Täglich werden mehr Corona-Tests durchgeführt. Mittlerweile entwickeln sich die überlasteten Testlabors zum Nadelöhr. Pooling könnte Abhilfe schaffen, meinen Fachleute.
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Frage: Was genau ist mit Schnelltest gemeint?

Antwort: Derzeit arbeiten mehrere Unternehmen und Forschungseinrichtungen an Antikörper-basierten Schnelltests, die das Oberflächenprotein des Sars-CoV-2 anstelle des Erbguts des Erregers erkennen können. Nach einem Abstrich im Rachenraum sollen diese Test bereits nach wenigen Minuten zeigen, ob eine Covid-19-Infektion vorliegt. Derzeit werden die einzelnen Methoden geprüft, eine marktreife Anwendung wird es Experten zufolge aber nicht vor Mai 2020 geben.

Ein von Roche entwickeltes Realtime-PCR-Testverfahren hat am 12. März 2020 von der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung erhalten. "Der Einsatz dieses Tests ist in Europa aber ungewiss, da dieser für den amerikanischen Markt gedacht ist", heißt es vonseiten des österreichischen Gesundheitsministeriums.

Frage: Wie viele Tests wurden bisher insgesamt durchgeführt?

Antwort: Gesundheitsminister Rudolf Anschober bezifferte die Zahl der Testungen mit Stand Montag 8 Uhr auf insgesamt 23.429. 2061 davon fanden innerhalb der vergangenen 24 Stunden statt. Laut dem Gesundheitsministerium stehen die von den einzelnen Labors übermittelten Zahlen für die der getesteten Menschen, sind also nicht durch wiederholte Tests ein und derselben Person verzerrt.

Frage: Wie viele Menschen werden jetzt im Schnitt pro Tag getestet?

Antwort: Zwischen 1. und 16. März wurden täglich durchschnittlich 427 Tests durchgeführt. Ab dem 17. März stieg die Zahl der durchgeführten Tests stark an: In den vier Tagen bis zum 20. März wurden im Schnitt 1780 Menschen getestet. Am 21. und 22. März waren es jeweils durchschnittlich 2877 Tests.

Frage: Wie hoch ist die Dunkelziffer bei den Infektionen?

Antwort: Erste Berechnungen zu dieser Frage wurden vor kurzem von Experten vom Institut für Höhere Studien (IHS) durchgeführt. Ausgehend von einem exponentiellen Wachstum bei der Zahl der Infizierten und basierend auf der Annahme, dass gut 72 Prozent der Fälle symptomlos (also unerkannt) bleiben, kamen die Forscher für den 17. März in Österreich auf 54.400 Fälle. Gemeldet waren an diesem Tag 1332 Infektionen. Ob diese Prognose tatsächlich zutrifft, sei nach Ansicht der IHS-Experten freilich unsicher.

Frage: Wie sieht diese Zahl im internationalen Vergleich aus?

Antwort: Ein solcher Vergleich ist aus mehreren Gründen kaum möglich. Es gibt bisher keine zentralisierte Datenbank der WHO, die die Zahl der Tests erfasst. Initiativen wie das Projekt Our World in Data an der Universität Oxford versuchen ein Gesamtbild zu erstellen, sind dabei aber auf die offiziellen Statistiken angewiesen, die von den einzelnen Staaten veröffentlicht werden. Bei weitem nicht jedes Land hat solche Daten schon bereitgestellt, zudem gibt es unterschiedliche Erhebungsweisen: Manche Staaten weisen die Zahl der getesteten Menschen aus, andere die der Untersuchungssamples inklusive Mehrfachtests.

Frage: Welche Staaten nehmen es mit dem Testen besonders ernst?

Antwort: In Südkorea waren großmaßstäblich durchgeführte Tests von Anfang an eine tragende Säule der Eindämmungspolitik, das Land liegt immer noch an erster Stelle bei der absoluten Anzahl der Tests. In der Praxis dürfte aber die Umrechnung auf die Einwohnerzahl relevanter sein, und hier sieht das Bild etwas anders aus. Hier bilden kleine Inselnationen wie Island oder die Färöer die Spitze. Island hat bereits angekündigt, seine gesamte Bevölkerung – etwa 364.000 Menschen – durchtesten zu wollen.

Frage: PCR-Test versus Antikörpertest: Was ist der Unterschied?

Antwort: Beim PCR-Test wird Sars-CoV-2 über Abstriche aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum nachgewiesen. Aus den Proben wird das Erbgut des Virus, die RNA, extrahiert, dann in der PCR-Messung (Polymerase Chain Reaction) vermehrt und fluoreszierend markiert. Grün bedeutet, die Probe ist positiv, rot heißt, sie ist negativ. Antikörpertests messen dagegen, ob sich gegen Sars-CoV-2 Antikörper im Blut gebildet haben – diese lassen sich etwa sieben bis zehn Tage nach einer Infektion nachweisen. Bislang waren Antikörpertests sehr unzuverlässig, da sie Coronaviren allgemein detektieren und auch dann ein positives Ergebnis anzeigen, wenn ein Patient bereits früher eine Coronainfektion durchgemacht hatte.

Frage: Warum werden nicht mehr Tests durchgeführt?

Antwort: Es geht nicht darum, dass ein Land derzeit solche Tests nicht durchführen will, sondern darum, dass die Kapazitäten für solche Massentestungen in Österreich fehlen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober stellte am Montag klar: Eine flächendeckende Testung, wie etwa von der SPÖ gefordert, werde als nicht sinnvoll erachtet und sei auch aufgrund der vorhandenen Ressourcen nicht umsetzbar. Die Infrastruktur aus Nicht-Pandemie-Zeiten reicht für den derzeitigen Bedarf nicht aus, sie wird aber parallel zur Entwicklung der Pandemie gerade hochgefahren.

Das betrifft viele Bausteine: 1.) Die Anzahl der Labors. Derzeit werden auch nichtvirologische Labors aufgerüstet, um Corona-Tests durchführen zu können. 2.) Die Schulung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, um mit hochinfektiösen Abstrichen umgehen zu können. 3.) Die technische Infrastruktur und Verfahren, um mehr Tests in kürzerer Zeit durchführen zu können. Es gibt Roboter, die solche mehrschrittigen Testverfahren automatisieren. An allen diesen Fronten wird gearbeitet. Vor einer Woche wurden noch maximal 1500 Tests pro Tag in zehn Labors durchgeführt. Mittlerweile werden zwischen 2000 bis 4000 Tests täglich in 20 Labors, darunter auch in niedergelassenen, durchgeführt. Das Ziel sei, so rasch wie möglich die Kapazitäten zu erhöhen und so viel wie möglich zu testen, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Deshalb sagt Anschober, dass es erst in zwei Wochen deutlich mehr Testkapazität geben könnte.

Frage: Was ist Pool-Testing, und worin liegt dabei der Vorteil?

Antwort: Beim Pooling werden die Proben von mehreren Personen gemeinsam mit einem einzigen Test untersucht. Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass alle getesteten Personen negativ sind. Fällt der Test positiv aus, müssen alle Personen in dem Pool noch einmal einzeln getestet werden. Ist der Infektionsgrad in der Bevölkerung gering, erreicht man mit dieser Methode eine weitgehende Effizienzsteigerung beim Testen. Laut den Berechnungen des Complexity Science Hub Vienna (CSH) können mit den derzeit verfügbaren Tests beträchtlich mehr Personen untersucht werden.

Die Grafik links zeigt die optimale Pooling-Größe für einen gegebenen Infektionsgrad in der Bevölkerung. Mitte: Personen, die effektiv mit einem Test gemessen werden können. Die Vergrößerungen innerhalb der Grafik zeigen die Situation für niedrige Infektionsgrade. Rechts sind die Fehlerraten des Pooling-Verfahrens abzulesen.
Grafik: R Hanel, S Thurner, Boosting test efficiency by pooled testing strategies for SARS-CoV-2

Stefan Thurner vom CSH hat im Rahmen einer aktuellen Arbeit die optimale Pooling-Größe für Österreich eruiert. Gegenüber dem STANDARD erklärt er, mit dieser Strategie könnten bei 10.000 tatsächlich infizierten Personen mit 3000 täglich verfügbaren Tests etwa 45.000 Menschen getestet werden. Bei 100.000 Infizierten könnten damit immer noch etwa 15.000 Menschen täglich untersucht werden. Bei zehn Prozent Infizierten sinkt die Wirksamkeit der Methode allerdings auf knapp zwei Personen pro Test. Laut Thurner könnte Pooling insbesondere bei einer vergleichsweise geringen Zahl von Infizierten dabei helfen, Engpässe bei den Tests deutlich zu entschärfen.

Frage: Ich habe Symptome einer Erkältungskrankheit, werde aber nicht auf Sars-CoV-2 getestet. Wie kann das sein?

Antwort: Die Testkapazitäten reichen derzeit nicht aus. Deshalb werden Prioritäten gesetzt. Man identifiziert jene Gruppen mit einem sehr dringenden Verdacht, etwa Risikogruppen, und geht davon aus, dass alle anderen einen milden Verlauf durchmachen. Für einen Test gibt es aktuell drei festgelegte Kriterien, die sich freilich laufend ändern: Man zeigt zumindest eines der Symptome (Husten, Fieber, Kurzatmigkeit) und war entweder in Kontakt mit einem bestätigten Fall oder hielt sich in einem Risikogebiet auf. Darunter fallen Länder wie Italien, China oder der Iran. Aber auch wer innerhalb Österreichs auf Urlaub war oder Verwandte besuchte, hat sich vielleicht einem Risikogebiet aufgehalten. Dazu zählen mittlerweile Tirol, die Arlberg-Region und einzelne Gemeinden in Kärnten und Salzburg. Als dritte Möglichkeit bleibt die Anordnung eines Tests durch einen Arzt, der unabhängig der Verdachtskriterien entscheiden kann.

Frage: Warum muss vor allem medizinisches Personal getestet werden?

Antwort: Ärzte und Pflege haben in der Corona-Pandemie eine Schlüsselfunktion, weil sie die Krankenversorgung gewährleisten und weiterhin auch viele und zum Teil enge Personenkontakte bei diversen Untersuchungen haben. Man will nicht riskieren, dass ganze Stationen in Spitälern ausfallen. Medizinisches Personal hat deshalb laut Gesundheitsminister Anschober Priorität. Es muss verhindert werden, dass Spitäler zu Drehscheiben für Infektionen werden. Wie genau das Gesundheitspersonal Vorrang bekommen soll – ob es etwa im Gegensatz zur restlichen Bevölkerung weniger Kriterien erfüllen muss, ob es in Warteschlagen vorgereiht wird, ob überhaupt flächendeckend getestet werden soll –, werde derzeit noch erarbeitet, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Dann wird auch klar sein, ob das Pflegepersonal von der Maßnahme profitieren wird. (Thomas Bergmayr, Günther Brandstetter, Jürgen Doppler, Vanessa Gaigg, Karin Pollack, Bernadette Redl, 24.3.2020)