Ifo-Chef Clemens Fuest prognostiziert der deutschen Wirtschaft trübe Zeiten.

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Wien/München – Die deutsche Wirtschaft wird nach Prognose des Ifo-Instituts heuer wegen der Corona-Krise stark schrumpfen. Bei größeren Produktionseinschränkungen sei ein Einbruch der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent denkbar, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Donnerstag in München. Wenn es nicht ganz so schlimm werde, könne das Minus bei nur 1,5 Prozent liegen.

"Sowohl die Unsicherheit als auch die Abwärtsrisiken sind sehr groß", sagte Fuest. "Niemand weiß genau, wie sich die Absagen und Schließungen wirtschaftlich auswirken." Der weitere Verlauf der Konjunktur hänge stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie und von Entscheidungen in anderen Ländern ab.

Auch in den deutschen Führungsetagen schürt die Coronavirus-Krise die Furcht vor einer kräftigen Rezession. Die Stimmung der befragten Manager fiel im März auf den tiefsten Stand seit Mitte 2009, wie das Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Der Ifo-Geschäftsklima-Index sank nach vorläufigen Ergebnissen auf 87,7 Punkte – nach 96,0 Zählern im Februar. "Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession", sagte Fuest. "Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate verfinsterten sich wie nie zuvor."

Neun Prozent

Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge droht der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr sogar ein Konjunktureinbruch von bis zu neun Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) falle um 4,5 Prozent, sofern die derzeitige Stresssituation nur bis Ende April andauere und sich dann ab Mai allmählich entspanne, teilte das IfW am Donnerstag mit. "Dies wäre ein Rückgang der Wertschöpfung von 150 Milliarden Euro", hieß es dazu. Setzt die Erholung aber erst drei Monate später im August ein, würde das BIP um 8,7 Prozent fallen.

In beiden Szenarien rechnet das IfW im März mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um fast 18 Prozent zum Vormonat. Dieses niedrige Niveau werde voraussichtlich auch im April noch weitgehend Bestand haben. Aufgrund der weltweiten Belastung der Konjunktur sei von keinen nennenswerten Nachholeffekten im weiteren Jahresverlauf auszugehen.

Rezession unvermeidbar

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält wegen der Corona-Krise eine Rezession für unvermeidlich. "Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr sicher in eine Rezession stürzen", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen am Donnerstag in Berlin. Wie genau es weitergehe, sei derzeit unvorhersehbar. Denkbar seien zwei Szenarien. "Entweder ein V, also baldige Nachholeffekte von Produktion und Konsum nach einem rapiden Absturz, so wie es bei anderen Epidemien wie Sars, der Schweine- oder Vogelgrippe der Fall war", sagte der Experte. Dann könnte das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,1 Prozent schrumpfen.

"Es kann aber – und das scheint derzeit realistisch – auch zu einem L-Verlauf der Wirtschaft kommen, in dem nach dem Absturz eben erst einmal nichts groß nachgeholt wird und Konsum und Produktion auf einem deutlich niedrigeren Niveau bleiben", sagte Michelsen. "Die Rezession würde dann noch deutlich schwerer ausfallen." Eine konkrete Prognose dazu wollte das DIW nicht wagen.

Dieses Szenario zu vermeiden müsse vordringlichste Aufgabe der Politik sein. "Vor allem kleine Unternehmen und Selbständige wissen nicht einmal, ob sie die Krise wirtschaftlich überleben werden", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Es kommt nun darauf an, schnell und unbürokratisch Finanzhilfen bereitzustellen. Oberste wirtschaftspolitische Priorität sollte die Stabilisierung von Beschäftigung und die Verhinderung von Insolvenzen sein." (red, 19.3.2020)