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In vielen asiatischen Ländern ist das Tragen von Mundschutzmasken zur Grippezeit eine Selbstverständlichkeit. Seit Ausbruch der Corona-Krise sind sie auch bei uns omnipräsent. Gleichzeitig werden die Reserven knapp. Die Regierung hat angekündigt, 20 Millionen Schutzmasken aus China liefern zu lassen. Nicht jedes Modell schützt zuverlässig vor Viren. eine Übersicht.

Podcast: Welche Masken vor dem Coronavirus schützen.

DIY-Masken aus Stoff oder Schals als Gesichtsschutz

Wenn Masken Mangelware sind, werden die Menschen kreativ. Und so gibt es Anleitungen für Do-it-yourself-Masken im Web, die mit einer Nähmaschine aus Stoff selbst hergestellt werden können. Bei wem es noch schneller gehen soll, der wickelt sich einen Schal um Nase und Mund. Wer sich dafür entscheidet, sollte wissen: Dicht gegen Viren ist Stoff nicht.

Wer allerdings selbst an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankt ist und sich im öffentlichen Raum bewegen muss, für den kann jeglicher Mundschutz, auch wenn er aus Stoff besteht, sinnvoll sein. Denn damit vermindert man das Risiko für andere, sich anzustecken, heißt es vom Robert-Koch-Institut. Die Barriere hält Tröpfchen zurück, die beim Husten oder Niesen in die Umgebung katapultiert werden.

Tragen allerdings gesunde Menschen im öffentlichen Raum Masken aus Stoff oder Papier, um sich selbst vor einer Ansteckung zu schützen, ist das wenig zielführend und eher eine "psychologische Maßnahme", sagt Miranda Suchomel vom Institut für Hygiene der Med-Uni Wien. Denn Masken – egal welcher Art – geben ihren Trägern ein falsches Sicherheitsgefühl. Viren wie Sars-CoV-2 davon abhalten, in Mund oder Nase zu gelangen, können Textilien nicht. Denn diese sind so klein, dass das verwendete Gewebe viel engmaschiger sein müsste. Hinzu kommt: Um optimal geschützt zu sein, muss der Mundschutz perfekt sitzen, Nase und Mund bedecken und die Maske eng am Gesicht anliegen. Gibt es Lücken, ist Sinn und Zweck der Maske verfehlt. Bei Bartträgern ist ein guter Sitz schwer möglich, wie das Robert-Koch-Institut verlautbart.

Die Maske ist das eine, ihre richtige Anwendung das andere, sagt auch die WHO und empfiehlt: Vor dem Anlegen der Maske Hände gründlich waschen, während des Tragens die Maske nicht berühren, und wenn sie durchfeuchtet ist, muss sie sofort gewechselt werden und darf nicht wiederverwendet werden.

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Chirurgische Masken als klassischer Mund-Nasen-Schutz

OP-Masken bestehen aus mehreren Schichten Papier oder Vlies und werden mit Bändern hinter den Ohren fixiert oder am Hinterkopf zusammengebunden. Sie werden eingesetzt, um das Umfeld des Trägers zu schützen. "Diese Masken sollen verhindern, dass Chirurgen den Patienten bei der OP in die Wunde spucken", erklärt Miranda Suchomel. Laut WHO können Patienten mit dem Tragen einer chirurgischen Maske ihr Umfeld schützen, weil dadurch beim Sprechen, Husten oder Niesen weniger Sekrettröpfchen verteilt werden.

In die andere Richtung, also um den Träger der Maske vor einem Virus zu schützen, funktionieren auch diese Modelle nicht. Denn ihr Material ist ebenfalls zu grobmaschig, um Sars-CoV-2 am Eindringen in den Körper zu hindern. Laut dem Robert-Koch-Institut gibt es keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines solchen Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert. Sich als gesunder Mensch mit einer Maske vor Sars-CoV-2 zu schützen, etwa in der U-Bahn oder beim Einkaufen, davon raten neben der WHO auch das Robert-Koch-Institut und die Ages ab. Denn die Masken verleiten dazu, sich in falscher Sicherheit zu wiegen und damit auf andere, sinnvollere Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, sich nicht ins Gesicht zu greifen, Abstand zu halten und die Niesetikette zu vergessen.

Zudem sind die Masken während der Corona-Krise immer wieder knapp und zwar dort, wo sie tatsächlich gebraucht werden, im medizinischen Bereich. Auch die österreichische Regierung hat nach Hilferufen der Ärztekammer verkündet, in China 20 Millionen Schutzmasken bestellt zu haben, fünf Millionen sollen noch diese Woche ankommen. Hier sind OP-Masken jedenfalls sinnvoll, sagt auch die WHO: Wer gesund ist, sollte nur dann eine OP-Maske tragen, wenn er sich um jemanden kümmert, der an Covid-19 erkrankt ist, so die Empfehlung.

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FFP-Masken für medizinisches Personal

Die sogenannten FFP-Masken (Filtering Face Piece) gibt es in drei Kategorien – 1, 2 und 3. Sie werden überall dort eingesetzt, wo Menschen vor Gefahrstoffen geschützt werden sollen, die sich in der Luft befinden – neben der Medizin ist das vor allem die Baubranche.

FFP1-Masken schützen vor ungiftigen Staubpartikeln wie Zement, Gips oder Pollen. Sie filtern mindestens 80 Prozent der Partikel in der Luft bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern. FFP2-Masken eignen sich für Arbeitsumgebungen, in denen sich gesundheitsschädliche und erbgutverändernde Stoffe, etwa Granit, Silikon oder Natrium, in der Atemluft befinden. Sie müssen mindestens 94 Prozent der Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometer auffangen. FFP-3-Masken filtern mindestens 99,5 Prozent der Teilchen bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern und schützen als einziges Maskenmodell und auch nur dann, wenn die FFP3-Maske gut sitzt, effektiv vor Aerosolen, Viren, Asbest, Bakterien oder Pilzsporen. Sie verhindern also auch, dass Sars-CoV-2 in Nase oder Mund gelangt.

Das hat jedoch einen Preis: Denn das Tragen einer FFP3-Maske ist alles andere als angenehm, wie Miranda Suchomel vom Institut für Hygiene der Med-Uni Wien berichtet. Weil diese Masken die Luft extrem filtern, wird das Atmen damit sehr beschwerlich. Daher verfügen diese Modelle oft über ein Ausatemventil und können nicht länger als eine Stunde getragen werden. Für Privatpersonen, die sich bei einem Spaziergang im Park oder einem Einkauf damit vor dem Virus schützen wollen, sind sie daher nicht geeignet. Suchomel weiß, dass gerade deshalb diese Masken von medizinischen Laien oft falsch angewendet werden, etwa nur über den Mund und nicht über die Nase gezogen werden.

Hinzu kommt: Diese Masken sind derzeit Mangelware und im Gesundheitsbereich dringend benötigt. Deshalb appelliert Suchomel, sie dem medizinischen Personal zu überlassen. (Bernadette Redl, 25.3.2020)