Bald öfter auf Schweizer Straßen zu sehen: Wasserstoff-Lkws.

Foto: Reuters / Hyundai

Das Vehikel sieht von außen aus wie ein stinknormaler Lastwagen, seine Bezeichnung deutet aber an, dass es sich nicht um einen Dieselbrummi handelt: H2 Xcient. Schließlich steht H2 für die chemische Formel von molekularem Wasserstoff. Der Truck, entwickelt von Hyundai, fährt mit Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff "betankt" werden und diesen in Strom für den Elektroantrieb umwandeln.

Die Koreaner versprechen, dass das Nutzfahrzeug dank seines 190-kW-Brennstoffzellensystems mit zwei parallel geschalteten Brennstoffzellen-Stacks und seinen sieben Wasserstofftanks (Fassungsvermögen: 35 Kilogramm) eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern hat. Das macht die Sache für den Güternahverkehr interessant.

Von der Handhabung ist es fast wie ein herkömmlicher Diesel-Lkw, weil das Fahrzeug ähnlich betankt werden kann und das schneller vonstattengeht als etwa bei einem reinen E-Fahrzeug, das noch dazu schwere Batterien mit an Bord hat, was sich negativ auf die Nutzlast auswirkt. Attraktiv ist die Technologie auch deswegen, weil der Systemwirkungsgrad der Brennstoffzelle über dem von Verbrennungsmotoren liegt.

Nachhaltigkeit gewährleisten

Der größte Vorteil: Es gibt keinerlei Emissionen, es wird nur Wasserdampf ausgestoßen. Aus diesem Grund ist der Wasserstoff-Lkw ein Hoffnungsträger für die Transportbranche, die mit immer strengeren Umweltvorgaben seitens der EU konfrontiert ist. So sollen die CO2-Emissionen für schwere Lkws europaweit um 15 Prozent bis 2025 bzw. 30 Prozent bis 2030 (auf Basis der Werte von 2019) gesenkt werden.

Nachhaltig ist der Transport mit Wasserstoff aber nur dann, wenn dieser mit erneuerbarer Energie hergestellt wird: Allerdings wird der aktuell auf dem Markt erhältliche Wasserstoff meist aus fossilen Quellen wie Erdgas oder Kohle gewonnen. Hinzu kommt, dass die Herstellung selbst viel Energie benötigt, was die Bilanz verschlechtert. Zudem fehlt die Tankstellen-Infrastruktur.

Nichtsdestotrotz liefert Hyundai noch heuer die ersten Wasserstoff-Lkws in der Schweiz aus. Bis 2025 sollen dort insgesamt 1600 Laster unterwegs sein. Dafür hat sich auf Initiative der Privatwirtschaft der Förderverein H2 Mobilität Schweiz gegründet. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2023 ein Netz an Wasserstofftankstellen aufzubauen.

Aufbau der Infrastruktur

Alle Mitglieder, darunter die Einzelhandelsriesen Coop und Migros, verfügen zusammengerechnet über ein Netz von 2000 Tankstellen sowie eine Flotte von mehr als 4.000 schweren Nutzfahrzeugen und haben so das Potenzial, eine entsprechende Infrastruktur in der Schweiz aufzubauen, wie es vonseiten des Vereins heißt.

Bis 2023 die weltweit größte Flotte an Wasserstoff-Elektronutzfahrzeugen zu haben ist das deklarierte Ziel. Im Rahmen eines Joint Venture, dem auch Hyundai angehört, sollen interessierten Unternehmen Fahrzeuge zu Verfügung gestellt werden. Gezahlt wird pro gefahrenem Kilometer, Treibstoff, Unterhalt, Versicherung und Service sind inkludiert.

Damit auch die Wasserstoffproduktion nachhaltig ist, wurde Hydrospider, ein weiteres Joint Venture aus Wasserstoffspezialisten und Energieversorgern gegründet: Man verwendet dazu eine seit Ende 2019 laufende, neue 20-Megawatt-Elektrolyseanlage. Sie bezieht ihren Strom aus einem Wasserkraftwerk, das klimaneutral arbeitet. (Markus Böhm, 21.3.2020)