicht komplett fokussieren können. Es war immer nur die Rede vom Coronavirus, jeder hat den Stress gehabt, dass er nicht infiziert wird und nichts einschleppt, wenn er nach Hause kommt."

Ansteckungsangst

Die Boxer hätten sich "nur zwischen Bett, Hotel und Sporthalle" bewegt, erzählt der Mittelgewichtler. "Wir wurden jeden Tag von den Ärzteteams untersucht, es wurde Fieber gemessen und bei den Abwaagen gab es gründliche Untersuchungen", sagt er. Gekämpft wurde ohne Zuschauer – in England ja noch keine Selbstverständlichkeit. Avdic: "Das Feuer, dass man sich freut, im Ring zu stehen, ist nicht wie normalerweise dagewesen. Aber bei meinem Kampf habe ich das Beste rausgeholt, viele haben mich als Sieger gesehen."

"Anfangs haben wir auch nicht so viel mitbekommen, weil wir uns auf das Boxen konzentrieren wollten. In London sind die Leute auf der Straße rumgelaufen, als wäre nie etwas gewesen", sagt Avdic über die Zeit vor dem Turnier. Dann hätten sich die Boxer aber "mehr mit den österreichischen Medien auseinandergesetzt".

Nach dem Abbruch ging es schnell, Dienstagnachmittag landete die ÖBV-Abordnung schon in Schwechat. "Wir sind getestet worden und müssen sicherheitshalber die nächsten zehn Tage zuhause bleiben", sagt Avdic.

Der Olympiazug – wann immer das Großereignis letztlich stattfindet – ist für die in London ausgeschiedenen Boxer freilich noch nicht abgefahren. Mitte Mai wäre in Paris das nächste Qualifikationsturnier geplant. "Die BTF zielt darauf ab, alle Quotenplätze im Mai und Juni zu füllen", verlautbarte die Taskforce des IOC erst am Montag. Das olympische Komitee organisiert die Boxbewerbe rund um Olympia, weil der internationale Boxverband AIBA vergangenes Jahr suspendiert wurde. (Martin Schauhuber, 17.3.2020)