Ein Kind in Peru erhält eine präventive Tuberkulose-Therapie. Laut WHO wird so etwas noch immer viel zu selten durchgeführt.

Foto: REUTERS/Mariana Bazo

Genf – Die Augen der Welt mögen aktuell ganz auf die Corona-Pandemie gerichtet sein, und so schnell dürfte sich daran auch nichts ändern. Leider hat die neue Krankheit aber nicht alle diejenigen zum Erliegen gebracht, die die Menschheit seit Jahrzehnten plagen und weiterhin eine erschreckend hohe Zahl an Todesopfern fordern.

So sterben weltweit pro Tag mehr als 4.000 Menschen an Tuberkulose (TB), fast 30.000 werden täglich neu infiziert, wie die Weltgesundheitsorganisation diese Woche zum Welttuberkulosetag in Erinnerung rief: "Diese Krankheit bleibt der größte Infektionskiller der Welt."

Ein Viertel der Weltbevölkerung, also fast zwei Milliarden Menschen, trage das Bakterium in sich, das die Lunge und andere Organe befallen kann. Viele seien gesund und steckten andere nicht an. Bei einer Schwächung des Immunsystems liefen sie aber Gefahr, krank zu werden. Bei einer halben Million Menschen, bei denen 2018 Tuberkulose ausbrach, sei die Krankheit gegen die gängigen Medikamente resistent gewesen.

Anspruch und Wirklichkeit

Bis 2030 will die Welt die Tuberkulose besiegen, aber keine zehn Jahre vor dem Zieldatum sieht es trübe aus: Nur ein Bruchteil der Menschen, die es bräuchten, bekomme heute vorbeugend lebensrettende Medikamente, so die WHO. Dabei hätten die Regierungen der Welt bei einem Tuberkulosegipfel 2018 versprochen, bis 2022 mindestens 30 Millionen Menschen vorbeugend zu behandeln, weil ihnen Ansteckung droht – darunter vier Millionen Kinder.

2018 (der aktuellste Zeitpunkt, zu dem vollständige Daten vorliegen) seien aber nur 430.000 Kontaktpersonen von TB-Kranken und 1,8 Millionen mit dem Aids-Erreger HIV Infizierte vorbeugend behandelt worden. Nur ein Viertel der Kinder unter fünf in Familien, wo jemand mit TB lebt, sei behandelt worden. Im vergangenen Jahr wurden nach WHO-Angaben nur zwei Drittel der nötigen Summe von 10,1 Milliarden Dollar für Diagnose und Behandlung aufgewendet. Für die Forschung sei weniger als die Hälfte der nötigen zwei Milliarden Dollar zusammengekommen.

Prävention dringend erforderlich

Vorbeugend werden Patienten bis zu sechs Monate mit einem oder mehreren Antibiotika behandelt. Die Behandlung kostet in ärmeren Ländern zwischen fünf und 15 Dollar, sagte Matteo Zignol, Chef des TB-Präventionsprogramms bei der WHO. Und die Prävention steht auch im Kontext der aktuellen Pandemie: Für TB-Patienten sei eine Ansteckung mit dem Covid-19-Virus nämlich besonders gefährlich.

Trotz der Krise durch Covid-19 müsse die Welt weiter alles daransetzen, Krankheiten wie Tuberkulose zu besiegen, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Millionen Menschen müssen in der Lage sein, vorbeugende Medikamente zu bekommen, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern, Leiden abzuwenden und Leben zu retten." Vor allem Risikogruppen müssten konsequenter behandelt werden, also Angehörige von TB-Patienten, Menschen mit HIV und mit geschwächtem Immunsystem sowie solche, die mit vielen anderen Menschen in engen Verhältnissen zusammenleben. (red, APA, 25. 3. 2020)