"Die Welt nach dem Coronavirus" skizziert Yuval Noah Harari, der israelische Historiker und Bestsellerautor (21 Lektionen für das 21. Jahrhundert, Homo Deus), in der Financial Times. Im Folgenden Auszüge:

Gefährliche Technologien

"Viele kurzfristige Notfallmaßnahmen werden zu einem festen Bestandteil des Lebens werden. Das liegt in der Natur von Notfällen. Sie beschleunigen historische Prozesse. Entscheidungen, die in normalen Zeiten jahrelange Beratungen erfordern, könnten, werden innerhalb weniger Stunden getroffen. Unreife und sogar gefährliche Technologien werden in Betrieb genommen, weil die Risiken des Nichtstuns größer sind. (...)

Zwei wichtige Entscheidungen

In dieser Zeit der Krise stehen wir vor zwei besonders wichtigen Entscheidungen. Die erste ist zwischen totalitärer Überwachung und der Ermächtigung der Bürger. Die zweite ist zwischen nationalistischer Isolation und globaler Solidarität. (...)

Biometrische Überwachung würde die Daten-Hacking-Taktik von Cambridge Analytica wie etwas aus der Steinzeit aussehen lassen. (...)

"Solidarität kennt keine Grenzen", eine Botschaft aus Berlin-Kreuzberg.
Foto: REUTERS / Michele Tantussi

Werden wir den Weg der Uneinigkeit gehen oder den Weg der globalen Solidarität einschlagen? Wenn wir uns für die Uneinigkeit entscheiden, wird dies nicht nur die Krise verlängern, sondern in Zukunft wahrscheinlich noch schlimmere Katastrophen verursachen. Wenn wir uns für globale Solidarität entscheiden, wird dies nicht nur ein Sieg gegen das Coronavirus sein, sondern gegen alle zukünftigen Epidemien und Krisen, die die Menschheit im 21. Jahrhundert befallen könnten." (red, 23.3.2020)